Wenn man sich rund um Grönland umsehe, so der amerikanische Präsident Trump, sehe man russische und chinesische Zerstörer und russische U-Boote. Beide Staaten wollten Grönland nämlich besetzen, und das würden die USA nicht zulassen (siehe Video1, ca. 3 min.), weshalb es nötig sei, den USA die Insel zu übereignen. Spontan mag mancher denken, sieh mal einer an, die Russen wieder und die Chinesen auch, na da ist Trumps Anliegen doch zumindest nachvollziehbar. Und schon ist er bzw. sie hereingefallen. CNN hat den dänischen Generalmajor Sören Andersen, Chef des dänischen Arktiskommandos in Grönland, zu den Schiffen befragt. Andersens Antwort: „Nein, die sind im arktischen Ozean. In den zweieinhalb Jahren, die ich hier Kommandant bin, habe ich keine gesehen.“ (siehe Video2, ca. 2 min., besonders ab 00:57) Der dänische Außenminister ergänzt, dass das sogar schon seit zehn Jahren so ist.
Warum lügt Trump derart dreist? Ganz einfach, er versucht Ängste vor feindlichen Mächten zu erzeugen, die sowohl die eigene Bevölkerung als auch die NATO-Staaten wie deren Völker zur Unterstützung seines Vorhabens bringen sollen. Dabei ist er allerdings nur teilweise erfolgreich: die US-Amerikaner lehnen nach einer Umfrage mehrheitlich den „Erwerb“ Grönlands ab; der deutsche Kanzler allerdings beeilte sich zu versichern, dass man die russische Bedrohung Grönlands gemeinsam abwehren solle; damit baut er offenbar selber auf Trumps Lüge auf.
Trumps Lügen rund um die Windenergie
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Trump einer weiteren Lügenkaskade überführt. Dieses Mal geht es um Windenergie. Hier nur drei Beispiele dafür:
Trump: „Ich habe noch keinen Windpark in China finden können.“
Dagegen: China produziert zwei Fünftel des weltweiten Windstroms, fast achtmal so viel wie Deutschland und doppelt so viel wie die USA.
Trump: „Sie (gemeint sind die Chinesen, A.M.) verkaufen die Windräder an dumme Leute, aber sie nutzen sie nicht selbst“
Dagegen: Von allen in China hergestellten Windrädern verbleiben 94 Prozent im Land, nur sechs Prozent werden exportiert.
Trump: „Jedes Mal, wenn sich ein Windrad dreht, verliert man 1000 Dollar. Mit Energie sollte man Geld verdienen, nicht Geld verlieren“
Dagegen: der Windstrom ist konkurrenzlos preiswert. In Onshore-Anlagen kostet die Produktion einer Kilowattstunde zwischen 4,3 und 9,2 Cent; in einem Braunkohlekraftwerk sind es zwischen 15,1 und 25,7 Cent, in einem Gas- und Dampfkraftwerk zwischen 10,9 und 18.1 Cent und in einem mit Gasturbinen angetriebenenKraftwerk zwischen 15,4 und 32,6 Cent. (alle Angaben aus: FAZ,23.1.26)
Lüge als Mittel der Politik – auch in Demokratien?
Nun ist das Lügen ja keineswegs nur bei Trump festzustellen. Der US-amerikanische Politikwissenschaftler John Mearsheimer hat dazu eine kenntnisreiche und überzeugende Untersuchung vorgelegt: „Lüge. Vom Wert der Unwahrheit“ (New York 2011). Darin untersucht er verschiedene Formen der Täuschung: Lüge, Verheimlichung und Schönfärberei. Er konstatiert den Einsatz der Lüge in den verschiedenen Systemen, keineswegs nur in Diktaturen und Autokratien; er unterscheidet die Lüge anderen Regierungen gegenüber und die dem eigenen Volk gegenüber. Er stellt dazu fest: „Tatsächlich belügen Regierungen eher ihr eigenes Volk als rivalisierende Staaten. Das scheint besonders für Demokratien wie die Vereinigten Staaten zu gelten.“ (S.19) Überhaupt sei es für eine Regierung verhältnismäßig einfach, ihr Volk zu belügen. Schließlich kontrolliere sie den Geheimdienstapparat des Staates, der ihr wichtige Informationen beschaffe, die der Öffentlichkeit fehlen und die von ihr auch nicht überprüft werden können. Besonders wirkungsvoll erscheine das Mittel der Angstmache. Aber: „Regierungen, die Angstmache betreiben, verraten eine gewisse Verachtung für ihr Volk und für die Demokratie im Allgemeinen.“ (S.113) Unter gewissen Umständen käme es sogar vor, dass eine Regierung und die sie tragenden Eliten selber ihren Lügen aufsitzen. Dann wird es richtig gefährlich!
























