Ein neues Zuhause für die Eiszeit-Tour, ein kurzfristiger Retter am Schlagzeug und ein Publikum, das Braunschweig einmal mehr zum Beben brachte.
Es gibt Konzertabende, bei denen einfach alles zusammenkommt. Große Emotionen, überraschende Wendungen, ein Publikum, das vom ersten Moment an mitgeht – und eine Band, die sich auch von unerwarteten Hindernissen nicht aufhalten lässt. Genau so ein Abend war der Donnerstag im Braunschweiger westand, als Heldmaschine mit ihrer „Eiszeit“-Tour in unserer Stadt Station machte.
Heldmaschine und Braunschweig – das gehört inzwischen fast schon zusammen. Jahr für Jahr kehrt die Band zurück, bislang vor allem ins KufA Haus. Diesmal durfte es endlich eine größere Bühne sein: das westand Event und Kultur. Und die Fans waren da! Zwar blieb die Empore aufgrund der spektakulären Lasershow gesperrt, sodass sich das Publikum auf den Erdgeschossbereich konzentrierte. Doch dort war die Stimmung umso dichter. Überall erwartungsvolle Gesichter, Heldmaschine-Shirts und diese besondere Vorfreude, die man nicht künstlich erzeugen kann.
Ein Konzert, das beinahe ins Wasser gefallen wäre
Dass dieser Abend überhaupt stattfinden konnte, ist alles andere als selbstverständlich. Schlagzeuger Dirk Oechsle hatte sich am Ellenbogen verletzt und fällt für mehrere Konzerte aus. Für eine Band auf Tour ist das eine echte Herausforderung: Ein anspruchsvolles Liveprogramm lässt sich schließlich nicht einfach über Nacht neu besetzen. Die Alternative wäre gewesen, Konzerte abzusagen.
Doch Aufgeben war offenbar keine Option. Simon Schröder, der aktuell auch als Live-Drummer bei Oomph! auf der Bühne steht, sprang kurzfristig ein und übernahm den Platz am Schlagzeug. Innerhalb kürzester Zeit musste er sich das Heldmaschine-Programm aneignen. Was auf dem Papier nach einer nahezu unmöglichen Aufgabe klingt, funktionierte auf der Bühne beeindruckend gut. Simon lieferte eine kraftvolle Performance ab, und man konnte nur staunen, wie souverän er diese Herausforderung meisterte.
Ganz neu ist diese Art von musikalischer Rettungsaktion für die Musiker übrigens nicht. Einige Mitglieder von Heldmaschine stehen auch bei Völkerball, der Rammstein-Tribute-Band, auf der Bühne. Schon bei einem früheren Konzert im Braunschweiger Millennium vor ein paar Jahren kam es zu einer ähnlichen Situation: Als einer der Gitarristen von Völkerball krankheitsbedingt ausfiel, sprang kurzerhand ein Kollege von Heldmaschine ein, der normalerweise gar nicht bei Völkerball spielt. Offenbar weiß man in diesem musikalischen Umfeld, wie man zusammenhält und sich gegenseitig aus der Patsche hilft, wenn es darauf ankommt. Und genau diese Kollegialität verdient Applaus – mindestens genauso viel wie die Show selbst.
Tag My Heart: ein Support, der richtig zündet
Bevor Heldmaschine die Bühne übernahm, sorgten Tag My Heart für einen Auftakt, der sich gewaschen hatte. Die Nu-Metal-Band überzeugte mit einer energiegeladenen Performance und riss das Publikum mit. Es wurde gesprungen, gesungen und gefeiert. Was für eine positive Überraschung! Ein Support-Act, der nicht einfach nur die Wartezeit verkürzt, sondern selbst einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Da dürfte so mancher Konzertbesucher neugierig geworden sein, was diese Band sonst noch zu bieten hat.
Eiszeit, Luxus und ein fliegendes R
Bei Heldmaschine war dann endgültig Schluss mit Stillstehen. Zwischen den druckvollen Gitarren, der warmen Stimme von René Anlauf und seinen humorvollen Sprüchen, mit denen er das Publikum auch zwischen den Songs bestens unterhielt, kam man aus dem Staunen und Grinsen kaum heraus. Und natürlich durften auch die legendären Einlagen nicht fehlen – allen voran das Trinken aus dem Benzinkanister, das bei Heldmaschine einfach dazugehört. Dazu die spektakuläre Licht- und Lasershow: Hier kamen Musik, Humor und visuelle Effekte zu einem rundum gelungenen Konzerterlebnis zusammen.
Neben Songs wie „Eiszeit“, „Schlag mich“, „Karl Denke“, „Herz aus Stein“, „Gegenwind“ und „Where Is My Mind“ durften natürlich auch Publikumslieblinge wie „Luxus“ und „R“ nicht fehlen. Gerade bei „Luxus“ gehören die fliegenden Geldscheine mit den Gesichtern der Bandmitglieder längst zum liebgewonnenen Ritual. Bei „Himmelskörper“ schwebten die Heldmaschine-Flaggen über den Köpfen, während bei „Monoton“ das Keyboard Teil der eindrucksvollen Inszenierung war.
Die Laser tauchten das westand in wechselnde Farben und schufen Bilder, die man am liebsten gleich mit nach Hause genommen hätte. Und dann gab es da noch eine Neuerung für Braunschweig: Bei „R“ wurde ein riesiger aufblasbarer Ball mit einem R ins Publikum geworfen. Was folgte, war ein kollektives Rollen und Schieben – und natürlich die Gelegenheit, das berühmte R einmal gemeinsam so richtig zu zelebrieren. Ein herrlich schräger Moment, der perfekt zu dieser Band passt. Wir rollen doch das R!
Ein Abend, der in Erinnerung bleibt
Was diesen Konzertabend für mich besonders macht, ist nicht allein die Setlist oder die aufwendige Show. Es ist die Mischung aus Professionalität, Spontaneität und echter Leidenschaft. Eine Verletzung bringt die Tour ins Wanken, ein Musiker springt kurzfristig ein, eine Support-Band begeistert auf Anhieb – und am Ende steht ein Saal voller glücklicher Menschen.
Heldmaschine hat einmal mehr gezeigt, dass hinter der brachialen Musik nicht nur eine starke Bühnenproduktion steckt, sondern auch Zusammenhalt und die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu finden.
Schön, dass Heldmaschine wieder in Braunschweig war. Und noch schöner, dass die Band diesmal das westand zum Beben bringen durfte. Die Fans haben diesen Abend sichtlich genossen. Ich bin mir sicher: Viele von ihnen werden noch lange davon erzählen.
Ihr möchtet den Abend noch einmal Revue passieren lassen? Dann schaut euch gerne meine Fotogalerie unterhalb des Artikels an und lasst die Eindrücke dieses besonderen Konzertabends noch einmal aufleben!






















































Fotos: Dorothea „Dottie“ Lipinski / Helllove Photography



























