Die neue Umweltzeitung ist da!

Wagnis Wildnis! Dahinter ließe sich auch ein Fragezeichen setzen. Also: Wagnis Wildnis? Denn ließen wir unsere vielfältige Kulturlandschaft in Ruhe verwildern, so würden in einigen hundert Jahre große Teile Mitteleuropas wieder von Buchenwäldern bedeckt sein, wie es sie heute nur noch an ganz wenigen Orten gibt – und keiner davon liegt in Deutschland. So schön solche Wälder sind, rund 1 Mio. km² dieser Wälder wären doch etwas – mit Verlaub – langweilig. Oder sogar öde? Letzteres bestimmt nicht, auch wenn die Biodiversität in solchen Wäldern sich doch sehr von der derzeitigen unterscheidet und vielen Naturfreunden und ökologisch denkenden Menschen lieb gewordene Tier- und Pflanzenarten dort keinen Platz fänden.

Spannend hingegen wären die paar hundert Jahre des Übergangs, wenn eben ehemalige Kulturflächen wieder in ihren Wildzustand übergehen – in diesem Fall ist das auch ein Urzustand. Von solchen Flächen gibt es einige, sogar in der Stadt, wie die Autoren des Titelthemas der neuen Umweltzeitung deutlich machen. Tatsächlich gewinnt auch eine Stadt wie Braunschweig, wenn man da und dort der Natur freie Hand lässt, wachsen lässt, was dort gerade wächst ohne zu fragen, ob das Wildkraut ein Neophyt oder Unkraut oder sonst etwas ist, sondern wirklich Wildnis wagt. Mit allem, was dazu gehört. Und nein, Wölfe werden sich dann nicht auf dem Kohlmarkt tummeln …

Wie vielfältig, aber eben auch schwierig der Umgang mit Wildnis ist, zeigen bereits die Irrungen und Wirrungen, die der Begriff schon hervorruft. Denn fast jeder versteht unter „Wildnis“ etwas anderes, nicht unbedingt falsches. Darum geht es in diesem Heft auch um den Umgang mit naturnahe belassenen Flächen und Gegenden, um das Lernen mit und in Natur.

Der Hintergrund ist diesmal etwas weniger umfangreich als sonst. Dafür aber mindestens so gehaltvoll – es geht um die Passagen, Galerien, Arkaden und Kolonnaden, die auch Braunschweig zierten und zieren. Aktueller Anlass ist die Neuplanung der Burgpassage, die aus diesem innerstädtischem Schmuckstück eine dunkle Gasse mit überteuertem Wohnraum machen soll.

 

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