Die schlimmen Folgen einer ungesteuerten Globalisierung

Folgt auf Globalisierung nun Entglobalisierung?

Der Autor Frank Heiniger sieht das Jahr 2007 als den Wendepunkt der Globalisierung - womöglich hin zu einer Entglobalisierung. Die Wachstumsraten der Neunziger- und Nuller-Jahre hätten auf zwei Sonderfaktoren beruht, die sich in dieser Form kaum mehr wiederholen würden: Erstens gelangten nach dem Kollaps des Ostblocks Millionen neuer Konsumenten auf den Weltmarkt. Zweitens ermöglichten erst die Liberalisierung und Öffnung wichtiger Schwellenländer – vor allem Chinas – die internationale Expansion und Fragmentierung der arbeitsteiligen Produktionsketten. „Werden aber Komponenten und Halbfabrikate grenzüberschreitend verschoben, bläht dies zwar die Export-Import-Statistik auf“ – nicht aber des Bruttoinlandsprodukt als Abbildung der Wertschöpfung.

Zudem gebe es strukturell einen Rückzug der Unternehmen auf ihre Heimatmärkte, so z.B. die Reindustrialisierung der USA mit ihren niedrigen Energiepreisen oder die stärkere Ausrichtung Chinas auf seinen Binnenmarkt. Die Treiber dafür sei, dass die Lohndifferenzen zu den Schwellenländern geringer würden, so dass sich der Koordinations- und Transportaufwand einer ausgelagerten Fertigung nicht mehr lohne. Auch werde es immer wichtiger, rasch auf Nachfrageveränderungen im Absatzmarkt zu reagieren. Zudem würden mit fragmentierten und fragilen Fertigungsketten nützliche Rückkopplungseffekte auf Forschung und Entwicklung entfallen.

Mit wachsenden Einkommen würden zudem Dienstleistungen immer mehr an Bedeutung gewinnen– diese seien aber – im Gegensatz zu physischen Gütern – schwieriger handelbar und durch Importschranken behindert bzw. an Direktinvestitionen im Land gebunden. Die Digitalisierung, das Internet, E-Commerce-Plattformen und effizientere Logistik- und Bezahllösungen würden kleinen und mittleren Unternehmen mehr Vorteile bringen als den bisherigen Globalisierungs-Multis. Siehe: https://www.fuw.ch/article/die-entglobalisierung-der-weltwirtschaft/

Andere Ökonomen sehen eine Abnahme der allgemeinen globalen Vernetzung und stattdessen die forcierte Herausbildung regionaler Staatengruppen als jeweilige Welt-„Regional“-Zentren einer „multipolaren Vernetzung“. Hier lag ein wesentlicher Grund für das Bestreben von USA und EU, ein Freihandelsabkommen TTIP zu vereinbaren.

TTIP und der nationale und internationale Widerstand gegen dessen falsche „Freihandels“-Versprechungen markieren jetzt das Ende des Glaubens an blind-ideologische Globalisierungs-Strategien.
Wir brauchen weiter einen qualifizierten EU-Außenschutz für eine nachhaltige, mittelständisch-bäuerliche EU-Landwirtschaft mit artgerechterer Tierhaltung und ohne Überschussproduktion - zu fairen Erzeugerpreisen im EU- Binnenmarkt und mit gesellschaftlicher Akzeptanz. Gesellschaftliche Forderungen und EU-Vorgaben zum Tierschutz oder zur Umwelt lassen sich – realistisch diskutiert und umgesetzt – zu einer dauerhaft wirksamen Strategie von preiserhöhenden Mengenreduzierung in der EU nutzen! Für Klasse statt Masse. Bauern müssen nicht länger „Mengenanpasser“ bleiben, wenn endlich Mengen-Wachstum durch Preis-Wachstum abgelöst wird. Dazu brauchen wir eine selbstbewusste und starke bäuerliche Einmischung und eine von der Agrarindustrie nicht länger dominierte, offene Beteiligung der Bauern an der gesellschaftlichen Debatte – und keine agrarökonomischen Globalisierungs-Ideologien und bauernverbandlichen Wagenburg-Einigelungen im gesellschaftlichen Abseits…       
 

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