Start Kultur Zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Udo Dittmann (Fritz Bauer Freundeskreis)

Zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Udo Dittmann (Fritz Bauer Freundeskreis)

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Udo Dittmann kurz vor der Übergabe des Bundesverdienstkreuzes durch Oberbürgermeister Thorsten Kornblum.

Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Udo Dittmann am 13.02.2026 in der Dornse (Altstadtrathaus) Braunschweig und die Rolle des „Braunschweig-Spiegels“.
Der Anlass für die Ehrung waren die Aktivitäten von mir zur Erinnerung an Fritz Bauer, dem ehemaligen Generalstaatsanwalt in Braunschweig und Frankfurt am Main. Eine große Rolle spielt dabei der „Bauer- Rundbrief“, der seit über zehn Jahren alle 4-6 Wochen in Braunschweig erscheint und bundesweit auf aktuelle Aktivitäten in Verbindung mit Fritz Bauer aufmerksam macht: auf Bücher, Filme, Tagungen, Platzbenennungen usw. Er trug damit bei, dass Bauer insgesamt bekannter wurde, nachdem er 1968 plötzlich verstarb und dann in Vergessenheit geriet. Ab 2009/2010 setzte ein neuer „Erinnerungsboom“ ein, an dem auch der Fritz Bauer Freundeskreis einen Anteil hatte. Im „Rundbrief“ wurden bundesweit Infos zu Fritz Bauer gesammelt und viele Menschen, auch weit über Braunschweig hinaus erreicht.

Die Rolle des Braunschweig-Spiegels
Die Geschichte des Fritz Bauer Freundeskreises und des Rundbriefes beginnt in Braunschweig und dabei spielt der „Braunschweig-Spiegel“, die alternative Webzeitung in der Stadt, eine ganz besondere Rolle:
Im Sommer 2009 hatte ich – eher per Zufall – die neue Fritz Bauer Biographie von Irmtrud Wojak kennengelernt, die eine Pionierarbeit war. Damals war Fritz Bauer noch vollkommen vergessen gewesen. Auch ich kannte Fritz Bauer nicht. Ich las die Biographie mit großer Spannung, sie berührte mich enorm. In dem Augenblick hat mir Uwe Meier vom „braunschweig-spiegel“ gefragt, ob ich eine Stellungnahme zu einer problematischen Abschiebung einer jungen Roma-Frau mit ihren beiden kleinen Kindern aus Wolfenbüttel in den Kosovo aus amnesty (ai)-Sicht schreiben könne. Ich bin seit 1990 Bezirkssprecher von ai im Bezirk Braunschweig und schien für Uwe Meier ein geeigneter Ansprechpartner zu sein. Ich antwortete, dass ich das gern machen wolle und fügte hinzu, dass ich auch sehr gern etwas zu Fritz Bauer schreiben würde.

Der Braunschweig-Spiegel und der Freundeskreis haben sich immer unterstützt. Das war eine fruchtbare Zusammenarbeit. Und dann kam die Frage, die alles in Gang setzte und mir seitdem fortlaufend begegnete: Wer ist denn Fritz Bauer? Nicht nur Uwe Meier kannte ihn damals nicht, sondern fast alle Bekannten von mir – auch die Geschichtsinteressierten – kannten ihn nicht. Eine Ausnahme war Sigrid Probst, die frühere Zweite Bürgermeisterin von Braunschweig, mit der ich gut befreundet war.

Mit ihr konnte ich über Bauer sprechen, erfuhr manches und sie verwies mich auf Helmut Kramer, dem engagierten Richter a.D. aus Wolfenbüttel, der in der NS-Aufarbeitung sehr aktiv gewesen war.

Ich schrieb nun einen ersten Aufsatz über Fritz Bauer für den „braunschweig-spiegel“. Im letzten Satz machte ich den Vorschlag, eine Straße in Braunschweig nach Fritz Bauer zu benennen. Der Beitrag erschien im „braunschweig-spiegel“ im Sommer 2009. Im Herbst des Jahres lud Helmut Kramer die Bauer-Biographin Irmtrud Wojak ins Landgericht zu einem Vortrag über Bauer ein und im Mai 2010 stellte Ilona Ziok ihren neuen Fritz Bauer Film „Tod auf Raten“ im Cinemaxx vor, nachdem er im Februar auf der Berlinale gezeigt worden war. Damit waren die wichtigsten Vertreterinnen einer neuen Erinnerungskultur für Bauer als erstes nach Braunschweig gekommen.

Und nun kommt wieder der „Braunschweig-Spiegel“ ins Spiel. Im April 2011 richtete Henning Noske, der Leiter der Lokalredaktion der Braunschweiger Zeitung, einen neuen Blog ein und schrieb dort einen Beitrag mit dem Titel „Warum gibt es noch keinen Fritz Bauer Platz in Braunschweig“. Er hatte den entsprechenden Beitrag im „Braunschweig-Spiegel“ gelesen und bezog sich auf meine Anregung einer Straßenbenennung.

