Der Hagenmarkt – ein Symbol für nachhaltiges Denken und Handeln!

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Foto: Kristine Schmieding

Von Friedrich Walz

Ganz oben auf der globalen Agenda gehört die Bewältigung der größten Herausforderung der Menschheit in diesem Jahrhundert: Die Bekämpfung des Klimawandels. Die Notwendigkeit der Transformation unserer Volkswirtschaften zur Klimaneutralität ist unabdingbar. Der lebenswichtigen klimapolitischen Kehrtwende haben sich fast alle Staaten der Welt verpflichtet. Der neugewählte Präsident Joe Biden will, dass sich die USA weiter daran beteiligen (Wir nehmen Joe Biden beim Wort, Olaf Scholz, Spiegel, 7.11.). Also in jeder Stadt, Stadtteil, Straße, Haus und Haushalt muss diese Transformation unverzüglich beginnen – auch mit dem Braunschweiger Hagenmarkt:

Den Hagenmarkt nach 40 Jahren anlässlich des Verlustes von 20 durch einen Orkan gefällten Bäumen neu zu gestalten, ist alles andere als Klimaschutz-zielführend und nachhaltiger Umgang mit Haushaltsmitteln. Die nötig gewordene und gestalterische hochwertige Umgestaltung kostete 1983 immerhin 2,6 Millionen DM.

1980 stand an, den Hagenmarkt als Teil eines Kerntangenten-Quadrates auszubauen, um den Individualverkehr aus dem Cityring zu verlagern. Um dem zu erwartenden erhöhten Verkehrsaufkommen, von dann bis heute lt. Verkehrsmengenkarte bis zu 36.000 Fahrzeugen täglich, auf dem Hagenmarkt etwas entgegen zusetzen, sollte die Mitte des Hagenmarktes dem Fahrzeugverkehr entzogen werden. Die Stadt schrieb einen Preiswettbewerb aus, an dem 35 Gestaltungsvorschläge eingereicht wurden und ein preisgekrönter wurde durch Ratsbeschluss vom Februar 1981 dann realisiert. 1.410 m² eingefasste Rasenfläche und ein Hain aus 45 Robinien umfassten den Heinrichsbrunnen. Er bietet mit 56 Sitzplätzen um den Brunnen eine hohe Aufenthaltsqualität. Eine sternförmige und runde Wegführung vor allem für Fußgänger machen ihn zugleich zu einem Durchgangsraum. Im Vordergrund stand die starke Begrünung für die Mitte des Hagenmarktes und erfüllte damit alle Klimaschutz-Aspekte wie z. B. Temperatur und Feuchtigkeitseffekte sowie lufthygienische Vegetationsleistungen wie Sauerstoffproduktion, Feinstaubbindung und CO2-Speicherung, wie sie erst recht bei jeder zukünftigen Baumaßnahme beachtet werden muss. Dass auch altes Pflastermaterial des Hagenmarktes für die Straße im Süden und um den Brunnen wieder verwendet wurde, ist ein weiteres Beispiel für nachhaltiges und denkmalbewusstes Bauen.

Oft wird Rasen als für Klimaschutz gering geschätzt, wo doch schon 250 m² für 4 Personen Sauerstoff liefern und entsprechend CO2 speichern. Auch die Wahl der Robinien war ein Beitrag für Umweltqualität und Naturschutz. Diese Baumart ist schnellwüchsig und klimaresistent. Sie kann sowohl tiefe wie flache Wurzel bilden je nach Bodenverhältnissen. Möglich, dass nicht alle damals gepflanzten Robinien tiefe Wurzel bilden konnten, weil es die Bodenverhältnisse nicht zuließen.

Grund für die Beliebtheit von Robinien war und ist , dass sie während der Blütezeit eine Weide für Bienen und andere Insekten sind.

Am Hagenmarkt Wohnende und andere BraunschweigerInnen haben diesen/ihren grünen Hagenmarkt in ihr Herz geschlossen, auch die vielen Besucher , die an den Heinrich Brunnen herangeführt wurden und werden, haben diese grüne Oase gern fotografiert und bewundert.

Einen Stadtbild prägenden Platzraum zerstört man nicht nach 40 Jahren ohne Zwang. Gerade alte Stadtplätze haben einen hohen Erinnerungs- und Identifikationswert. Ein Mädchen von 8 Jahren kletterte gerade mal unbeaufsichtigt von der Großmutter den Brunnen bis zur Spitze empor und kam nicht mehr ohne Hilfe eines mutigen starken Helfers wieder zu Erden. So die Erzählung der heute 78jährigen dem Verfasser dieser Zeilen.

Diese heute 40 Jahre alte Platzgestaltung hat nichts an Attraktivität verloren zumal dieser Platz nicht kommerziell genutzt wird. Gerade die NutzerInnen von über 200 kommerziellen Freisitzplätzen am Rand des Hagenmarktes genießen nicht nur die ihnen servierten Delikatessen dort, sondern genießen auch den Anblick des grünen Platzes mit dem Heinrichsbrunnen aus der Distanz.

Der bauliche Zustand des Platzes ist mangelfrei. Wenn 20 Robinien, Baum des Jahres 2020, mittelgroß nachgepflanzt werden, ist das nötigste schon getan, auch für die Verbesserung der Luftqualität. Wenn auf den Rasenflächen noch Krokusse gepflanzt würden, um im Frühjahr ihre Blütenpracht zu entfalten, wäre dem Wunsch nach Biodiversität und etwas mehr Buntem Genüge getan.

Sollten die Leuchtkörper in den vorhandenen Laternen Stromfresser sein, sind sie mit LEDs , maximal 3000 Kelvin, in den gelb-orangenen Glaskörpern auszutauschen, um mehr insektenschonende Helligkeit zu verbreiten, so die Forderung der International Dark Sky Association. Ebenso sollte die Bestrahlung des Heinrichsbrunnens bis max. 23.00 Uhr enden, weil ohnehin nur noch wenige Personen ihn beleuchtet wahrnehmen, zumal die Ausschankerlaubnis auf Freisitzplätzen meistens schon um 22.00 Uhr endet.

Die 3 Millionen Euro, die für die in Rede stehende Neugestaltung kostet, sollten für die im Klimaschutzplan nötigen Projekte verwendet werden, um die nötige Reduzierung der Treibhausgase in der Stadt bis 2030 auch wirklich zu erreichen. Während des Herbstes 2017 sind auf dem Stadtgebiet nachgewiesen 1.287 Bäume den Orkanen, die Dunkelziffer ist „wesentlich höher“, zum Opfer gefallen. (Ratsvorlage 18-09382.)

Weitere 13.000 Nachpflanzungen wären eine gute Investition für Braunschweigs Klima. Braunschweig muss sich schnellstens von der Schadstoff-Treiberin zu einer um 70 % Schadstoff-reduzierenden Stadt transformieren.

1 KOMMENTAR

  1. 50, nicht 20:
    Es waren ca. 50 Robinien, die durch den Orkan Xavier und im Anschluss zur Sicherheit durch die Stadtverwaltung gefällt wurden.

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