Für Manni

Manfred Kemper ist wenige Tage vor seinem 76. Geburtstag gestorben. Man fand ihn tot in seiner Wohnung.

Manni, wie ihn alle nannten, war stadtbekannt. Oft saß er auf den Steinbänken am Burgplatz, immer für ein Schwätzchen bereit. Er fiel auf: Vollbart, ein großer Kerl, fast immer mit seinem gedrechselten Gehstock, seinem Wägelchen, voll mit „Propaganda-Material“: Plakate für den Frieden und mindestens eines der Plakate baumelte am Faden vor der Brust: Oft „Für den Frieden!“ Immer „Gegen den Krieg!“, egal wo auf der Welt. Im Friedenszentrum war er ständiger Gast und Aktivist.

Schon immer war er der Mahner, für den Frieden, gegen den Krieg. In seiner Diplomarbeit an der Fachhochschule für Gestaltung in Bielefeld, Mitte der Siebziger Jahre, entwarf er eine Plakatserie, für das vom Pinochet-Faschismus befreite Chile. Mit Auszeichnung bekam er sein Grafikdesign-Diplom von seinen Professoren, Jörg Boström und Roland Günter, für diese Serie ausgestellt.

Mit Prof. Günter hatte er in den Jahren zuvor an dem bundesweit bekannten Projekt: „Siedlung Eisenheim“ gearbeitet. Als Mitglied einer Studentengruppe wollte er Anfang der 1970er Jahre die älteste Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet vor ihrem Abriss dokumentieren. Manni war dabei, wie der Protest der Bewohner gegen den Abriss der Siedlung Eisenheim in Oberhausen in organisatorische Bahnen gelenkt wurde. Analog zu den damals entstehenden Bürgerinitiativen, wählten sie die Bezeichnung Arbeiterinitiativen. Im Ruhrgebiet entstanden in der Folge Dutzende solcher Gruppen. Im Zuge dieser Arbeiterinitiativenbewegung konnte ein großer Teil der Arbeitersiedlungen des Ruhrgebietes erhalten werden. Manni fing damals an zu fotografieren.

Nach seinem Diplomstudium in Bielefeld plante er, Kunstpädagogik an der staatlichen Hochschule für Bildende Kunst (SHfBK) in Braunschweig zu studieren. Dort kreuzten sich unsere Wege, und wir blieben gute Freunde bis heute.

Manni beteiligte sich immer wieder an Projekten der Studentenschaft. So war er auch dabei, als der Braunschweiger Löwe auf dem Burgplatz mit einer Riesenleinwand verhängt wurde: „Rettet die Kunsthochschule“ war das Motto dieser Aktion.

Bald konnte keine Demonstration beginnen, bevor Manni das Fronttransparent fertig gemalt hatte. Oft war die Farbe noch feucht auf dem Tuch, er arbeitet gerne in der Nacht, vor der Demo.

Auf seine gestalterischen Plakat- und Transparentfähigkeiten wurden auch die Gewerkschaften aufmerksam, und so unterstützten Mannis Transparente, in den 80er- und 90er Jahren, fast alle gewerkschaftlichen Demos und Kundgebungen in der Region.

Parallel fotografierte er Landschaften, Musiker, und immer wieder begegnete man ihm fotografierend, auf Gedenkveranstaltungen an die Opfer des Faschismus und auf Antifaschistischen Kundgebungen, wenn es gegen die NPD oder die Reps ging, oder bis zuletzt gegen Bragida und die AfD.

In seinen letzten Jahren, er war schon über siebzig und schwer gezeichnet durch seine Krankheit, konzentrierte er sich darauf, seine Plakate für den Frieden und gegen Neonazis, um den Hals gebunden, zu präsentieren, sitzend am Burgplatz.

Nun ist er tot. Einige seiner Arbeiten sind im Treppenhaus des Gewerkschaftshauses zu sehen. Er sitzt nicht mehr im Foyer und begrüßt nicht mehr die Besucher seiner Ausstellung:

„SPIEGELUNGEN-PORTRAIT-SOLIDARITÄT-HALTUNG“, die Bilder bleiben

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