Die Idee des Fritz Bauer Freundeskreises entstand.

Forum Justizgeschichte: Hans-Ernst Böttcher, Präsident des Landgerichts i.R., Lübeck, Gerd Hankel, Jurist, Völkerrechtler mit Udo Dittmann

Das war eigentlich die Geburtsstunde des Fritz Bauer Freundeskreises. Nachdem Uwe Meier, Sigrid Probst und nun auch Henning Noske von der BZ Interesse an Bauer zeigten, dachte ich, dies zu bündeln und einen Arbeitskreis zu gründen. Durch die besondere Persönlichkeit von Bauer sollte es ein „Freundeskreis“ sein. In einer kleinen Buchhandlung fand im Mai ein erstes Treffen mit Bekannten statt, zu dem ich einen Entwurf für einen Flyer anfertigte. Alles war noch sehr provisorisch.

Dann kam plötzlich die Einladung zu einem Gespräch im Pressehaus an der Hamburger Straße von der Braunschweiger Zeitung. Ich sollte den „Fritz Bauer Freundeskreis“ vorstellen, den es eigentlich noch gar nicht richtig gab. Am 20. Juli erschien der Beitrag halbseitig in der Zeitung, auf den hin sich viele Interessierte meldeten. Es entstand also ein Zugzwang, nun ein erstes richtiges öffentliches Treffen zu veranstalten. In dieser Situation traf ich (wiederum zufällig) Hansi Volkmann vom DGB, der anbot, dass man sich in den Räumen des DGB in der Wilhelmstraße treffen könne. Am 26. September 2011 fand dort das erste Treffen statt. Da auch einige Personen von außerhalb kamen, sollte es um 17 Uhr beginnen.

Damit begann alles. Seitdem trifft sich der Fritz Bauer Freundeskreis regelmäßig alle zwei Monate dort im DGB-Haus. Es bildete sich bald ein fester Kreis von 10- 15 Personen, die regelmäßig kamen. Zudem war der Kreis immer offen für weitere Interessierte. Es sollte die Struktur einer amnesty-Gruppe haben, offen für Mitarbeit, kein Verein, kein Mitgliedsbeitrag. Das gelang.

Musik im Begleitprogramm

Das Weitere will ich hier nicht ausführen. Vieles ist auf der Webseite des Fritz Bauer Freundeskreises nachzulesen, z.B. mit den Beiträgen „Wie alles begann“ oder „Wie es weiterging“ (www.fritz-bauer-freundeskreis.de ). Da ich viele Tagungen außerhalb besuchte, erweiterte sich der Kreis der Interessierten fortlaufend, weit über Braunschweig hinaus. Dazu entwickelte ich den „Fritz Bauer Rundbrief“, der bald bundesweit bekannt wurde.

Das Denkmal der Grauen Busse in Braunschweig – Fritz Bauer und die NS-„Euthanasie“
Ein erster Einschnitt kam im Jahr 2015, als das Denkmal der Grauen Busse nach Braunschweig kam. Dort sollte ich einen Vortrag über „Fritz Bauer und die NS-Euthanasie“ halten. Dabei stützte ich mich auf die Anklageschrift von Bauer gegen Werner Heyde, dem Leiter der Euthanasie-Aktionen, die 833 Seiten umfasste und auch in Vergessenheit geraten war. Der Vortrag dazu erschien ein Jahr später im Jahrbuch der Juristischen Zeitgeschichte (2016). Das Thema NS-Euthanasie hatte seitdem immer einen großen Stellenwert im Rundbrief, da Bauer viel dazu hatte ermitteln lassen, ohne dass es allgemein bekannt war. Bauers Ermittlungen dazu waren weit umfangreicher als zum Auschwitz-Prozess.

Ein zweiter Einschnitt kam mit dem Vortrag von Gerd Wysocki über „Die Gestapo im Freistaat Braunschweig“ im November 2023. Zum ersten Mal wurde ein Referent von außen eingeladen. Das wurde ein großer Erfolg. Seitdem kommen immer mehr ReferentInnen aus verschiedenen Städten wie Frankfurt, Berlin, Bremen, Stuttgart usw., die zu Bauer vortragen – mit den unterschiedlichsten Themen. Zuletzt war die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin aus Stuttgart im Fritz Bauer Freundeskreis zu Gast und hielt einen Vortrag über Bauer. Sie hatte ihn noch persönlich während ihres Studiums in Berlin in den 1960er Jahren kennengelernt und zu einem Vortrag eingeladen.

