Alles wird noch besser - auch hinter den Fassaden?

Die Mieten in den guten Lagen der Innenstadt seien viel zu hoch, wurde uns einmal erzählt. Die könnten sich einheimische Händler nicht leisten. Wenn man ein ECE über dem Schlosspark bauen würde, würde sich das ändern - ganz klar: die Konkurrenz müsse dazu führen, dass die Mieten sinken. Dann könnten auch lokale Fachgeschäfte wieder vermehrt in die Innenstädte einziehen ...

Und nun das: Die Mieten seien in der Innenstadt noch einmal gestiegen, berichtet Ernst Johann Zauner in der Braunschweiger Zeitung vom heutigen Tage.

Die Sache ist etwas komplizierter. Hohe Mieten werden nur in den so genannten A-Lagen, den von Kunden meist frequentierten, best besuchten Lagen bezahlt. Diese Lagen sind jedoch begrenzt und nicht beliebig erweiterbar. Mit der Ansiedlung eines großen Einkaufszentren verlagern sich solche Flächen regelmäßig in die Center und werden sich entsprechend in der Innenstadt verringern. Das wiederum führt zu einem verstärkten Konkurrenzkampf der solventesten Mieter um diese vermeintlich verbleibenden Bestlagen in der Innenstadt: die Mieten steigen. Die solventen Mieter ziehen dann wiederum durchaus auch die meisten Kunden an, so dass sich ein weiterer Konzentrations- und Ausdifferenzierungsprozess von "Lagequalitäten" in der Innenstadt entwickelt.

Monika Popp (Innenstadtnahe Einkaufszentren) beschreibt diesen Entwicklungsprozess: wenige verbleibende gute Lagen können auch noch besser werden, viele nicht ganz so gute Lagen rutschen ab. Schlechtere Lagen können quasi unvermietbar werden. Popp:
Die Verlierer der Einkaufszentrenansiedlung sind schließlich vor allem die Nebenlagen der Hauptgeschäftsbereiche.
Und manche direkte Nachbarn des Einkaufszentrums mögen sich falsche Hoffnungen machen, Popp weiter:
Dies trifft nicht nur auf Bereiche in großer Entfernung zum Einkaufszentrum zu, wie oft behauptet wird. Vielmehr deuten die Ergebnisse aus den Untersuchnungsstädten darauf hin, dass die Fokussierung der Koppler auf die Hauptgeschäftsstraße dazu führt, dass auch Nebenlagen in unmittelbarer Nähe zum Einkaufszentrum kaum frequentiert werden.

Rolf Junker hat die Kehrseite des Konzentrationsprozesses, das sogenannte "Trading-Down", die Abwärtsspirale, in die viele weniger gute Lagen hineingeraten, einmal grafisch beschrieben. Die letzten beißen die Hunde ....

Fürsorgepflicht und Gewinnmaximierung schließen sich gegenseitig aus

Ein "Plädoyer fü einen umsichtigen Umgang mit hoheitlichen Aufgaben"

gibt der Richter am Bundesverfassungsgericht, Siegfried Broß. denn:

Gemessene und doch klare Worte eines Bundesverfassungsrichters, die es sich nachzulesen lohnt. Ausführlicher noch führt er seine Gedanken und Thesen aus im Aufsatz:

"Privatisierung öffentlicher Aufgaben - Gefahren für die Steuerungsfähigkeit von Staaten und für das Gemeinwohl?"

Darin meint er: Der Staat muss vor weiteren Schritten in Richtung einer Privatisierung von Bereichen, sei es der Daseinsvorsorge, sei es der Gefahrenabwehr, an seine Verantwortung erinnert werden, die ihm aus dem Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1 GG als einer besonderen Ausprägung der Menschwüde des Art. 1 Abs. 1 GG erwächst.

Selenz' Kommentar - Der Fall Dr. Gerhard Cromme oder: "Leiche schluckt Topathleten"

"Die Krupp-Stiftung erhöht ihre Beteiligung an der ThyssenKrupp AG auf über 25 Prozent." Die Meldung ging vor der Hauptversammlung der ThyssenKrupp AG durch die Presse. Sie markiert den vorläufigen Höhepunkt eines der größten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte. (siehe Schwarzbuch VW, S. 68 ff.). Dr. Gerhard Cromme wendet sich im Brustton der überzeugung gegen Stimmen, welche sich gegen die Dominanz der Krupp-Stiftung im Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG wenden. Wer weiß schließlich im Jahre 2007 noch, wie jene Krupp-Stiftung überhaupt gerettet wurde, die noch Ende der 90-er Jahre pleite war?

