Von Frank Oppermann Theaterleiter
130 Jahre alt ist das Kino diesen Dezember geworden. Trotz der starken Konkurrenz durch Streaming Dienste besuchen die Menschen nach wie vor Lichtspielhäuser in Deutschland. Gegen Ende des Jahres hat James Cameron allen noch einmal gezeigt, was für eine Sogwirkung seine Filmwelt hat: Innerhalb von weniger als zwei Wochen haben hierzulande mehr als 2,98 Millionen Menschen „Avatar: Fire and Ash“ gesehen. Das Fantasyabenteuer hat damit den besten Kinostart 2025 hingelegt.
Die Blockbuster-Offensive des Jahres wurde von etablierten Franchises dominiert, die ihre erprobten Formeln variierten. Tom Cruise kehrte mit „Mission Impossible: The Final Reckoning“ zurück und lieferte abermals halsbrecherische Stunts, während das Marvel Cinematic Universe gleich mehrere Produktionen platzierte. James Gunns „Superman“ unternahm den Versuch, das Superhelden-Genre durch verstärkte Charakterfokussierung zu revitalisieren, während „Thunderbolts“ als Marvel-Variante des Anti-Helden-Ensembles konzipiert war. Gareth Edwards‘ „Jurassic World: Rebirth“ setzte die Dinosaurier-Reihe fort, diesmal mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle. Joseph Kosinskis Formel-1-Film mit Brad Pitt demonstrierte das Bestreben Hollywoods, auch Nischensportarten für ein Massenpublikum aufzubereiten. Diese Produktionen vereint die technische Exzellenz ihrer Umsetzung, jedoch auch eine gewisse erzählerische Vorhersehbarkeit, die den Formeln erfolgreicher Vorgänger verhaftet bleibt. Abseits der großformatigen Spektakel entfalteten sich künstlerische Arbeiten, die dem Kino andere Möglichkeiten abgewannen. Paul Thomas Andersons „One Battle After Another“ verband politische Radikalisierung mit familiären Brüchen. Die vielschichtige Erzählweise forderte das Publikum heraus und verweigerte sich den üblichen Genrekonventionen. Das eigentliche Event des Jahres: James Camerons „Avatar: Fire and Ash“ offenbarte allerdings auch die Problematik einer Industrie, die zunehmend auf bekannte Marken setzt, anstatt originäre Stoffe zu entwickeln.
Die deutsche Filmindustrie bewies 2025 ihre kommerzielle Schlagkraft. „Das Kanu des Manitu“ führte mit 3,8 Millionen verkauften Tickets die Kinocharts an und verdrängte Hollywood-Blockbuster. Allerdings erreichte die Fortsetzung nicht die historischen Dimensionen des Originals, was die Schwierigkeit illustriert, vergangene Erfolge zu wiederholen. „Die Schule der magischen Tiere 3“ war der erfolgreichste Kinofilm des Jahres 2024 in Deutschland, und der vierte Teil setzte die erfolgreiche Familienfilm-Reihe fort. Darüber hinaus entstanden künstlerisch ambitionierte Arbeiten wie „22 Bahnen“ oder „Amrum“.
Das Jahr markierte außerdem einen Wendepunkt in der technologischen Ausstattung der Kinos. IMAX verzeichnete 2025 einen Boom mit 14 exklusiv für das Großformat produzierten Filmen, was die wachsende Bedeutung immersiver Formate unterstrich. Die technische Innovation dient jedoch nicht dem Selbstzweck, sondern zielt auf eine Intensivierung des visuellen Erlebnisses ab, das im Heimkinobereich nicht reproduzierbar erscheint. Digitale Projektionssysteme ermöglichten eine bisher ungekannte Bildschärfe, während Atmos-Soundsysteme eine räumliche Präzision erreichten, die das akustische Geschehen greifbar macht. Insgesamt illustrieren diese Entwicklungen den Versuch der Branche, sich durch technische Überlegenheit vom heimischen Streaming-Konsum abzugrenzen und das Kino als exklusiven Erlebnisraum zu positionieren.
Das Astor Filmtheater hat als neue Reihe sehr erfolgreich Lesungen von bekannten Film- und Kinotalenten eingeführt, die auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden.
Die Entwicklungen des Jahres 2025 lassen strukturelle Verschiebungen erkennen, die über einzelne Filme hinausweisen. Der Trend zu immersiven Premium-Formaten dürfte sich fortsetzen, da Kinobetreiber verstärkt auf Differenzierung vom heimischen Streaming-Konsum setzen. Zudem zeichnet sich eine Rückkehr zum Gemeinschaftserlebnis ab, nachdem die Pandemie-Jahre das Publikum temporär in die heimischen Räume verbannt hatten.
Das Kinojahr 2025 in Zahlen:
Gesamtbesucher Deutschland: ca. 85,5 Millionen
Gesamtbesucher Astor: 499.000
Top 10 Deutschland (nach Besuchern) Quelle: ComScore
| Das Kanu des Manitu | 5,0 Millionen |
| Ein Minecraft Film | 3,4 Millionen |
| Lilo & Stitch | 3,3 Millionen |
| Zoomania 2 | 3,2 Millionen |
| Avatar: Fire and Ash | 2,98 Millionen |
| Die Schule der magischen Tiere 4 | 2,92 Millionen |
| Jurassic Park: Die Wiedergeburt | 2,5 Millionen |
| Mufasa: König der Löwen | 1,7 Millionen |
| Paddington in Peru | 1,6 Millionen |
| The Conjuring: das letzte Kapitel | 1,4 Millionen |
Top 10 Astor (nach Besuchern) Quelle: Astor Filmtheater Braunschweig
| Avatar: Fire and Ash | 24.000 |
| Das Kanu des Manitu | 20.900 |
| Zoomania 2 | 20.000 |
| Lilo & Stitch | 19.000 |
| Ein Minecraft Film | 18.400 |
| Jurassic World: Die Wiedergeburt | 18.000 |
| Die Schule der magischen Tiere 4 | 15.500 |
| Mission Impossible- The Final Reckoning | 10.800 |
| F1 | 10.500 |
| Mufasa: König der Löwen | 9.800 |
Frank Oppermann Theaterleiter




























