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„Wir haben nicht auf Lohn verzichtet, um jetzt Mordwerkzeuge zu produzieren“ – Leserbrief zu VW

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Symbolfoto: pixabay

Vorbemerkung der Redaktion: In der gestrigen Ausgabe der Braunschweiger Zeitung erschien ein bemerkenswerter Leserbrief, den wir mit Genehmigung des Verfassers ein zweites Mal veröffentlichen. Lars Hirsekorn hat ihn verfasst, er arbeitet seit 1994 bei VW Braunschweig und ist Mitglied im dortigen Betriebsrat. Er wendet sich dagegen, „dass die Aktionäre immer mehr auf Rüstung setzen“ und weist darauf hin, dass „die Dividenden nur fließen, wenn das Rüstungsmaterial auch irgendwann verbraucht wird“. Wie fragwürdig ein solcher Kurs ist, haben wir im Braunschweig-Spiegel vor Kurzem ein wenig beleuchtet. Hirsekorn ist übrigens auch Mitglied bei den „Naturfreunden“. Er setzt sich seit Jahren für eine „Verkehrswende“ ein, mit etwa 40 Kolleginnen und Kollegen aus drei VW-Werken zusammen arbeitet er an Überlegungen zu diesem Thema. a.m.

Leserbrief: Keine Mordwerkzeuge produzieren

Es ist bedrückend, dass unsere Aktionäre immer mehr auf Rüstung setzen. Im letzten Tarifabschluss haben wir bei VW die Arbeitszeit verlängert und auf Lohn verzichtet, um die Werke zu sichern und Entlassungen zu vermeiden. Die Aktionäre, insbesondere bei der Porsche SE, waren und sind nicht bereit auf Dividenden zu verzichten. Jetzt werden Monat für Monat Fertigungsumfänge von Volkswagen und MAN in Länder mit schwächeren Gewerkschaften (Ungarn ist quasi gewerkschaftsfrei) verlegt, um die Gewinne zu erhöhen. In der Bundesrepublik werden wir jetzt ständig erpresst: „Entweder Ihr akzeptiert die Rüstung oder Ihr werdet arbeitslos.“ Das ist natürlich die Folge der Regierungspolitik, die bei Bussen und Bahnen immer das Günstigste verlangt, aber in der Rüstung bezahlt, was aufgerufen wird. Viele von uns sagen jetzt aber: „Wir haben doch nicht auf Lohn verzichtet, um jetzt Mordwerkzeuge zu produzieren.“ Wir wissen dabei ja auch, dass die Dividenden nur fließen, wenn das Rüstungsmaterial irgendwann verbraucht wird. Viele von uns sind aber nicht bereit, unsere Kinder in den Krieg zu schicken, um unsere Arbeitsplätze zu „sichern“.

Lars Hirsekorn Mitglied des Betriebsrates bei VW Braunschweig

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