Leben, Lieben und Leiden der Stockente - eine Collage

Eine Collage aus "Brehms Tierleben" und Texten der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.


Unter allen Enten ist für uns die Stockente, Wild- , März-, Blumen-, Gras-, Stoß-, Sturz- und Moosente, die wichtigste, weil von ihr unsere Hausente herstammt. Sie vertritt mit einigen anderen Arten die Untersippe der Spiegelenten; als deren Kennzeichen gelten: kräftiger Leib, kurzer Hals, breiter, flach gewölbter, nach vorn kaum verschmächtigter Schnabel mit stark übergekrümmtem Nagel, mittelhohe, in der Mitte des Leibes eingelenkte, langzehige Füße, ziemlich lange Flügel, zugerundeter, aus sechzehn Federn bestehender Schwanz und nach dem Geschlechte verschieden gefärbtes Gefieder. Die männliche Stockente hat grünen Kopf und Oberhals, braune Vorderbrust, hoch- oder graubraunen, dunkler gemischten, auf den Schultern grauweiß, braun und schwärzlich gewässerten Oberrücken, graue Oberflügel, prachtvoll blauen, beiderseitig weiß gesäumten Spiegel, schwarzgrünen Unterrücken und Bürzel und auf grauweißem Grunde sehr zart schwärzlich gewässerte Unterteile; ein schmales, weißes Halsband trennt das Grün des Halses von dem Kastanienbraun der Vorderbrust; die Oberschwanzdeckfedern, deren mittlere sich aufwärts krümmen, sind schwarzgrün, die Unterdeckfedern sammetschwarz, die Schwingen dunkelgrau.

Das Auge ist hellbraun, der Schnabel grüngelb, der Fuß blassrot. Im Herbste ähnelt das Kleid des Männchens dem des Weibchens, welches auf Kopf und Hals fahlgrau, dunkler gepunktet, auf dem Oberkopfe schwarzbraun, auf dem Rücken braun, lichter schwarzbraun, grau, braun und rostgelbbraun bespritzt und heller gerandet, auf dem Unterhalse und Kropfe auf hell kastanienbraunem Grunde mit schwarzen Mondflecken, auf dem übrigen Unterkörper durch braune Flecke gezeichnet ist. Die Länge beträgt dreiundsechzig, die Breite einhundertundvier, die Fittiglänge dreißig, die Schwanzlänge neun Zentimeter. Das Weibchen ist kleiner.


Leben in Massentierhaltung

Derzeit leben in Deutschland etwa 3,2 Millionen Enten in Intensivhaltung, wobei es sich bei den für die Entenmast verwendeten Tieren größtenteils um Peking- und Moschusenten (Handelsname: Barbarieenten, Flugenten) handelt. Bei Pekingenten ist die sogenannte Bodenhaltung gängig, in der die männlichen und weiblichen Tiere gemeinsam in strukturarmen geschlossenen Stallanlagen mit Fenstern oder in Offenställen (mit natürlicher Luft- und Lichtzufuhr) in Gruppen von bis zu 15.000 Tieren zusammenleben. Moschusenten werden dagegen meist in geschlossenen Ställen ohne Fenster und getrennt nach Geschlecht gehalten, wobei Gruppengrößen von bis zu 4.000 männlichen oder 13.000 weiblichen Tieren anzutreffen sind.


