Start Politik Der Grund allen Wohlstands

Der Grund allen Wohlstands

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Mit RoundUp Ready (Wirkstoff: Glyphosat") gespritzter Boden mit Erosionsschäden und ungespritzter Boden und mit dem Herbizid behandelten Boden. Kolumbien. Foto: Uwe Meier

Warum die Bodenpolitik völlig neu gedacht werden muss

Von Tanja Busse und Christiane Grefe

Der Boden ist unsere Existenzgrundlage, als Grund wird er ausgemessen und in Besitz genommen, als Fläche im Raum unterschiedlich genutzt, alles zusammen ist es Land – und das war schon immer ein knappes Gut. Aber noch nie war die Konkurrenz so groß. „Buy land, they’re not making it any more“: Mit einem Tempo, das selbst Mark Twain, von dem das bekannte Zitat stammt, in Schwindel versetzt hätte, wird heute „die Erde“ neu vermessen und in Besitz genommen – und zwar in der doppelten Bedeutung des Wortes, als Planet und als fruchtbare Krume. Investoren suchen Land, wo sie es kriegen können, zu Hause und in aller Welt. Man kann Land kaufen, besitzen, pachten, kann damit handeln wie mit anderen Waren. Land, das früher dem Staat und meist den Bäuerinnen und Bauern, die es bewirtschafteten, gehörte oder das von indigenen Bevölkerungsgruppen gemeinschaftlich genutzt wurde: Es ist heute auch und nicht zuletzt ein Rendite- und Spekulationsobjekt.

Viel zu lange war die Knappheit und Überbuchung des Grundes der Elefant im Raum. Doch jetzt, erstaunlich spät zwar, aber dafür immer öfter, ist die Rede von der Fläche als „neuer Währung“, so formuliert es der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Stefan Tidow, oder immer wieder vom „neuen Gold“. Um jeden Hektar Erde wird gebuhlt. Immer schneller wird Land deshalb immer kostbarer und laufend teurer. Das gilt für Baugrundstücke in den Städten wie für den Wald. Im Wasdower Wald etwa stieg die Versteigerungssumme im Wettbewerb zwischen Interessenten aus Naturschutz, Jagd und Forstwirtschaft am Ende auf fast das Doppelte des Verkehrswerts. Und laufend teurer wird besonders das Ackerland. Familienbetriebe können beim Kauf von Agrarflächen kaum mehr mithalten, da die Preise auf dem Bodenmarkt drastisch viel höher gestiegen sind als die Einkommen. Ein Viertel der Äcker, die in den vergangenen Jahren den Besitzer gewechselt haben, wurde von Käufern ohne agrarwirtschaftliche Vorgeschichte erworben. Dazu gehören Finanzfonds, Immobilienunternehmen oder Firmenbesitzer wie der kürzlich verstorbene Brillenhersteller Fielmann. Weiter

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