Sackgassen

Gedanken im Februar

Jahrhunderte lang bemühten sich einige der hellsten Köpfe des christlichen Abendlandes, die Existenz Gottes mittels logischer Operationen zu beweisen. Doch kaum schien ihnen das gelungen, wurden ihre kunstvollen Geisteskonstrukte von fundierten Gegenargumenten zerlegt. Die Existenz Gottes blieb bis zum heutigen Tage unbewiesen. Die menschlichen Verstandeskräfte sind einer solchen Aufgabe offenbar nicht gewachsen.

Ein wenig erinnert das an die Bemühungen von uns Heutigen, der Erde auf Dauer mehr abzuringen, als diese bereitstellen kann. Da wurden scheinbar endlose Wälder gerodet, bis eines Tages klar war: Stopp, wir bringen uns um. Was für ein Glück, dass es die Kohle gab. Doch kaum ein Wimpernschlag nach Beginn ihrer Nutzung verdunkelte sich der Himmel und auch das fossile Zeitalter endete in einer Sackgasse.

Die erhoffte Rettung: Kern-, Wind- und Solarenergie. Atomkraftwerke schießen weltweit wie Pilze aus dem Boden. Doch wohin mit dem Müll? Auf diese Frage hat bis heute niemand eine Antwort. Die Menschheit hofft auf ein Wunder. Selten war sie so wundergläubig wie heute.

Dann also Windkraft. Die Liste ihrer Vorzüge ist eindrucksvoll. Ihre Nachteile aufzuzeigen, fällt jedoch vielen nicht schwer: zu lange Übertragungsstrecken, unzuverlässig, Zerstörung der ländlichen Räume, Verunstaltung der Landschaft. Ähnlich ambivalent verhält es sich mit der Solarenergie. Sie mag die Energiequelle der Zukunft sein, wann aber beginnt die Zukunft?

Und so geht es weiter. Kunststoffe. Die Lösung für zahlreiche Probleme, zugleich aber auch Ursache schwerster Schäden. Oder die Landwirtschaft. Sie nährt und ist verantwortlich für massenhaftes Sterben und weiträumige Verödung. Oder der Verkehr. Noch nie in der Menschheitsgeschichte  war es so einfach, bequem und billig, von A nach B zu gelangen. Der Preis? Noch nie hat Mobilität so zerstörerisch gewirkt wie jetzt.

Den Menschen will es einfach nicht gelingen, den Saldo ihrer Aktivitäten ins Positive zu wenden. Gewiss – trotz aller Mängel – wurden noch nie so viele Menschen so auskömmlich versorgt, waren Bildungsgrad und Lebenserwartung so hoch. Doch unsere intellektuellen und praktischen Fähigkeiten haben zu keiner Zeit ausgereicht, diese Segnungen mit der Tragfähigkeit der Erde in Einklang zu bringen. Jeder Schritt nach vorn geht einher mit einem Schritt zurück. Gewinn und Verlust halten sich bestenfalls die Waage.

Einige der hellsten Köpfe der Vergangenheit glaubten immer wieder, die endgültige Antwort auf eine sie bedrängende Frage gefunden zu haben. Sie irrten. Irren vielleicht auch wir, wenn wir glauben, Menschheitsträume allein dank unserer Geisteskräfte erfüllen zu können? Es mag ja sein, dass dies dem Menschengeschlecht eines fernen Tages gelingt. Doch bis dahin wird der Fortschrittspfad von Trümmern gesäumt sein. Fortschritt im Rahmen irdischer Tragfähigkeit. Wenn das gelingt, gelingt vielleicht auch der Gottesbeweis.

Stiftung kulturelle Erneuerung
 

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