Das Verbreitungsgebiet der Stockente umfasst ganz Europa und Asien, Amerika bis Mejiko und Nordafrika; das der Schnatterente ist kaum minder ausgedehnt. Erstere, deren Lebensweise im wesentlichen auch die der Schnatterente ist, zieht im Norden regelmäßig, wandert auch in unseren Breiten noch, bleibt aber schon in Süddeutschland oft auch im Winter innerhalb ihres Brutgebietes wohnen. In den Monaten Oktober und November versammeln sich die Stockenten zu großen Scharen und brechen nach südlicheren Gegenden auf. Die meisten gehen bis Italien, Griechenland und Spanien, wenige nur bis Nordafrika oder in die diesem Teile der Erde entsprechende Breite Südasiens hinab. Auf italienischen, griechischen und spanischen Seen gewahrt man von jener Zeit an tausende  und hunderttausende von ihnen, zuweilen auf Strecken von mehreren Geviertkilometern das Wasser bedeckend und, wenn sie sich erheben, einen von fern hörbaren dumpfen Lärm verursachend, welcher an das Getöse der Brandung erinnert. Schon im Februar oder spätestens im März beginnt der Rückzug. In der Heimat wie in der Fremde nimmt die Stockente am liebsten auf schilf- oder riedbedeckten Seen, Teichen und Brüchen ihren Aufenthalt. Gewässer, welche hier und da von Pflanzen frei, im übrigen von Gebüsch und Sumpfpflanzen aller Art bewachsen sind, sagen ihr besonders zu; von ihnen aus fliegt sie ab und zu auf kleinere Teiche, Lachen, Wassergräben oder Felder hinaus, um auch diese Oertlichkeiten auszunutzen. Auf freiem Wasser zeigt sie sich verhältnismäßig wenig, schwimmt vielmehr sobald als möglich dem Pflanzendickichte zu und untersucht nun gründelnd und wadend den Schlamm.


Während die Hallen für Pekingenten (wenn sie den Tieren auch sonst kaum Reize bieten) zumindest mit Einstreu ausgestattet sind, müssen Moschusenten oft auch auf dies verzichten und auf harten Rostböden aus Plastik, Holz oder Draht direkt über ihren eigenen Exkrementen leben. Unabhängig von der Zuchtrasse wird der Kostenaufwand der Landwirte in den konventionellen Haltungsformen minimal gehalten. Die Tiere werden als bloße Produktionseinheiten gesehen und behandelt. So wird sowohl Peking- als auch Moschusenten der Zugang zu ihrem eigentlichen Element – dem Wasser – praktisch vollständig verwehrt (mit Ausnahme der Darbietung von Trinkwasser in Tränken), da das Hygienemanagement von Gewässern in der Stallhaltung aufwendig und teuer wäre.


Die Stockente gehört zu den gefräßigsten Vögeln, welche wir kennen, verzehrt die zarten Blätter oder Spitzen der Grasarten und der verschiedensten Sumpfgewächse, deren Knospen, Keime und reife Sämereien, Getreidekörner, Knollenfrüchte, jagt aber auch eifrig auf alle Thiere vom Wurme an bis zum Fische und Lurche, scheint an einem unersättlichen Heißhunger zu leiden und frißt, um ihn zu stillen, so lange sie wach ist und etwas findet. Wesen, Sitten und Gewohnheiten ähneln dem Gebaren ihrer Nachkommen, der Hausente. Sie geht, schwimmt, taucht und fliegt in ähnlicher Weise, obschon besser als die Hausente, hat genau dieselbe Stimme, das weit schallende »Quak« des Weibchens und das dumpfe »Quäk« des Männchens, das unterhaltende »Weck weck« oder das lockende »Wack wack«, das Furcht ausdrückende »Rätsch« oder »Räb räb«, kurz alle die Laute, welche man von der Hausente vernimmt.


Eine Mastperiode dauert bei Pekingenten in der Regel lediglich 6 bis 7 Wochen, bei Moschusenten (je nach Geschlecht) 9 bis 12 Wochen. In dieser Zeitspanne erreichen die Pekingenten beider Geschlechter ein Mastendgewicht von rund 3 kg. Weibliche Moschusenten werden etwa 2,6 kg und männliche Moschusenten etwa 5 kg schwer. Eingesetzt werden für die Entenmast speziell zur Fleischproduktion gezüchtete Rassen, die auf eine hohe Mastleistung und die Ausbildung eines überdimensional hohen Brustfleischanteils hin gezüchtet wurden, was bei den Tieren nicht selten ernsthafte Gesundheitsschäden hervorruft. Diese Hochleistungstiere stammen nicht aus Deutschland, sondern werden aus ausländischen Betrieben angeliefert, die sich allein auf die Zucht von Mastgeflügel spezialisiert haben.


Ihre Sinne sind scharf, ihre geistigen Fähigkeiten wohl entwickelt. Sie beurtheilt die Verhältnisse richtig und benimmt sich dementsprechend verschieden, bekundet aber stets Vorsicht und Schlauheit, wird auch, wenn sie Verfolgungen erfährt, bald ungemein scheu. Höchst gesellig, im allgemeinen auch verträglich, mischt sie sich gern unter Verwandte, hält überhaupt mit allen Vögeln Gemeinschaft, welche ihrerseits solche leiden mögen.


