«a fence is a fence is a fence – to break«
noch bis zum 22. März 2026 im Kunstverein Wolfenbüttel
In ihrer Ausstellung «a fence is a fence is a fence – to break» im Kunstverein Wolfenbüttel überrascht und fasziniert Lucila Pacheco Dehne Besucher:in mit ihrer ungewöhnlichen, klugen und berührenden Sicht auf verborgene koloniale Tiefenstrukturen unserer Welt.
Pflanzen und Samen sind die künstlerischen Inspirationen, um Spuren kolonialer Gewalt in unseren botanischen Landschaften sichtbar zu machen, wo sich Pflanzen gleichwertig mit Tieren und Menschen als Teil der Natur entwickeln und mit uns zusammen leben.
Es sind die Pflanzen und Samen, die einst in Schuhsohlen verfangen oder in Taschen verborgen, schon vor Jahrhunderten über die Ozeane nach Europa kamen, stille Zeug:innen, die uns von globalen Machtverhältnissen, Kolonisation, erzwungener Migration und Handel erzählen.
Gleichzeitig symbolisieren sie auch Widerstand, genauso wie Anpassungsfähigkeit, das Überleben unter widrigen Umständen.
Ambivalentes Symbol der Ausstellung und unmittelbarer Blickfang ist der wandbedeckende Zaun (der ein bißchen auch wirkt wie ein Netz). Wie praktisch alles in dieser Ausstellung eigenhändig von der Künstlerin produziert.
Auf den ersten Blick symbolisiert dieser Zaun Kontrolle und Abwehr – auf den zweiten Blick aber zeigen sich überall Lücken, Durchgänge und der Zaun wird so auch zu einem Symbol des Durchwachsens, der Transformationen.

In der Ausstellung wird Besucher:in Lucila Pacheco Dehne auch als Autorin und Poetin entdecken (nicht nur, weil sie auch Planetary Poetics am renommierten Sandberg Instituut in Amsterdam studierte) und als keramische Künstlerin, mit spürbarer Lust am Hintergründigen (besonders schön und mit ironischem „Touch“ ist ihr keramisches Schuhwerk).

Besucher:in könnte in dieser tiefgründigen, faszinierenden, nur auf den ersten Blick vielleicht etwas spröde und zurückhaltend wirkenden Ausstellung sogar darüber nachdenken, ob Lucila Pacheco Dehne nicht nur eine wirklich außergewöhnliche Künstlerin ist, sondern vielleicht im Grunde ihres Herzens auch eine Romantikerin, eine kluge und forschende, suchende und kritische, wie beispielsweise Adalbert von Chamisso, Dichter und Naturforscher.
Die Schönheit der Pflanzen, deren migrantischen Metamorphosen und Lebendigkeit, verknüpft sie mit ihren fantastischen keramischen Arbeiten, mit Teezeremonien, mit Genuss, mit Austausch und Gemeinschaft am offenen, einladenden Tisch – auf Sitzkissen aus sonst unverwertbarer Schafwolle.
Dieser Tisch ist auch der zentrale Ort von Gastgeberschaft und Austauschs. Der (natürlich selbst hergestellte) Tisch lädt dazu ein, Platz zu nehmen, zu verweilen, zu teilen und ins Gespräch zu kommen (unbedingt ausprobieren). An diesem Tisch wird Wissen nicht vermittelt, sondern gemeinsam hervorgebracht. An diesem Tisch entsteht Gemeinschaft durch Nähe, durch Teilen und durch gemeinsames Verweilen.

Hier ist der zentrale Ort für das Begleitprogramm „Tischgespräche“, das den Tisch während der Laufzeit der Ausstellung als Ort des Austauschs über Pflanzen, Zugehörigkeit und Verantwortung aktiviert.
An den umliegenden Wänden geben von Lucila Pacheco Dehne verfasste Texte Einblick in ihre Beziehung zu Pflanzen und in ihre ganz eigene Praxis aufmerksamen Lauschens und Lernens. Die Texte formulieren aber auch Kritik an Zuschreibungen wie „Unkraut“ oder „invasiv“ und verweisen auf etablierte Logiken von Kontrolle, Ausschluss und Hierarchisierung.
Begleitet wird Besucher:in von einem Sound (Komposition: Ihab Khelfa) aus natürlichen, aber wahrscheinlich noch nie gehörten Geräuschen wie dem Wachsen von Samen in der Erde oder der faszinierenden Kommunikation von Ameisen.

Die Ausstellung im Kunstverein am Kornmarkt markiert den Auftakt des Jahresthemas Saat, das künstlerische Prozesse als Formen des Wachsens, Weitergebens und gemeinschaftlichen Verantwortens begreift.
Weitere Informationen auf der Website: https://www.kunstverein-wf.de/start/ausstellung/?exhib=69






























