Start Kultur Leserbrief an die Braunschweiger Zeitung zum abgesagten Vortrag von Michael Lüders

Leserbrief an die Braunschweiger Zeitung zum abgesagten Vortrag von Michael Lüders

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Liebe Redakteure der Braunschweiger Zeitung,

danke, dass Sie über die umstrittene Absage des geplanten Vortrags von Michael Lüders durch die Evangelische Akademie berichtet haben. Das interessiert sicher zu Recht viele Braunschweiger. Leider ist diese zu begrüßende journalistische Leistung getrübt durch eine fatale Vermischung von Bericht und (ab-)wertenden Kommentierungen, sodass der offenbar gewünschte negative Meinungseffekt beim Leser auch eintreten soll. Die Unterstellung z.B., dass Michael Lüders „mit dem Begriff „Vernichtungsfeldzug“ eine Verbindung zu Nazi-Verbrechen“ ziehe, ist ohne Quellenangabe gezielter Rufmord, denn diese Verbindung haben allein Ihre Redakteure gezogen, um ihm das Etikett „israelbezogener Antisemitismus“ umzuhängen! Auch die aus dem Schreiben, das offenbar zur Absage der Veranstaltung führte, zitierten Aussagen, die ihm „systematische Dämonisierung, Delegitimierung und doppelte Standards“ vorwerfen, sind üble Verleumdung und zeugen davon, dass die Verfasserin Rebecca Seidler vom Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden sich nicht ernsthaft mit dem Buch von Lüders auseinandergesetzt hat. Deshalb habe ich der Braunschweiger Zeitung diesen Leserbrief geschrieben:

In Ihrem Artikel erwähnen Sie fälschlich, dass in den Vorträgen und Büchern des Islamwissenschaftlers und langjährigen Nahost-Experten der ZEIT Merkmale des “israelbezogenen Antisemitismus” vorkämen. Da ich sowohl seine Bücher als auch die Definitionen des Antisemitismus kenne, muss ich Ihnen hier klar widersprechen: Weder findet sich erstens eine Dämonisierung Israels dort, noch eine Kritik am Existenzrecht Israels (Delegitimierung) als zweites Merkmal, noch werden an die Politik dieser israelischen Regierung Doppelstandards angelegt (besonders hohe Maßstäbe), noch werden jüdische Menschen in Haftung genommen für das Handeln ihrer Regierung und schon gar nicht kann dem langjährigen und erfahrenen Nahost-Experten der Vorwurf gemacht werden, einen pathologisch verzerrten Blick auf Israel zu haben. Das Problem in der Debatte scheint mir zu sein, dass diejenigen Kreise, die das rechtsextreme Netanjahu-Regime verteidigen, die Antisemitismus-Definition bewusst verzerrend und pauschalierend anwenden, um alle Kritiker öffentlich in Misskredit zu bringen. Die einfache vorurteilsfreie Betrachtung des Vorgehens der derzeitigen Regierung in Gaza und im Westjordanland wird jedem Informierten klar vor Augen führen, dass dort die elementarsten Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

Reinhard Faudt

Dieser Brief ist leider nicht veröffentlicht worden, stattdessen nur ein einziger, unflätiger, von Unwissen strotzender Leserbrief, der Lüders in beleidigender Weise als ausgewiesenem Nahost-Experten und Journalisten Antisemitismus und Verschwörungstheorien vorwirft.  Ist das Ihr neuer journalistischer Standard? Parteiische Kommentierung statt sachlich-neutraler Berichterstattung?

Inzwischen ist gesichert, dass die von der evangelische Kirche abgesagte Veranstaltung doch stattfindet, allerdings nicht mit der Evangelischen Akademie. Am Donnerstag, 12. Februar, um 19 Uhr im Gewerkschaftshaus, Wilhelmstraße 5. -red-

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