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Gegendarstellung: BZ - verkürzt, verfälscht und ohne Quellenangabe

Gegendarstellung betr.:
Artikel in der Braunschweiger Zeitung vom 27. Januar 2007:
"Seniorenrat äußert sich empört", sowie
Artikel in der Braunschweiger Zeitung vom 01. Februar 2007:
"FDP-Chef: Bibs soll sich von Witte distanzieren"

Es lag nicht in meiner Absicht, mit meinem Artikel "Wenn Schlossfreunde träumen" vom 18.01.2007 auf "www.unser-braunschweig.de" irgendeine Generation zu beleidigen. Schändlich finde ich, wenn man Sehnsüchte alter Menschen missbraucht. Das wurde in Braunschweig gemacht. Es wurden unerfüllbare Hoffnungen auf die Rekonstruktion eines wahren Schlosses geweckt, um ein Einkaufszentrum schönzureden, aus dem nie das historische Ottmer-Schloss werden kann.

Darauf machte ich - ironisch distanziert - mit dem beanstandeten Satz aufmerksam, der in der Braunschweiger Zeitung verkürzt, verfälscht und ohne Quellenangabe wiedergegeben wurde.

Matthias Witte


P.S. Administrator
Die Artikel der Braunschweiger Zeitung sind nicht namentlich unterzeichnet und nicht ins Netz gestellt. Der erste Artikel wurde hier schon einmal kommentiert. ("Empörung" - oder die Verschiebung von Anführungszeichen in der BZ)

Treffen zum Projekt "Braunschweig Kaffee" am 6. Februar 2007

unser nächstes Treffen zum Braunschweig Kaffee ist am

 

Di., 6.02.2007 im Stadtjugenddienst, Goslarsche Str. 31 (neben St. Jacobi), 19.00 Uhr


über neue MitstreiterInnen für das Projekt Braunschweig Kaffee würden wir uns sehr freuen. Alle Interessierten sind herzlichst eingeladen.

Die erste Informationsmappe mit Infomationen rund um den Braunschweig Kaffee und Infos für SponsorInnen und UnterstützerInnen kann unter www.braunschweig-kaffee.de/pdf/info-komplett.pdf heruntergeladen werden (Achtung: 6,8 MB groß).

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"Bürgerinitiative"

„Welcher Teufel hat die BIBS geritten?“, wird sich mancher gefragt haben, der noch halb verschlafen den Lokalteil der Braunschweiger Zeitung las, dem dann aber rasch klar wurde, dass nicht Rosenbaums bunte Truppe hinter der Idee stand, 220.000 € für die Transaktion der beiden Feudalherren zu sammeln (Hat nicht einer von denen die Landeskinder nach Amerika verkauft?).

Der Stolper-Effekt beim Lesen war beabsichtigt: Die Braunschweiger sollen lernen, dass der Terminus „Bürgerinitiative“ nicht allein dem "Alt-Maoisten"-Gesocks zusteht, sondern auch ganz feinen Herrschaften. Ein Begriff wird anders „besetzt“. Das klingt quasi militärisch und dürfte das Ergebnis einer ausgeklügelten Strategie sein. Dass dem so ist, macht der erste Satz deutlich: Nach den stets verneinenden Geistern in BIBS, BöE, bei den Schlossparkfreunden, Feinstaub- und Startbahngegnern kommt jetzt endlich eine Truppe, die etwas Positives will. Das kommt immer gut an. Dass es solche und solche Initiativen gibt, zeigt der Blick auf Atomkraft- oder Transrapid-Befürworter. Auch wer gegen einen Kinderspielplatz oder ein Heim für Behinderte ist, gründet gern eine Initiative und verleiht damit seinem Ansinnen einen zutiefst demokratischen Anstrich.

Die Transport-Initiative erfüllt einen Mehrfach-Zweck: Sie macht der BIBS Konkurrenz („Auch wir sind eine BI!“), und sie ermuntert die (wohlhabenden, traditionsbewussten) Bürger zu Spenden. Dergleichen hört die Kulturverwaltung gerne und gibt von oben ihren Segen. Oder soll es gar noch mehr sein? Der Ausdruck „förderungswürdiges Projekt“ deutet in diese Richtung.

