Zu Kaufmanns Konter in der Braunschweiger Zeitung vom 28. März:
Selten habe ich einen derart herabwürdigenden Kommentar gelesen, der so blindwütig gegen unseren Bundespräsidenten polemisiert, als stamme er aus der Feder eines kriegswütigen Propagandisten, der den unbestreitbar völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Israels und der USA verteidigen möchte. Hier ein Auszug seiner Suada:
Wenn sich der Bundespräsident zum Iran-Krieg äußere, „dann spricht da weniger der Bundespräsident, als der ehemalige Außenminister, der muckelig seine desaströse Iran- (und auch Russland-) Politik der Beschwichtigung gegenüber Autokratien verteidigt.“
Das ist eine Sprache, die in Social-Media-Kanälen üblich sein mag, aber für einen Journalisten auch in einer Glosse grenzüberschreitend ist. Und weiter geht diese rhetorische Entgleisung:
„‚Dieser Krieg ist völkerrechtswidrig – daran gibt es wenig Zweifel‘, sagte Steinmeier über den Iran-Krieg . Damit stellt sich der Bundespräsident in einer brandaktuellen, weltpolitisch entscheidenden Frage gegen die Regierung, die den Standpunkt vertritt, die völkerrechtliche Einordnung müsse noch geprüft werden. Das ist nicht nur ein unerhörter Vorgang in der deutschen Geschichte, es walzt auch eine ethische Grauzone im Stil einer moralisierenden Basta-Pose glatt.“
Hier wird eine völkerrechtlich klare Einschätzung des Bundespräsidenten in empörtem Ausdruck skandalisiert, als sei es in Wahrheit ganz anders herum, als seien Israel und USA vom Iran bedroht, als würden sie einen präventiven Verteidigungskrieg führen. Eine Täter-Opfer-Umkehr. Tatsächlich aber hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in einem Gutachten bestätigt, dass es in der Frage keine „Grauzone“ gibt, dass der israelisch-amerikanische Angriffskrieg als Bruch der UN-Charta und damit als völkerrechtswidrig einzustufen sei.[1] Sicher ist das auch Kaufmann bekannt, passt aber wohl nicht in sein Weltbild. Ein Journalist, der sich darüber empört, dass der Bundespräsident nicht bloß als Pressesprecher der Regierung agiert, hat vom Amt des Bundespräsidenten keine Ahnung und damit seinen Beruf verfehlt. Aber Kaufmann poltert weiter:
„Schließlich verstößt die iranische Diktatur permanent gegen das Völkerrecht, droht Israel mit Vernichtung und massakriert die eigene Bevölkerung. Der gegenüber kennt das Völkerrecht übrigens offenbar im Gegensatz zu Steinmeier auch eine sogenannte Schutzverantwortung. Entsprechend erhielt der Bundespräsident sogleich Beifall von den Mullahs . “
In der Tat kennt das Völkerrecht eine Schutzverantwortung mit dem Ziel humanitärer Intervention, die jedoch von den Vereinten Nationen beraten und beschlossen werden müsste, die von Trump und Netanjahu allerdings zu Feinden erklärt wurden. Außerdem sehen diese humanitären Interventionen eine Staffelung von Maßnahmen vor, die Anwendung von Waffengewalt ist dabei das allerletzte Mittel. Hier manipuliert Kaufmann die Leser mit verfälschten Fakten, „Fake-News“ eben. Schließlich treibt Kaufmann seine Polemik auf die Spitze, indem er die ganzen Atomverhandlungen des Westens mit Iran mit ihren zeitweiligen Sanktionserleichterungen zu einem Fehler erklärt, der dem Iran Milliardengewinne beschert hätte, mit denen er seine terroristischen Aktivitäten finanziert hätte. Daran habe Steinmeier als Außenmister mitgewirkt. Der Bundespräsident quasi als Unterstützer des iranischen Terrorregimes? Eine dreiste und beleidigende Unterstellung.
Johannes A. Kaufmann ist der demagogische Troll der Braunschweiger Zeitung, immer gut für zugespitzte rhetorisch eingleisig geführte Debattenbeiträge, stets natürlich auf der „richtigen Seite“, staatstragend – sofern keine linke Partei an der Regierung ist -, prowestlich, proisraelisch, monothematisch und transatlantisch denkend, immer an der Seite der Mächtigen und immer ohne Selbstzweifel. Eine echte Begabung, die in jeder Propagandaabteilung eine steile Karriere erwarten könnte.
Viele Jahre ist es her, dass ein respektabler Journalist und Moderator der Tagesthemen, Hans-Joachim Friederichs, über sein journalistisches Berufsverständnis schrieb:
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“ Diese professionelle Distanz lassen die Kommentare nicht nur in der Braunschweiger Zeitung, sondern fast überall in den Leitmedien heute schmerzlich vermissen. Haltung und Parteilichkeit zeigen und ein moralisierender Grundton herrschen heute vor: Israel führt keinen Angriffskrieg, es verteidigt sich nur gegen ein brutales Mullah-Regime, das Israel von der Landkarte tilgen will. Russland dagegen führt einen abscheulichen, menschenverachtenden Angriffskrieg. Der Leser wird wie ein unaufgeklärtes zu erziehendes unmündiges Wesen behandelt, den man bei seiner Meinungsbildung betreuen und führen muss.
Ein unparteiischer, kritischer Journalismus muss die Motive der kriegführenden Parteien analysieren, die Regierungsnarrative hinterfragen und kann nicht darüber hinwegsehen, dass die israelische Regierung gegenwärtig bestrebt ist, mit militärischer Gewalt den Traum von Großisrael zu verwirklichen, auf Kosten der Palästinenser und der Nachbarstaaten. Und dabei war der Iran stets ein geopolitischer Widersacher, ganz unabhängig von seinem umstrittenen Atomprogramm, das bisher in keiner Weise geeignet war, die Atommacht Israel ernsthaft gefährden zu können. Aber das darf man eben in unseren Leitmedien nicht mehr so offen schreiben.
Reinhard Faudt
[1] ZEIT-Online vom 26.März 2026