Mastenten in konventioneller Haltung leben in ständigem Gedränge ohne Rückzugsmöglichkeiten. Bei Pekingenten sind Besatzdichten von ca. 20 kg Lebendgewicht pro m² gängig, was etwa 6 Enten pro m² entspricht. Somit hat jede Pekingente nur etwas mehr als zwei DIN A4 Seiten Platz. Moschusenten werden bei bis zu 35 kg Lebendgewicht pro m² sogar noch deutlich enger gehalten – da Moschusenten des männlichen Geschlechts kurz vor der Schlachtung etwa doppelt so schwer sind wie die Weibchen, entspricht das etwa 7 Erpeln oder 13 Enten pro m² in der Endmast. Dies bedeutet, dass eine weibliche Moschusente nur etwas mehr als eine A4 Seite Platz bzw. nur halb so viel Fläche wie eine Pekingente zur Verfügung hat. Als Maßnahme gegen Verhaltensstörungen und gegenseitige Verletzungen, die unter anderem als Folge dieser hohen Besatzdichten auftreten, werden Moschusenten regelmäßig die Krallen gekürzt und die Schnabelspitzen amputiert.


Auch die Nähe des Menschen meidet sie nicht immer, siedelt sich vielmehr oft auf Teichen an, welche unter dem Schutze der Bevölkerung stehen, beispielsweise auf solchen in Anlagen oder größeren Gärten, zeigt sich hier bald höchst zutraulich, lässt es sich ebenso gern gefallen, wenn ihrer Gefräßigkeit abseiten des Menschen Vorschub geleistet und sie regelmäßig gefüttert wird, brütet und erzieht ihre Jungen hier und benimmt sich schließlich fast wie ein Hausvogel. Trotzdem bewahrt sie sich eine gewisse Selbständigkeit und wird nicht zur Hausente, sondern übererbt auch ihren Jungen immer den Hang zur Freiheit und Ungebundenheit.


Bewegungsfreiheit

Zu den artgemäßen Fortbewegungsarten von Mastenten zählen: Gehen, Laufen, Rennen, Hüpfen, Flattern, Schwimmen und Tauchen. Die meisten dieser Bewegungen können in der Intensivhaltung nicht ausgeführt werden. Die besonders agilen Moschusenten sind diesbezüglich noch stärker eingeschränkt als die Pekingenten, da sie in deutlich größerer Enge und häufig auch ohne Einstreu auf von Kot verdreckten Rostböden gehalten werden.


Bald nach ihrer Ankunft trennen sich die Gesellschaften in Paare, und diese hängen mit vieler Liebe an einander, obwohl heftige Brunst sie leicht zu Überschreitungen der Grenzen einer geschlossenen Ehe verleitet. Nach erfolgter Begattung, welche fast immer auf dem Wasser vollzogen, durch Entfaltung eigenthümlicher Schwimmkünste eingeleitet und mit vielem Geschreie begleitet wird, wählt sich die Ente einen passenden Platz zur Anlage des Nestes. Zu diesem Zwecke sucht sie eine ruhige, trockene Stelle unter Gebüsch oder anderen Pflanzen auf, nimmt jedoch ebenso Besitz von bereits vorhandenen, auf Bäumen stehenden Raubtierhorsten oder Krähennestern. Trockene Stängel, Blätter und andere Pflanzenstoffe, welche locker über einander gehäuft, in der Mulde ausgerundet, später aber mit Dunen ausgekleidet werden, bilden den einfachen Bau. Das Gelege besteht aus acht bis sechzehn länglichen, hart- und glattschaligen, grauweißen Eiern, welche von denen der Hausente nicht unterschieden werden können.


