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PM: Rassistischer Angriff in braunschweiger Straßenbahn

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Gestern (17. September) kam es nach Angaben eines Augenzeugen, der sich an das Bündnis gegen Rechts gewandt hat, zu einem offensichtlich rassistisch motivierten Angriff auf eine Frau in der Straßenbahnlinie 1 in Braunschweig.

Nach Angaben des Augenzeugen hatte ein ca. 40-jähriger Mann gegen 12:30 Uhr an der Straßenbahnhaltestelle Schlossstraße zunächst zwei Frauen mit dunkler Hautfarbe angepöbelt und den Hitlergruß gezeigt. Dabei soll er unter anderem gesagt haben: „Damals waren es 7 Millionen Juden bald seid es ihr!“

Als sich zwei Passanten dazwischen stellten und die Straßenbahn kam, beruhigte sich die Situation zunächst und die beiden Frauen und der Mann stiegen in die Straßenbahn. Nachdem der Mann in der Bahn eine Fahrkarte gekauft hatte ging er allerdings erneut auf die beiden Frauen zu und schlug einer der Beiden unvermittelt so ins Gesicht, dass diese zusammenbrach. Der Straßenbahnfahrer stoppte daraufhin die Bahn, der Angreifer flüchtete, wurde aber von zwei Personen verfolgt, so dass die Polizei später die Personalien des Angreifers aufnehmen konnte. Die verletzte Frau wurde von einem Sanitäter eines herbeigerufenen Krankenwagens versorgt.

Das Bündnis gegen Rechts weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass sich Betroffene aber auch Zeugen rechter, rassistischer, antisemitischer Gewalt, sowie auch sozialdarwinistisch und Trans*-, Inter*-, Homo- und Queer*phob motivierter Angriffe an die unabhängige niedersächsische Opferberatungsstelle „RespAct – Solidarisch mit Betroffenen rechter Gewalt“ wenden können. Dort erhalten sie kostenlos und auf Wunsch anonym Beratung und Unterstützung.

Die Opferberatung berät u.a. bei Sorgen, Stresssymptomen und Ängsten nach einem Angriff, gibt Informationen zu möglichen positiven und negativen Folgen einer Anzeige und zu Rechten und Möglichkeiten Betroffener im Strafverfahren, bietet eine Begleitung zu Terminen bei der Polizei und weiteren Behörden, zu Anwält*innen, Ärzt*innen und vor Gericht und unterstützt bei Anträgen, beispielsweise für Anwaltskosten, Schmerzensgelder oder für die Erstattung zerstörter Gegenstände. Zu den Aufgaben der Opferberatung gehört außerdem Öffentlichkeitsarbeit zu entsprechenden Fälle und das Einfordern von Solidarität mit Betroffenen vor Ort.

Die Beratungsstelle respact ist unter der Telefonnummer 0157-76464 214 und der Mailadresse hannover@respact-nds.de zu erreichen. Betroffene können sich auch gerne direkt an das Bündnis gegen Rechts wenden, das eng mit der Opferberatung zusammenarbeitet.

Bündnis gegen Rechts
c/o Carl-von-Ossietzky-Zentrum
Leopoldstr. 23 * 38100 Braunschweig

3 Kommentare

  1. Ich frag mich warum die Straßenbahn bzw. deren Fahrer das die Flucht des Angreifers ermöglichte. Hätte er nicht die Türen geschlossen halten können, sofort die Polizei informieren (ist denn keine Notruffunktion vorhanden in unseren Straßenbahnen?), wieso haben sich keine Insassen eingemischt? War die Straßenbahn leer, Sonntag mittags mitten in der Stadt? Wieso wendet man sich nicht gleich an die Polizei, (statt das sie „später“ die Personalien feststellen konnte). Gibt es sonst keine Zeugen? Es wird doch sonst mit Smartphones alles gefilmt …

    • Es gibt auch Kameras in den Straßenbahnen. Über Insassen am Sonntag Mittag ist nichts bekannt, also jede Frage reine Spekulation.
      Prinzipiell dürfen Straßenbahnfahrer als verantwortliche Fahrzeugführer ihr Fahrzeug nicht verlassen, solange sie noch Sorge für die darin anwesenden Passagiere tragen. Ausnahmen sind Abwägungssache nach definiert abgestuften Kritierien.
      „Türen geschlossen halten“ geht nicht, weil sich die Türen aus Sicherheitsgründen gegen einen gewissen Widerstand IMMER öffnen lassen müssen (Brand, Unfall, eingeklemmte Person etc.). Auch wenn es gegen Faschisten geht, kann man ja nicht aus der Tram einen Hochsicherheitsknast machen.
      Verkehrssysteme verfügen i.d.R. über einen Nothalt, aber nicht über eine Echtzeit-Übertragung zur Polizei (das würde wohl auch wieder ganz leichte Proteste generieren). Dass Zeugen sich nicht melden, ist ein allgemeines Phänomen unserer Gesellschaft: Jeder will Sicherheit; aber alle wollen sich aus Allem anonym raushalten.
      Kopf einziehen, Schnauze halten, bloss keine unnötige Zivilcourage zeigen. Und dann wird ausgerechnet von denen lautstark nach der Polizei gekräht, die sich sonst über brutale Büttel mit Schlagstock beschweren.
      Wo soll’s denn nun hingehen???

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