Pflichtjahr für Rentner und Frauen im Kriegsfall?

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Screenshot: Andreas Matthies

So mancher glaubt vielleicht immer noch, das Gerede von der Kriegstüchtigkeit müsse man nicht so ernst nehmen. Dabei wird an allen Enden und Ecken der Gesellschaft daran gearbeitet, uns gedanklich in jeder Hinsicht darauf auszurichten – uns also kriegsbereit zu machen. Sollte das gelingen, wäre eine wichtige Schwelle überschritten, die uns gerade davor schützt, in einen verheerenden Krieg zu geraten.

„Wappnen für den Kriegsfall“

Die BILD-Zeitung vom 21. Juli packt den Stier bei den Hörnern: „Wappnen für den Kriegsfall“ wird als selbstverständliches Ziel ausgegeben, über das man gar nicht mehr nachdenken muss. Denn schon 2029 könne es zum Angriff des „Russen-Diktators“ kommen, und in Regierungskreisen sei sogar schon von 2027 die Rede. Der Chef des Verbands für Güterkraftverkehr, Dirk Engelhardt, weist auf ein ganz spezielles Problem hin: bei einem russischen Angriff könnten bis zu 300.000 osteuropäische LKW-Fahrer wegfallen, die in ihre Heimat zurück müssten; das würde den zuverlässigen Transport von Waren beeinträchtigen, ebenso die Lieferung von Militärgerät und Verpflegung an die Front (!). Sein Lösungsvorschlag: Ältere „Brummi-Fahrer“ (BILD) sollen reaktiviert werden, auch auf Frauen sollte verstärkt zurückgegriffen werden. Dazu sollten strenge Eignungsprüfungen abgebaut werden: „Jeder, der fahren kann, muss auch fahren dürfen.“ Im Ernstfall seien Bundesregierung und Bundeswehr jedenfalls zwingend auf zivile „Brummi-Fahrer“ angewiesen.

Professor Hurrelmann: im Kriegsfall Pflichtjahr für Senioren

Da trifft es sich gut, das ihm ein Professor Hurrelmann zur Seite springt. Denn der fordert allen Ernstes in vielen Medien ein soziales Pflichtjahr für Senioren: „Mit 65 – oder oft genug schon mit 63 – sind die Leute plötzlich nur noch Privat- und Urlaubsmenschen, was ist denn das für ein Konzept?“ fragt er rein rhetorisch. Im Interview mit dem Welt-Sender (22.Juli) fragt der Moderator, warum in aller Welt Hurrelmann das denn nicht nur als Anregung empfiehlt, sondern als Pflicht einführen will. Hurrelmann: „Das soll ja nur für den Notfall gelten.“ Der Moderator: „Und was ist für Sie der Notfall?“ Hurrelmann: der Fall eines Krieges, dann fällt ihm nur noch der Klimawandel ein, und man merkt, dass er das nur nachschiebt. Und so antwortet er denn auch im Spiegel auf die Frage, ob man das denn den Alten zumuten könne: „Ja, denn von den Jungen zu erwarten, dass sie im Ernstfall allein das Land verteidigen, ist nicht gerecht.“ Dass auch die Jungen keine Lust haben könnten, in den Krieg zu ziehen, scheint ihm nicht in den Sinn zu kommen. Seltsam, sonst gibt er sich betont verständnisvoll für die Sorgen und Nöte der jungen Generation. Und auch ihm ist sicher bekannt, dass die Wehrpflicht gerade unter den Jüngeren wenig Zustimmung findet.

Opas gegen Krieg ?

Beide, Hurrelmann und Verbandschef Engelhardt, stellen das Ziel der Kriegstüchtigkeit nicht nur nicht in Frage. Sie behandeln die Möglichkeit eines Krieges wie eine Selbstverständlichkeit, die gar nicht erst in Frage gestellt wird. Erst recht nicht kommen sie auf die Idee, auch nur einen Teil ihrer Überlegungen und Kräfte auf die Aufgabe zu konzentrieren, wie ein solcher Krieg verhindert werden kann. Genau das wäre ja das gemeinsame Interesse von jung und alt.

Einen Nebeneffekt könnten diese Vorstöße aber doch haben: wer unter denen, die über 60 Jahre, ja selbst über 70 Jahre alt sind, bisher geglaubt hat, dass er seinen bzw. ihren (naturgemäß zeitlich begrenzten) Lebensabend noch in Ruhe wird genießen können, dass sich die schwarzen Wolken erst danach zusammenziehen werden, der muss langsam begreifen, dass er sich darauf nun wirklich nicht mehr verlassen kann. Die „Kriegsertüchtiger“ und ihre medialen Unterstützer werden immer dreister, sie stürmen in der einmal eingeschlagenen Richtung immer schneller voran. Aus Sicht der Älteren stellt sich da die Frage, ob sie nicht unter dem Motto „Opas gegen Krieg“ aktiv werden sollten. Natürlich nicht ohne die Omas.

1 Kommentar

  1. Ich,66, sehe mich schon mit Rollator an der Feldküche stehen und Wassersuppe an die tapferen Helden, die ins Feld für Ruhm und Ehre ziehen, zu verteilen. Wie kopfkrank und kriegsbesoffen ist unsere Regierung und ihre sog Experten? Was geht in solchen kranken Hirnen vor? Gehen diese Kriegstreiber voran an die Front und nehmen ihre Kinder mit? Sicher nicht.
    Braunschweigerinnen und Braunschweiger, merkt ihr etwas? Was passiert hier gerade? Ich jedenfalls werde die erste Waffe, die man mir in die Hand drückt, mit dem Rohr in den Sand stecken.Und dabei bin ich völlig kompromisslos.

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