Grausige Ereignisse bei der Wildtierbeobachtungsstation am Molkenhaus. Bericht eines Wildtierfotografen Oktober 2012

30.11.2012

Vorgeschichte: Ein Fotograf hatte sich in seiner Not an unseren Verein “Nationalpark Harz e.V.“ gewendet und bat um Unterstützung. Wir haben ihn um einen detaillierten Bericht seines Erlebnisses gebeten. Zum Verständnis muss man hinzufügen, dass das Ziel bei einem Nationalpark der sogenannte „Prozessschutz“ ist, d.h. es wird angestrebt, die Natur, soweit es geht, sich selbst zu überlassen. Das Bejagen von Rotwild müsste demnach zumindest rückläufig sein und es müsste einen anvisierten Termin geben, an dem keine Jagd mehr stattfindet. Beides ist leider nicht erkennbar, da es hier offenbar eine Jägerlobby gibt, die dies unter allen Umständen verhindern möchte.(Blöhbaum)

Foto: R. Hoffer

 

Nun aber zum angekündigten Bericht des Fotografen:

„Vor einigen Wochen haben wir uns schon einmal am Telefon darüber unterhalten, was ich am 11. Oktober dort erlebt habe. Sie haben mich gebeten Ihnen dieses Erlebnis per E-Mail mitzuteilen.

Am Telefon habe ich Ihnen schon gesagt, dass es aber einige Zeit dauern würde, weil ich meinen Urlaub in Mecklenburg/Vorpommern verbracht habe. Ich war dort zur Damhirsch Brunft und ich kann nur sagen, es war ein Traum. Jeden Tag Hirsche gesehen und auch fotografiert. Leider muss man auch hier zur Damhirsch Brunft wegfahren, weil aus lauter Dummheit auch in unserem Oderwald die Hirsche weggeschossen werden.

Erlebnis auf der Beobachtungsstation:

Am Donnerstag den 11. Oktober saß ich, wie so oft schon in diesem Jahr, auf der Wildtierbeobachtungsstation in der Nähe des Restaurants Molkenhaus. Um ca. 17:05 fielen aus Richtung Molkenhaus die ersten Schüsse, und dann ging es richtig los. Es ging so schnell und so heftig, so dass ich die Schüsse nicht zählen konnte. Anschließend hörte ich nur noch einzelne Schüsse, mit denen man wohl die angeschossenen Tiere erlöst hat. Es ist unglaublich, dass erst das Wild angefüttert wird, um es dann abzuschlachten.

Das war mein Erlebnis, auf das ich gerne verzichtet hätte. Vor einigen Jahren habe ich mich mit dem zuständigen Förster (er hat sich mir so vorgestellt) unterhalten, und der Förster sagte mir, dass man mehrmals im Jahr alle Hochsitze besetzt und alle Hirsche bis drei Jahre geschossen werden, egal ob gut,- oder schlechtveranlagt weil der Bär und Wolf auch nicht danach fragt. Und so ganz nebenbei erwähnte er auch noch: das Kahlwild sowieso.

Am 28.10.2012 wollte ich wieder auf die Station, habe in Bad Harzburg nachgesehen ob eine Mitteilung an dem Hinweisschild steht, ob geschlossen ist oder nicht, aber es stand dort nur die Öffnungszeit 01. Mai bis 01. November. Ich bin aufgestiegen und oben erlebte ich wieder eine Überraschung, man hatte schon am 22. Oktober die Station geschlossen. Am nächsten Tag rief ich in dem Büro der Nationalparkverwaltung in Bad Harzburg an und habe mich beschwert, weil man erst dort oben informiert wird und man wieder runtergehen darf. Man sagte mir, es geht sowieso keiner auf die Station und deshalb habe man sie auch früher geschlossen. Daraufhin habe ich einen Brief an den Leiter des Nationalparks geschrieben, dass man doch schon vor dem Aufstieg informiert wird. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass ich nur eine lapidare Antwort erhalten werde. Im Grunde genommen ist es mir auch egal, weil ich nicht mehr dorthin gehe. Ich habe mich schon zur Rothirschbrunft 2013 in Mecklenburg/Vorpommern angemeldet.

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