Green Horizons beim Internationalen Filmfest Braunschweig

Die im vorigen Jahr erstmals beim Internationalen Filmfest Braunschweig installierte Reihe „Green Horizons“, die sich filmisch der Ökologie und der Nachhaltigkeit widmet, war erfolgreich. So erfolgreich, dass auch 2016 bei der 30. Auflage des traditionsreichen Festivals eine Neuauflage aufgelegt wird. Wie im Vorjahr folgt die Filmauswahl keinem speziellen Oberthema, sondern versammelt fünf Langfilme und ein Kurzfilmprogramm, die während des Festivals, vom 7. bis zum 13. November, im Roten Saal und im Kino Universum 2 laufen werden.

Angesichts fortschreitenden Klimawandels, weiter wachsender Meeres- und Umweltverschmutzung und auch einer zunehmenden Weltbevölkerung braucht die Welt eine neue, große Transformation: Von der derzeitigen Wettbewerbs- und Wachstumsgesellschaft hin zu einer Gleichgewichtsgesellschaft, ressourcenschonend, ökologisch und ökonomisch nachhaltig. Außerdem angepasst und widerstandsfähig gegen die Folgen des Klimawandels. Es geht um die Schaffung einer Ordnung, die den Dingen ihren Wert lässt, ohne ihnen einen Preis zu geben. Dies sind Themen, die auch Filmschaffenden viele Möglichkeiten bieten, sinnvolle Projekte zu verwirklichen, ohne dabei immer nur die Probleme beleuchten oder gar Dystopien schaffen zu müssen. Die Filme der diesjährigen Reihe Green Horizons lassen sich durchaus unter dem Oberthema dieser Ausgabe der Umweltzeitung zusammenfassen.
Sie begeben sich auf die Suche nach den Nischen, in denen heute bereits die Keime dieser neuen Ordnung gedeihen. Es geht um neue und alte, aber auch andere Wege in Landwirtschaft, Ernährung, Bekleidung oder auch um einen anderen Sinn des Lebens.

Fünf Langfilme haben die Kuratoren für diese Reihe ausgewählt. Es handelt sich um vier Dokumentationen und einen brandneuen Spielfilm. Ein Kurzfilmprogramm ergänzt die Auswahl. Die Langfilme sind:

„Banking Nature“ von Denis Delestrac und Sandrine Feydel (Frankreich 2014, 90 min.) geht der Frage nach, ob eine preisliche Bewertung von Umweltschäden diese verhindern oder gar umkehren kann. Lässt sich die Umwelt schonen, indem heute nicht bewertete Naturgüter einen Preis bekommen? Oder werden unersetzliche Naturgüter so zum Spekulationsobjekt für Investoren?

„Bugs“ von Andreas Johnson (Dänemark 2016, 85 Min.) widmet sich der Ernährung. Können Insekten künftig eine Hauptnahrungsquelle für die wachsende Menschheit bilden? Und wenn ja, welche kommen in Frage? Der Film geht dieser Idee nach und zeigt auch, welche große Rolle Insekten schon heute als Proteinquelle spielen.

„Out of Fashion“ von Jaak Kilmi und Lennart Laberenz (Estland 2015, 58 Min.) knüpft nahtlos an die letztjährige Ausgabe der Reihe an. Eine estnische Modedesignerin untersucht die Ökobilanz der Stoffe, aus denen unsere Kleidung besteht und beschließt, ihre neuen Linien aus upgecycelten Textilresten (Abfall, Müll) zu erzeugen.

„A Quest for Meaning“ von Nathanaël Coste (Frankreich 2015, 89 min.) schickt einen erfolgreichen Werbedesigner aus seiner New Yorker Wohlstandsblase hinaus in die wirkliche Welt und auf die Suche nach Sinn. Er reist zu denen, die Veränderung fordern und leben: Vadana Shiva, Noam Chomsky, Ahmed Khumar und andere erklären ihm ihre Ideen.

„Die letzte Sau“ von Aaron Lehmann (Deutschland 2016, 86 Min.) schließlich ist der einzige Spielfilm der Reihe. Bauer Huber geht pleite und seine Birgit verlässt das Dorf zum neu gekauften Betrieb des Vaters! Huber nimmt sein Töff und seine letzte Sau, zieht durchs Land und zettelt unverhofft eine Revolution an. Der Film widmet sich mit einer gehörigen Portion (schwarzen) Humors dem Bauernsterben und gibt so auch der Kritik an der heutigen Landwirtschaft(spolitik) viel Raum.

Die Themen der Kurzfilme sind breit gefächert. Der Bogen spannt sich von einer Fortschrittssatire („Subotika – Land der Wunder“) über blauen Bienenhonig („Miel bleu“) bis hin zu Kindern, die sich ihren Schulbesuch buchstäblich im Müll erarbeiten müssen („Learning Alliance“). Ein Besuch der Reihe – wie auch des Filmfestes – lohnt sich.

Infos zu den Terminen, den Kartenpreisen etc. finden sich im Netz unter
www.filmfest-braunschweig.de/programm/kalender/.
Stefan Vockrodt



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