Nahrungssuche

Unter naturnahen Bedingungen verbringen Enten mehr als die Hälfte eines Tages mit der – überwiegend im Wasser ablaufenden – Nahrungsaufnahme, bei der sie ein vielgestaltiges Nahrungserwerbsverhalten zeigen: Gründeln (Eintauchen des Kopfes und Aufnahme der Nahrung vom Gewässergrund), Seihen (Wasseransaugen und Filtern der enthaltenen Futterteilchen mittels bestimmter Lamellen im Schnabel), Nahrungsaufnahme beim Tauchen und Schwimmen, Picken, Auflecken, Abbeißen, Weiden, Jagen und Aufsammeln von Körnern. Da Enten in Intensivmast keine Tauchgelegenheiten haben und ihnen lediglich strukturarmes Trockenfutter zur Verfügung gestellt wird, ist es den Tieren unmöglich, diese natürlichen Formen der Nahrungsaufnahme auszuleben (Picken ausgenommen). Zusätzlich reduziert sich der Anteil des Nahrungsaufnahmeverhaltens von ca. 60 % auf 5 bis 10 % der Tagesaktivitäten. Insgesamt führt dieser Mangel zu Verhaltensstörungen wie dem Gründeln in der Einstreu, wodurch der Schnabel verschmutzt und die Nasenlöcher verstopft werden. Zudem picken die Moschusenten am Gefieder anderer Enten, was Verletzungen zur Folge hat und sich zum Kannibalismus steigern kann. Als Gegenmaßnahme werden den Vögeln ihre durchbluteten und mit Tastrezeptoren ausgestatteten Schnabelspitzen mit einer zweiseitigen Schere abgeschnitten. Dies verursacht akute sowie chronische Schmerzen und beeinträchtigt die Tiere fortan bei der Nahrungsaufnahme und der Körperpflege. Zusätzlich wird beim Auftreten von Kannibalismus zur Senkung des Aktivitätsniveaus das Licht im Stall soweit reduziert, dass die Tiere faktisch permanent im Dunkeln leben müssen.


Die Dauer der Brutzeit währt vierundzwanzig bis achtundzwanzig Tage. Das Weibchen brütet mit Hingebung, bedeckt beim Weggehen die Eier stets vorsichtig mit Dunen, welche es sich ausrupft, schleicht möglichst gedeckt im Grase davon und nähert sich, zurückkehrend, erst, nachdem es sich von der Gefahrlosigkeit vollkommen überzeugt hat. Die Jungen werden nach dem Ausschlüpfen noch einen Tag lang im Neste erwärmt und sodann dem Wasser zugeführt. Wurden sie in einem hoch angelegten Neste groß, so springen sie, bevor sie ihren ersten Ausgang antreten, einfach von oben herab auf den Boden, ohne durch den Sturz zu leiden.


Körperpflege

Zur Reinigung des Gefieders taucht eine Ente den Kopf bis über die Augen ins Wasser, richtet sich wieder auf und lässt Wasser über den Körper laufen, wobei sie ihre Flügel leicht anhebt und dann Körper und Flügel schüttelt – dieser Ablauf wiederholt sich mehrmals. Aufgrund des fehlenden Zugangs zu Badewasser können Mastenten dieses Putzverhalten nicht ausleben. Dies beeinträchtigt ihr Wohlbefinden und führt zu Verhaltensstörungen wie dem häufigen Ausführen der entsprechenden Bewegungsmuster vor dem Trinkgefäß (im Leerlauf), heftigem Kopfschütteln oder hastigem (teilweise ununterbrochenem) Gefiederputzen. Trotz aller Bemühungen der Tiere ist ihr Federkleid struppig und mit Exkrementen verschmutzt. Die Ställe werden während der gesamten Mastperiode nicht gereinigt – es wird lediglich frische Einstreu über den Kot gestreut.


Ihre erste Jugendzeit verleben sie möglichst versteckt zwischen dicht stehendem Riedgrase, Schilfe und anderen Wasserpflanzen, und erst wenn sie anfangen, ihre Flugwerkzeuge zu proben, zeigen sie sich ab und zu auf freierem Wasser. Ihre Mutter wendet die größte Sorgfalt an, um sie den Blicken der Menschen oder anderer Feinde zu entziehen, sucht nötigenfalls durch Verstellungskünste die Gefahr auf sich selbst zu lenken, tritt auch, wenn sie die Schar von schwächeren Feinden angegriffen sieht, denselben mutig entgegen und schlägt sie häufig in die Flucht. Die Jungen hängen mit warmer Liebe an ihr, beachten jede Warnung, jeden Lockton, verkriechen sich, sobald die Alte ihnen dies befiehlt, zwischen deckenden Pflanzen oder Bodenerhöhungen und verweilen, bis jene wieder zu ihnen zurückkehrt, in der einmal angenommenen Lage, ohne sich zu regen, sind aber im Nu wieder auf den Beinen und beisammen, wenn die Mutter erscheint. Ihr Wachstum fördert ungemein rasch; nach etwa sechs Wochen fliegen sie bereits.


