noch bis zum 8. November 2026, Lessingplatz 12, 38100 Braunschweig
Zum achten Mal schon präsentiert der Kunstverein Braunschweig die Arbeiten der Meisterschüler*innen der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.
Es gibt natürlich viele unterschiedliche Gründe, diese spannende Ausstellung zu besuchen. Zum Beispiel Neugier. Die Neugier auf unbekannte künstlerische Welten, auf neue künstlerische Positionen, auf Spannendes, Kluges, Verwirrendes, Seltsames und die Neugier herauszufinden, wie die jungen Künstler: innen unsere Welt beschreiben, sehen, interpretieren, befragen, antworten suchen – oder sie beschreiben und beschauen.
Nothing is ever really lost zeigt bis zum 8. November 2026 Arbeiten von 17 internationalen Künstler*innen, die eigens für die Ausstellung entstanden sind, die aus Abschlussprojekten hervorgegangen sind oder die für den Kunstverein weiterentwickelt und adaptiert wurden

Hier bietet sich die Chance, geballt aktuelle Gegenwartskunst zu erleben, junge Talente an der Schwelle zur professionellen Öffentlichkeit zu entdecken und natürlich auch, wieder einmal in die quicklebendige junge Kunst – und Kulturszene unserer Region einzutauchen.
Besucher: innen, die nichts dagegen einzuwenden haben, sich auch mal irritieren zu lassen (oder sich vielleicht sogar darauf freuen), die Abenteuer des Sehens erleben möchten, sich dem Wechsel von Perspektiven, von Materialien, von Medien, von Arbeitsweisen und Ausdrucksformen aussetzen wollen, finden in dieser Ausstellung der Meisterschüler: innen der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig dafür faszinierende und überraschende Gelegenheiten.

Einfach nach dem Zufallsprinzip, könnte Besucher: in vielleicht ein skurril wirkendes Fremdenzimmer entdecken, mit Koffern, die sich nicht öffnen lassen, mit einem Bett, dass auch Stufen hat, einem Geist – früher einmal Gast in der Villa – der vielleicht noch ab und zu vorbeischaut. Für Hye Hyun Kim eröffnet schon die sprachliche Nähe von „Gast“ und „Geist“ einen künstlerisch freien Zwischenraum, in dem die auf den ersten Blick vertraut scheinenden Dinge tatsächlich einer eigenen, unvertrauten, fast schon subversiven Logik zu folgen scheinen.
Daneben würde sich dann die Tür öffnen zu einem „Jodelzimmer“ – wo Fragmente aus Interviews, Feldaufnahmen von Proben und Workshops sowie historische Aufnahmen einer globalen Jodelpraxis sind zu hören. Das ist von einer spannenden Vielfalt und akustischen Subtilität der Besucher: in einfach zuhören muss. Der künstlerische Ansatz von Hannah Güse zeigt Jodeln nicht als folkloristische Form und Darbietung, sondern als ursprünglich mündlich überlieferte, kulturell und politisch geprägte Praxis und mündet in die Frage: Wer darf singen und Raum einnehmen? Dabei setzt sie sich auch mit patriarchalen Strukturen und der Hörbarkeit von FLINTA* auseinander.

The curse is not lifted, 2026 (Foto: Frank Sperling)
Überraschend für Besucher: in könnte vielleicht auch gleich die speziell für den Eingangsbereich des Kunstverein Braunschweig konzipierte Installation Symbol (Oxymoron) von Torben Laib sein, die die architektonischen, mythologischen und freimaurerischen Aspekte des Raums aufgreift und sich geräuschvoll über zwei Stockwerke erstreckt.

Vom Fruchtmaß, der Elle und der Waagbalkenuhr, 2026 (Foto M. Brandes)
Johanna Altgaßen, folgt den historischen Wetter- und Vogelaufzeichnungen ihres Urgroßvaters Rudolf Mangels (ehemals Vogelwarte Rossitten, gefallen in der Normandie) an zwölf biografische Orte. Mit der analogen Kamera des Urgroßvaters hält sie Absonderliches und Alltägliches fest. Durch ein manipuliertes Objektiv entsteht ein kreisförmiger Rahmen wie bei einem Fernglas – der Versuch einer Annäherung an eine fremde Lebensrealität und Zeit.

SOLASTALGIA (reverb), 2026 (Foto: Frank Sperling)
Critical Zone von Juan Blanco setzt sich mit der Fragilität unseres Planeten, dem Umgang mit Ressourcen und Zukunftsvorstellungen bis hin zur extraterrestrischen Existenz auseinander. Der Künstler blickt fiktiv aus der Zukunft auf unsere Gegenwart zurück und nutzt dafür Bildmaterial von Landschaften seiner eigenen Biografie
Trinken und Pinkeln. Die Videoarbeiten von Hendrik Heissenberg untersuchen kritisch den eingeschränkten Zugang zu Leitungswasser, dessen verkanntes Image sowie den Handel mit elementaren Grundbedürfnissen. Durch die Thematisierung von Wasserklosetts und öffentlichen Toiletten rücken die Werke die existenzielle Bedeutung dieser Infrastruktur in den gesellschaftlichen Fokus und brechen die Teilnahmslosigkeit im Diskurs über Trinken und Pinkeln.

Diese Ausstellung mit Arbeiten von insgesamt 17 Künstler: innen zu besuchen, ist eine Reise durch künstlerische Welten, in spannende, verwirrende, fantastische, seltsame, traurige, entfernte und doch oft auch bekannte Welten, einfach immer wieder neu gesehen und interpretiert. Sich begeistern, sich irritieren lassen, sich (vielleicht) auch mal zu ärgern, Interpretationen zu suchen und (möglicherweise) sogar zu finden, das ist eines der möglichen Vergnügen, die die Ausstellung bieten kann.
Ausstellende Meisterschüler*innen:
Johanna Altgaßen, Claudia Bartholomäus, Juan Blanco, Wiebke Fischer, Hannah Güse, Carolin Hegerath, Hendrik Heissenberg, Hye Hyun Kim, Juri Kim, Torben Laib, Jana Michal, Patrick Neugebauer, Rubia Rose, Agnes Schmid, Daphne Schüttkemper, Marianna Tyralla und Frederic Mac Vetter.
Kuratorin der Ausstellung: Monja Remmers


























