Gastbeitrag von Moshe Zuckermann
Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. 2018 wurde er emeritiert. Sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Florian Rötzer geschrieben hat, erscheint demnächst. Der vorliegende Aufsatz erschien bei overton-magazin.de:
Wie erklärt es sich, dass so viele Israelis den Krieg gegen Iran herbeiwünschen? Haben zwei Jahre Gazakrieg nicht gereicht?
Statistischen Erhebungen zufolge sind rund 60% der Israelis für einen weiteren Krieg im Gazastreifen, 70% wollen den Krieg gegen Iran. Kaum zu fassen: Nach zweijährigem Krieg gegen die Hamas und nach zweimaligem (von Israel provozierten) Raketenbombardement aus dem Iran ist man in Israel (es handelt sich wohl primär um die jüdische Bevölkerung des Landes) noch immer kriegsfreudig, um nicht zu sagen, kriegslüstern. Bedenkt man, was Israel nicht nur dem Gazastreifen, sondern auch sich selbst mit diesem langen Krieg angetan hat, und was man bei den iranischen Angriffen – noch immer nur als Vorgeschmack auf das potentiell zu Erwartende – zu erleben hatte, steht man vor einem Rätsel.
Erklären lässt sich das im Fall des Gazastreifens nur damit, dass man trotz Verwüstung des palästinensischen Landstrichs und barbarischer Tötung von mindestens 70.000 Menschen, großteils unbeteiligter Zivilisten, unter ihnen Zehntausende von Frauen, Kindern und Säuglingen, sich eingestehen muss, den von Netanjahu zum Ziel gesetzten “totalen Sieg” nicht erreicht zu haben: Die Hamas besteht noch immer und erstarkt zunehmend, zwar nicht militärisch, aber doch als politischer Faktor der Verwaltung von Gaza. Israel ist zudem vom amerikanischen Präsidenten ein unliebsamer Waffenstillstand mit noch unliebsamerer Friedensperspektive aufgezwungen worden. Im “Friedensrat” von Gaza finden sich als zentrale Bündnispartner Trumps mit Israel verfeindete Länder wie Katar und Erdoğans Türk
