Ruheverhalten

Unter natürlichen Bedingungen ruhen die Vögel meist im Wasser stehend auf einem Bein, auf dem Wasser treibend oder liegend auf weichem Untergrund an Land. In der konventionellen Mast hingegen wird einigen Moschusenten nicht einmal letzteres ermöglicht, da sie keine Einstreu zur Verfügung haben. Aufgrund der hohen Besatzdichten kommt es bei den Tieren zudem zu ständigen Ruhestörungen durch Lärm oder Gedränge.


Alle Sorge und Angst der Mutter lässt den Vater unbekümmert. Sobald die Ente zu brüten beginnt, verlässt er sie, sucht unter Umständen noch ein Liebesverhältnis mit anderen Entenweibchen anzuknüpfen und vereinigt sich, wenn ihm dies nicht mehr gelingen will, mit seinesgleichen zu Gesellschaften, welche sich nunmehr ungezwungen auf verschiedenen Gewässern umher treiben. Noch ehe die Jungen dem Eie entschlüpft sind, beginnt bereits die Mauser, welche sein Prachtkleid ins unscheinbare Sommerkleid verwandelt. Letzteres wird kaum vier Monate getragen und geht dann durch Mauser und Verfärbung ins Hochzeitkleid über. Um diese Zeit tritt auch die Mauser bei den Jungen ein, und nunmehr vereinigen sich beide Geschlechter und alt und jung wieder, um fortan gesellig den Herbst zu verbringen und später der Winterherberge zuzuwandern.


Sozialverhalten

Nur in überschaubaren Gruppen fühlen sich Enten wohl und können ein artgemäßes Sozialverhalten zeigen. Darüber hinaus spielen sich einige grundlegende soziale Begegnungsformen normalerweise auf dem Wasser ab. Die viel zu hohen Gruppengrößen, fehlenden Rückzugsmöglichkeiten und Umweltreize in der konventionellen Mast machen es den Enten unmöglich, sich arttypisch zu verhalten, und führen bei den Tieren zu Scheu und (schon bei geringen Störungen) zu panikartigem Fluchtverhalten, was dazu führen kann, dass sich die Artgenossen gegenseitig verletzen oder sogar totdrücken. Bei den gängigen hohen Besatzdichten kann es passieren, dass die Tiere übereinander steigen und ihren Artgenossen Kratzverletzungen im Rückenbereich zufügen. Um das Verletzungsrisiko bei der Entenmast minimal zu halten, werden den Vögeln routinemäßig die Krallen an den Füßen beschnitten, wobei es regelmäßig zu versehentlichen Amputation der mittleren Zehengliedern kommt, da zur Arbeitsersparnis alle Krallen mit nur einem Schnitt gekürzt werden.


Manche alte Stockente fällt dem Fuchse oder dem Fischotter, manche junge dem Iltis und bezüglich dem Nerz zur Beute; die Eier und zarten Jungen werden von Wasserratten weggeschleppt oder durch Rohrweihe und Milane gefährdet; als die schlimmsten Feinde aber müssen wohl die großen Edelfalken gelten, welche sich zeitweilig fast nur von Enten ernähren. Angesichts eines solchen Gegners suchen sich letztere so viel als möglich durch Tauchen zu retten, ziehen auch wohl den Räuber, welcher sie ergriff, gelegentlich mit in die Tiefe hinab und ermatten ihn dadurch so, dass er die Jagd aufgeben muss. Habicht und Adler, insbesondere Seeadler, betreiben die Entenjagd nicht minder eifrig und meist mit Glück, obgleich die Enten auch gegen sie Mittel zur Abwehr anwenden.