18.01.07

Reinhard Koch sprach am 17.1. 2007 über die neuen Strategien der Rechten:
Der 18. Juni 2005 wirft noch immer seinen Schatten über Braunschweig. Zur politischen Aufarbeitung und zur Verhinderung künftiger Aufmärsche dieser Art hat sich „Buntes Braunschweig“ zusammengefunden, eine Gruppierung, bestehend aus den Vertretern der unterschiedlichsten politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen. Zusammen mit dem Friedensbündnis und der Schülervertretung der IGS II lud sie am 17. 1. zu einem Vortrag von Reinhard Koch, dem Leiter der Braunschweiger Arbeitsstelle gegen Rechtsextremismus und Gewalt (ARUG), ein. Dass dies ungestört im demokratischen Raum der IGS stattfinden konnte, sei heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr, betonte Koch. Die Neo-Nazis drängten sich zu einschlägigen Veranstaltungen; sie verlangten, dass man mit ihnen rede und nicht über sie.

Er verwies auf eine grundlegend veränderte Strategie der NPD und nannte unter deren führenden Vertretern den Namen des ehemaligen Braunschweiger Waldorf-Lehrers Andreas Molau. Zur „Modernisierung“ gehöre ein zeitgemäßes Outfit. Während die Jugendlichen professionell vertriebene T-Shirts mit einschlägigem, aber oft nur für den Experten kenntlichen Aufdruck tragen, ist die Generation der Erwachsenen um durch und durch solides Auftreten bemüht. Dem entspricht eine neue Arbeitsteilung: Der Kampf um die Köpfe einerseits, der Kampf um die Straße andererseits.

Weiterlesen: 18.01.07

Selenz' Kommentar - VW: "Heim ins Reich der Familie ..."

„Piech holt VW heim ins Reich der Familie seines Grossvaters.“ Der Unternehmensberater Prof. Peter May sieht die übernahme von VW durch Porsche-Eigner Piech nicht als wirtschaftliche Entscheidung. Hauptgrund sei die „Gefühlslage von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech“. So zu lesen im Handelsblatt am 27. Dezember 2006. Mays Bonner Firma Intes berät Familienunternehmen. Ob May bei seinem kecken Spruch bedachte, wie tief der Piech/Porsche-Clan in braunen Gefilden wurzelt? Ferdinand Piech legt Wert darauf, „Gastarbeiter“ in Deutschland zu sein. Er befindet sich zudem ständig im Krieg. „So ein Krieg kostet beide Seiten viel Geld. Es ist besser, sich zu einigen.“ So zitiert die Braunschweiger Zeitung am 21. Januar 2006 den Chef des VW-Aufsichtsrates. Österreichische „Gastarbeiter“ und deren „Heim ins Reich“-Pläne haben Tradition. Schon Großvater Ferdinand Porsche diente sich dem Führer an. Vater Anton Piech setzte die Familientradition fort. Er betrieb in den letzten Kriegsjahren das KdF-Werk in der norddeutschen Rübensteppe. Mit billigen KZ-Sklaven. Sohn Ferdinand führt mit seiner „Heim ins Reich der Familie“-Strategie nun die trübe Historie des Piech/Porsche-Clans gleichsam zum Endsieg.

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"Kann Berlin von Braunschweig lernen? ... höchstens ein abschreckendes Beispiel."

... so schließt ein sehr kundiger Artikel: Neue Lust auf alte Fassaden von Michael Zajonz im heutigen Berliner Tagesspiegel vom 13. Januar 2007. Mit diesem Fazit gibt Zajonz vorab zugleich eine eigene Antwort auf die Titelfrage eines Vortrages

von Wilhelm von Boddien,
Der Wiederaufbau des Braunschweiger Schlosses - ein Vorbild für Berlin und Potsdam?
den dieser am
Dienstag, den 16. Januar, um 19.00 Uhr
im Forum des Braunschweiger Landesmuseums

halten wird. Wilhelm von Boddien ist wohl nicht nur über finanzielle Transaktionen eng verbandelt mit dem Architekturbüro Rupert und York Stuhlemmer, das sich in Braunschweig um die Realisierung eines Projektes mit Primierecharakter bemüht: um eine freie Rekonstruktion von Innenräumen des Braunschweiger Ottmer-Schlosses, die sich mangels originaler Pläne und passender Räumlichkeiten in der Nachempfindung einer Schlossanmutung in Nebenräumen des Kaufhauskompexes erschöpft. Zur Verbindung Stuhlemmer / von Boddien siehe auch die Links am Ende des hier zuvor eingestellten Verweises auf einige
Denk- und Merkwürdigkeiten des superlativen Braunschweiger "Rekonstruktions"-projektes.

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