Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle meldet für Dezember 2025 den höchsten Stand der Firmenpleiten seit 20 Jahren. Experten rechnen in diesem Jahr mit einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen großer Unternehmen in Deutschland.[1] Und das, obwohl die Zahl großer Firmenpleiten schon 2025 einen Höchstwert erreicht hatte.
Das Handelsblatt ließ die Anzahl an Großunternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz ermitteln, die 2025 Insolvenz anmelden mussten: „Die von dem Fachblatt beauftragte Restrukturierungsberatung Falkensteg kommt auf 471 pleitegegangene deutsche Großunternehmen. Das sind 25 Prozent mehr als 2024. Allerdings muss man dazu wissen, dass bereits 2024 die Zahl der Großinsolvenzen im Verhältnis zu 2023 um 35 Prozent angestiegen war. Die Prognose für 2026 fällt laut den vom Handelsblatt befragten Experten noch düsterer aus.“[2]
Einer der Hauptgründe: extrem gestiegene Energiekosten
Was sind die Gründe? In den Kommentaren der Braunschweiger Zeitung und anderen Mainstream-Medien liest man über Zollpolitik, Wettbewerbsdruck aus China, Lohnkosten, Bürokratieabbau usw. Aber einer der Hauptgründe sind die extrem gestiegenen Energiekosten, seit wir die wenig wirksamen Sanktionswaffen gegen Russland anwenden und statt russischem Gas das teure und umweltschädlichere Fracking-Gas aus USA beziehen, was uns von einer Abhängigkeit in die nächste gebracht hat. Der Strompreis für die Industrie ist fast doppelt so hoch wie vor dem Ukraine-Krieg, auch die Gaspreise sind stark gestiegen, für Verbraucher um fast 80% höher als 2021.[3] Trotzdem macht die Bundesregierung in Optimismus und tut so, als wäre die Talsohle durchschritten. Zwar hat sie für Großunternehmen einen Stromrabatt (Industriestrompreis ab 250.000 kWh) für 3 Jahre gewährt, aber gerade viele Mittelständler und Kleinunternehmer, die den Großteil der Beschäftigung sichern, gehen leer aus.
Dennoch verlagert die Autoindustrie ihre Produktion nach Osteuropa und baut hierzulande Arbeitsplätze ab: Die A-Klasse von Mercedes wird in Ungarn gebaut. Ferdinand Dudenhöffer, Gründer des CAR-Instituts, hatte in der Berliner Zeitung gewarnt, Mercedes werde „kein Einzelfall bleiben“. Weitere Hersteller und vor allem Zulieferer dürften folgen, wenn sich die Bedingungen in Deutschland nicht verbesserten, so der Experte. Der Autozulieferer und Entwicklungsdienstleister IAV in Gifhorn plant den Abbau von 1500 Arbeitsplätzen, VW baut bis 2030 35.000 Stellen ab. In der Rohstahlerzeugung beklagt die Stahlindustrie die geringste Produktion seit 2009: viertes Krisenjahr in Folge. Welche Auswirkungen hat das auf die Gesellschaft?
„Beispiel“ USA: Rust Belt, Arbeitslosigkeit, Verarmung – Radikalisierung
Bilder aus dem Rust Belt ( Rostgürtel) in den USA hat sicher schon jeder gesehen: Verfallene Industrieanlagen der Stahl- und Autoindustrie, aufgegebene Siedlungen, zerfallende Infrastruktur, hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit, Drogen, Kriminalität usw. Darüber ist schon viel berichtet worden. Der US-Vizepräsident J.D. Vance hat – lange bevor er sich Trump andiente – dieses deprimierende Leben in seiner Autobiografie „Hillbilly-Elegie“ eingehend beschrieben, was ihn aber bedauerlicherweise nicht zu einem Vorkämpfer für soziale Gerechtigkeit gemacht hat – im Gegenteil.
Diese Deindustrialisierung war ein Resultat der Globalisierung, steigender Energie- und Lohnkosten und der damit einhergehenden Produktionsverlagerung in low-cost-Länder, aber auch des technologischen Wandels durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Und die gesellschaftlichen und politischen Folgen davon sehen wir heute in den USA – auch in Großbritannien, das eine ähnliche Deindustrialisierung erlebt hat – Verarmung, Verödung von Städten, wachsende soziale Ungleichheit und politische Polarisierung und Radikalisierung.
Wenn die Bundesregierung diese Entwicklung stoppen will, dann sollte sie die vielen Milliarden nicht zuallererst in unproduktive Kriegswaffen stecken, sondern in Bildung, berufliche Weiterbildung, Wissenschaftsförderung und in eine Energieversorgung, die europaweit wettbewerbsfähig sein sollte. Alle Milliarden, die wir für eine Verlängerung des Krieges in der Ukraine aufwenden, kosten letztlich bei uns Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit.
[1] https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/iwh-insolvenztrend-firmenpleiten-2025-auf-hoechstem-stand-seit-zwei-jahrzehnten
[2] https://www.nachdenkseiten.de/?p=144862
[3] https://finanzmarktwelt.de/strompreis-fuer-deutsche-industrie-doppelt-so-hoch-wie-vor-ukraine-krieg-333203/




























