Hans Georg Dempewolf lebt nicht mehr. Wir sind sehr traurig. Für uns vom Braunschweig – Spiegel war Schorse, wie er allgemein genannt wurde, ein wichtiger und auch ein besonderer Mensch. Nach außen wirkte er zurückhaltend und bescheiden, manchmal auch wortkarg, aber wenn man ihn näher kennenlernte, merkte man, dass er ein sehr warmherziger Mensch war. Er war immer ansprechbar und redete und handelte sehr überlegt. Er vertrat klare Standpunkte, aber er ging die Dinge dabei doch so pragmatisch an, dass Lösungen gefunden wurden, die allen gerecht wurden – so werden wir ihn in Erinnerung behalten.
Vieles an unserer gesellschaftlichen und vor allem politischen Entwicklung hat ihm wie vielen anderen Sorgen bereitet. Angesichts der schwierigen und insgesamt bedückenden Gesamtlage resigniert so mancher und zieht sich ins Privatleben zurück. Schorse nicht – er wollte sich nicht abfinden. Er hat sich aktiv für viele Ziele eingesetzt. Der Erhalt des Friedens bzw. dessen Herstellung hatte für ihn eine besondere Bedeutung, noch im Oktober nahm er an der Friedensdemonstration in Berlin teil. Der Schutz unserer Umwelt lag ihm am Herzen, besonders der Schutz des Klimas. Er trat für soziale Gerechtigkeit ein, nicht zuletzt im Rahmen seiner Gewerkschaft in Wolfsburg. Er kritisierte die neoliberale Politik ebenso wie die ungerechte Weltordnung und unterstützte Attac. Eine vernünftige, bürgernahe Kommunalpolitik war ihm wichtig, wobei er in Initiativen von Bürgerinnen und Bürgern eine wichtige Kraft sah und sie nach Kräften unterstützte. Schorse setzte sich auch aktiv und ganz praktisch für eine solidarische Landwirtschaft ein und hielt Kontakt zu seiner Heimat, dem Dorf Bennemühlen nördlich von Hannover. Ob in der Trommelgruppe Sambattac, in der Gewerkschaft, im IG-Metall-Chor „Gegenwind“– auf ihn war immer Verlass. Er drängte sich nie nach vorne, war aber bereit Verantwortung zu übernehmen, wenn es galt, eine Sache voranzubringen.
Das gilt ganz besonders für seine Arbeit am Braunschweig – Spiegel. Er verfasste zahlreiche Artikel, die immer informativ und gut zu lesen waren – und meist reich bebildert. Er war mit dem Internetmedium vertraut wie kein anderer in der Redaktion. Und er bewältigte einen erheblichen Teil der alltäglichen technischen Arbeit. Als das Projekt Braunschweig-Spiegel in Schwierigkeiten geriet, zögerte er nicht und übernahm die Aufgabe des Chefredakteurs. Drei Jahre hat er sie nun mit Erfolg ausgeführt. Wir sind ihm sehr dankbar dafür. Er hat dabei auch neue Wege gesucht, etwa mit dem Internetauftritt bei Instagramm oder durch die Fotoreportagen über Musik-Events, die den Braunschweig – Spiegel seit einiger Zeit bereichern.
Wir sind stolz darauf, dass Schorse mit uns zusammen gearbeitet hat. Und es freut uns, dass auch ihm unser gemeinsames Projekt bis zum Ende seines Lebens besonders wichtig war. Das spornt uns an, dieses Projekt weiter zu verfolgen und auszubauen, wie schwierig auch immer die politische Gesamtlage sich entwickeln mag.
Ein lieber, sehr angenehmer Mensch ist gegangen. In unseren Gedanken ist er weiter bei uns.
Die Redaktion des Braunschweig – Spiegel
Persönliche Gedanken zu Schorse
„Vor etwa 10 Jahren habe ich in der Biobäckerei Gliesmarode gefrühstückt. Ein Mann kam herein und bestellte ein Bio-Brot. Ich kannte ihn von seinem Engagement in der Trommelgruppe in Braunschweig her, bei der alle nach seiner Pfeife tanzten. Ich sprach ihn auf den Braunschweig – Spiegel an, und er sagte „ja“, da würde er mitmachen. Von da an trafen wir uns häufig, so umrundeten wir etwa einmal die Woche gemeinsam die Riddagshäuser Teiche. Aber immer mit der nötigen Distanz – und das war für uns beide gut so. Ich habe mit ihm einen Freund verloren, Schorse war mir sehr wichtig.“ Uwe Meier
„Irgendwann war Schorse in meinem Leben – unspektakulär, leise, angenehm. Gemeinsam haben wir auf den Feldern der SoLaWi Groß Dahlum Kartoffeln von lästigen Kartoffelkäfern befreit oder dort Erdbeeren und Pflaumen geerntet. Oder ich habe ihm beim Trommeln im Proberaum zugehört. Aber vor allem war er unser Chefredakteur. Manche Menschen haben diese feinen Sensoren, unterschiedlichste Persönlichkeiten behutsam auf eine gemeinsame Bahn zu leiten, damit ein Ganzes – der Braunschweig-Spiegel – gelingt. Schorse hatte das und Ausdauer und Hilfsbereitschaft und Verständnis. Vielen Dank dafür!“ Kerstin Lindner
„Noch vor wenigen Wochen haben wir nicht mit dem Ableben von Schorse gerechnet. Ich konnte immer gut mit Schorse zusammenarbeiten. Meistens kam man mit ihm schnell zu einem guten Ergebnis. Es ist so schade und traurig, dass die Zusammenarbeit nun so plötzlich endet. Ich kann dem Nachruf der Redaktion aus eigener Erfahrung voll zustimmen.“ Bernd Krauß
„Noch vor wenigen Wochen hatten Schorse und ich überlegt, wie wir wohl den 2000sten Follower auf dem Instagram Account des Braunschweig-Spiegel feiern sollten, den wir vor zwei Jahren übernommen hatten. Zwei schon etwas ältere Herren, die erst lernen mussten, dass sich Instagram nur mit einem M schreibt. Nun wird es kein gemeinsames Glas Wein mehr geben, keine Freude über die gemeinsame Arbeit, die kleinen Erfolge. Schorse ist nun jemand, von dem man spricht, und nicht mehr jemand, mit dem man spricht. Das ist sehr ungewohnt und sehr traurig. Du warst unheimlich geduldig, ruhig, nachdenklich, mit Sinn für stille Freundschaft und einem versteckten, hintergründigen Sinn für Humor und Ironie. Danke Schorse, es hat Spaß gemacht, mit Dir zusammen zu arbeiten.“ Martin Brandes
„Immer, wenn ich vergeblich versucht hatte, irgendetwas technisch hinzubekommen, war ein Anruf bei Schorse die Rettung. Nie wurde er ungeduldig, er ließ einen auch nicht spüren, dass man sich ziemlich ungeschickt angestellt hatte. Er erklärte, bei Bedarf auch zweimal, ich verstand – meine gute Stimmung war wieder hergestellt. – Nach unseren Redaktionstreffen in der Brunsviga liefen wir oft zusammen die Karlstraße hinunter, Schorse nach Hause, ich zu meinem Auto auf dem Schulgelände in der Böcklinstraße. Das waren nur ein paarhundert Meter und einige Minuten. Aber es waren interessante, lebendige und ganz offene Gespräche. Keine Spur von Wortkargheit.“ Andreas Matthies






























