Stimmen der UNvernunft – Josef Joffe und 5 weitere ZEIT-Redakteure ( VII )

„Deutschland lobt die Attacke auf Syrien, macht aber nicht mit.

Erst kam die Selbstfesselung, dann die Heuchelei“

( Josef Joffe, DIE ZEIT, 19. April 2018 )

 Vom „Mitmachen“ ist viel die Rede in gleich zwei Grundsatzartikeln derselben Ausgabe.

Mitmachen wobei? Zum Beispiel bei Militärschlägen gegen Syrien, die als „exakt ausgeführte Angriffe auf gut ausgewählte Ziele“ gefeiert werden. Deutschland müsse mehr außenpoliti-sche „Verantwortung“ übernehmen, endlich eine „neue Rolle in der Welt“ spielen. Es brauche eine „strategische Sicherheits- und. Außenpolitik, in der eine gestärkte und funktionierende Bundeswehr ihren Platz findet.“ Die Körber – Stiftung habe aber herausgefunden, dass die Deutschen nicht so wollen wie die schreibende Elite, sogar weniger als vor 20 Jahren. Mehr außenpolitisches Engagement bedeute nämlich für die Deutschen „nur eines, die verstärkte Suche nach zivilen Lösungen. Alles Militärische bleibt verpönt.“

„14 Auslandseinsätze zählt die Bundeswehr derzeit, aber wer merkt es?“

Man horcht auf: geht es nicht um die jeweilige Sache? Soll doch so etwas wie neue deutsche Macht international demonstriert werden? Joffe bemängelt weiter: „Kampfhandlungen sind rar, die Wahrscheinlichkeit ernsthafter Konflikte tendiert gegen null.“ Man wird den Eindruck nicht los, dass er Blut sehen will. Die fünf Kollegen sekundieren: Deutschland „verkrümelt sich, wenn es ernst wird mit der Verantwortung“. Sie raufen sich geradezu die Haare, ein wahrer „Teufelskreis“ sei entstanden: weil „die Deutschen Militärschläge ableh-nen, gibt es keine Strategie; weil es keine Strategie gibt, gibt es keine Debatten; und weil es keine Debatten gibt, bleiben die Deutschen bei ihren Vorbehalten gegen alles Militärische.“

Das falsche Denken der Deutschen

 Halten wir fest: die sich selbst als Elite verstehenden Redakteure sind unzufrieden mit dem Volk. Es denkt falsch. Es versteht nicht. Und so sehen sie ihre Aufgabe darin, gegen das falsche Denken anzuschreiben, um dem Volk das „richtige Denken“ beizubiegen. Auf die in der Demokratie naheliegende Überlegung, dass die Bürger gute Gründe haben könnten, den Weg der militärischen Machtentfaltung abzulehnen, kommen sie nicht. Dabei gibt es nun wirklich genügend Anschauungsmaterial, wozu die Politik der militärischen Intervention vor allem der USA geführt hat, im Irak, in Libyien, im Jemen, in Afghanistan. Nicht nur, dass sehr viel Blut geflossen ist, sondern die Welt wurde dadurch offenbar noch unsicherer gemacht, als sie vorher schon war.- Auf die Idee, diese bisherige Politik kritisch zu überprüfen, kom-men sie erst gar nicht. Atemlos eilen sie weiter und nehmen schon den nächsten Gegner ins Visier: den „Iran, den üblen Gesellen“ (Joffe), bei dem „die Bombe im Programm bleibt“.

Trump will bekanntlich den Atomvertrag mit dem Iran zu Fall bringen. Die Bundesregierung will den Vertrag retten. Sie kann sich schon jetzt auf die verbalen Breitseiten von „Joffe and friends“ einstellen. ( Nächste Folge: Donald Trump, John Bolton, Mike Pomp

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