Das Bundesverdienstkreuz – und ein Roman zu Fritz Bauer
Ein Wort noch zum Bundesverdienstkreuz. Es gibt ein spannendes Sachbuch mit diesem Titel „Bundesverdienstkreuz“ von Bernt Engelmann, in dem es um einen Unternehmer aus der NS-Zeit und dessen Arisierungen geht. Er erhielt später in der Bundesrepublik ein Verdienstkreuz. Dieses Buch und die dazu gehörigen Recherchen wurden die Grundlage für den bisher einzigen Fritz Bauer (Kriminal-) Roman von Sylvain Treperman mit dem Titel „Ein Stein für Fritz Bauer“, der sehr lesenswert ist. Das Bundesverdienstkreuz spielt dort eine ganz andere Rolle.

DGB: Christine Beinlich, Denise Steinert, Hansi Volkmann

Einige Worte zur Feier in der Dornse
Zuletzt noch zur Feier am 13.02 ein paar kurze Worte. Es war eine sehr feierliche Veranstaltung mit einer schönen Rede vom Oberbürgermeister Dr. Kornblum, einer Laudatio von der Schulleiterin der Oswald Berkhan Schule, Dagmar Brunsch, und einer Überraschungsrede von Hans-Ernst Böttcher, dem Präsidenten des Landgerichts Lübeck a.D. Eingerahmt wurde es durch einige Musikstücke aus Schottland, die mein Bruder Jörg Dittmann mit seinem Musikpartner Biong Wagener auf der Gitarre spielten. Zahlreiche Gäste waren anwesend, von denen ich in meiner Dankesrede einige persönlich erwähnte, insbesondere die Gäste aus Stuttgart vom Eberhard Ludwigs Gymnasium, der ehemaligen Schule von Fritz Bauer. Das Programm, eine Gästeliste und meine Rede sind als Anhang hier beigefügt.

Eine Fritz Bauer Schule in Braunschweig fehlt noch
Als Letztes drückte ich noch den Wunsch aus, dass die neue IGS am Wendenring, die gerade im Bau ist, vielleicht den Namen von Fritz Bauer erhält. So könnten auch viele junge Menschen Fritz Bauer kennenlernen und die Erinnerung an ihn pflegen. Der Oberbürgermeister wies allerdings darauf hin, dass Schulbenennungen immer eine Angelegenheit der Schule selber sind. Von daher kann man gespannt sein, ob die Schule für einen solchen Vorschlag offen ist.

Udo Dittmann

Aus der Gästeliste:
Forum Justizgeschichte

Hans-Ernst Böttcher Gerd Hankel

Eberhard Ludwigs Gymnasium Stuttgart braunschweig-spiegel

Rolf Hartkamp, Katharina Strötker und Uwe Meier und Udo Dittmann

Mario Zecher

DGB

Hansi Volkmann, Denise Steinert und Matthias Burchard (Berlin)

Christine Beinlich

Verband Sonderpädagogik (vds)

Reinhard Fricke, Patrick Wiebe, Oberbürgermeister Dr. Kornblum

Gäste

Justiz Braunschweig

Angelika Düfer Verwaltungsgericht Braunschweig

Detlev Rust Generalstaatsanwalt Braunschweig

Forum Justizgeschichte

Hans-Ernst Böttcher Präsident des Landgerichts i.R., Lübeck

Gerd Hankel Institut für Sozialforschung, Hamburg

Schule

Dagmar Brunsch Oswald Berkhan Schule Braunschweig

Joachim Heise Oswald Berkhan Schule Braunschweig

Maren Matz Volkers Oswald Berkhan Schule Braunschweig

Björn Steinmeyer Oswald Berkhan Schule Braunschweig

Eberhard Ludwigs Gymnasium Stuttgart

Rolf Hartkamp Lehrer am Ebelu

Fritz Bauer Botschafterinnen Abi 2024

Verband Sonderpädagogik

Reinhard Fricke vds Hannover

Doris Haucke vds Braunschweig

Patrick Wiebe vds Braunschweig

Gedenkstätten

Stina Barrenscheen-Loster Gedenkstätte Schillstraße

Regina Blune Gedenkstätte Helmstedter Straße

Arbeitskreis Andere Geschichte

Isolde Saalmann, Jürgen Schrader, Reiner Lüdtke

DGB

Christine Beinlich, Denise Steinert, Hansi Volkmann

amnesty international

Brigitte Riedel, Volker Mewes

Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Christian Werner

Rosenbaum-Stiftung

Peter Rosenbaum, Renate Rosenbaum

Matthias Burchard Verein Völkerverständigung/ Berlin

Ulrich Menzel Politologe/ Historiker

Ilona Ziok Filmemacherin/ Berlin

Fritz Bauer Freundeskreis

Heidemarie Heucke, Waltraud Petzold, Marie Luise Schulz, Martina Puzik, Anton Talecker,

Adriano Velardo

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