Seyffertitz beobachtete einst innerhalb weniger Stunden die verschiedenen Verteidigungsarten der Enten gegen Raubvögel. Als diese einen langsam herbei fliegenden Seeadler gewahrten, erhoben sie sich in die Luft und strichen über dem Wasser hin und her, weil sie wohl wussten, dass er nicht im Stande sei, sie im Fluge zu fangen. Nachdem er die Jagd aufgegeben, fielen sie wieder ein und suchten ihre Nahrung wie vorher. Da zeigte sich ein Wanderfalk; jetzt aber flogen sie nicht auf, sondern tauchten unablässig, bis auch dieser Feind das vergebliche seiner Bemühungen einsah. Später erschien nun ein Habicht, welcher im Fliegen wie im Sitzen gleich geschickt zu fangen weiß. Die Enten zogen sich sofort eng zusammen, warfen mit den Flügeln beständig Wasser in die Höhe und bildeten so einen undurchsichtigen Staubregen; der Habicht durchflog diesen Regen, wurde aber doch so verwirrt, dass er ebenfalls von seiner Jagd ablassen musste.


Körperliche Leiden und Schäden

Die in der konventionellen Mast verwendeten Entenrassen wurden gezielt so gezüchtet, dass sie in kürzester Zeit möglichst viel Fleisch ansetzen. Die Knochen und inneren Organe der Tiere können bei dem unnatürlichen Fleischwachstum jedoch nicht mithalten. Aufgrund dieser Überzüchtung und den artwidrigen Haltungsbedingungen leiden Mastenten häufig unter schwerwiegenden Erkrankungen und Verletzungen wie z. B.:

  • Beinverletzungen und schmerzhafte Wucherungen an Zehen und Ballen (verursacht durch die Haltung auf Gitterböden)
  • Störung der Skelettreifung
  • Brustblasen (Ansammlungen von Lymphflüssigkeit in einem Hautsack)
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Gestörte Knochenentwicklung der Beine (Beinschwächesyndrom)
  • Atemprobleme (durch von Kot verklebte Nasenlöcher)

Etliche Tiere verenden bereits vor dem Schlachttermin. Besonders schlimm trifft es diejenigen, die es nicht mehr schaffen, die Tränke zu erreichen – sie müssen langsam verdursten.


Das Wildpret der Stockente ist so vorzüglich, dass man ihre Jagd allerorten eifrig betreibt. Alle üblichen oder erdenklichen Jagd- und Fangarten werden angewendet, um sich ihrer zu bemächtigen, sie auch zu vielen tausenden erbeutet. Die Märkte aller Städte Italiens, Griechenlands und Spaniens oder Ägyptens sind während des Winters mit Enten insgemein und insbesondere auch mit Stockenten geradezu überfüllt.


Schlachtung

In Deutschland werden jedes Jahr über 25,5 Millionen Enten zum Verzehr getötet. Abtransportiert zum Schlachter werden die Tiere sobald sie das gewünschte Gewicht erreicht haben – zu diesem Zeitpunkt haben die Vögel noch nicht einmal die Geschlechtsreife erlangt. In der Schlachterei werden die Enten hastig aus den Transportboxen gezerrt und mit den Füßen in eine Förderkette gehängt, die sie durch alle weiteren Schlachtstationen transportiert. Bis es zur Betäubung kommt, vergehen bis zu zwei Minuten, in denen die Tiere mit dem Kopf nach unten hängen, während die hohe Zuglast ihrer schweren Körper zu schmerzhaftem Druck insbesondere an den Stellen der Beine führt, an denen die Enten in die Förderkette eingehängt sind. Die Betäubung der Tiere erfolgt, indem ihre Köpfe in ein Elektrowasserbad getaucht werden. Bei dieser voll automatischen Methode kommt es häufig zu Fehlbetäubungen, da die Vögel über das Hochziehen des Kopfes versuchen, dem Eintauchen ins Wasserbecken zu entgehen. Die unzureichend betäubten Tiere erleben bei vollem Bewusstsein, wie ihnen der Hals aufgeschnitten wird.


Wirklich nennenswerten Schaden verursachen auch die Stockenten nicht. Sie fressen allerdings Fische, sind jedoch nur im Stande, kleine hinab zu schlingen und diese bloß in seichten Gewässern zu fangen, so dass dieser Nahrungsverbrauch eben nicht ins Gewicht fällt und durch den Nutzen aufgehoben werden dürfte.

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