Etappensieg: Nordkorea kündigt Teststopp an

GASTKOMMENTAR von Rainer Werning

Rainer Werning ist Koautor des jüngst in der Edition Berolina erschienenen Buches »Brennpunkt Nordkorea«.

Die Regierung der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK bzw. Nordkorea) hat angekündigt, weitere Atom- und Raketentests auszusetzen und eine nukleare Testanlage zu schließen. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA zitierte am Sonnabend Regierungschef Kim Jong Un mit den Worten, die DVRK habe glaubwürdig die Entwicklung von Nuklearwaffen erreicht und bemühe sich fortan um nukleare Abrüstung.

»Unsere Republik wird sich der globalen Anstrengung anschließen, Nukleartests komplett einzustellen«, wird Kim aus einer Sitzung des Zentralkomitees der herrschenden Partei der Arbeit Koreas vom Freitag zitiert.

Diese Ankündigung kommt wenige Tage vor dem Gipfeltreffen Kims mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In Ende dieser Woche im Grenzort Panmunjom. Für Ende Mai oder Anfang Juni wird sodann ein Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump mit Kim erwartet, dessen Austragungsort (fünf bis sechs Hauptstädte sind im Gespräch) allerdings noch nicht feststeht. »Das sind sehr gute Nachrichten für Nordkorea und für die Welt«, schrieb Trump auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. »Großer Fortschritt! Ich freue mich auf unser Gipfeltreffen.«

Weitaus mehr Grund zur Freude herrscht derweil in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Deren Außenpolitiker und Diplomaten haben zweifellos einen bedeutsamen Etappensieg im Atomstreit mit den USA gewonnen. Gemäß kalkulierter und strikt systemimmanenter Logik ist es ihnen gelungen, wenn schon international nicht als Freund geachtet, so doch wenigstens als Feind auf Augenhöhe geächtet zu werden.

Bis vor kurzem galt im politischen Washington als ausgemacht, eine nukleare Abrüstung (Denuclearization) seitens Nordkoreas sei undenkbar, weil Kim eine solche Idee strikt ablehne. Man habe deshalb nur zwei Optionen: Entweder ein atomar bewaffnetes Korea zu akzeptieren oder »maximalen Druck« auszuüben – und dabei einen Krieg zu riskieren. Doch wie ausgerechnet Südkoreaner feststellen konnten, ist diese Auffassung grundfalsch. Kim Jong Un fühlt sich immer noch der ursprünglichen Vision eines atomaren Abrüstungsabkommens mit den US-Amerikanern verpflichtet, die sein Vater vor dessen Tod im Jahr 2011 zu verwirklichen versucht hatte.

 Es war Chung Eui Yong, Südkoreas Vorsitzender des Nationalen  Sicherheitsrates und Nordkorea-Sonderemissär von Präsident Moon Jae In, der Anfang März über sein Treffen mit Kim Jong-Un in Pjöngjang bekanntgab, dass Kim Jong Un Donald Trump einen Plan über die vollständige atomare Abrüstung überreichen will, und zwar in Verbindung mit einer Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea. Laut Chung stellte Kim Jong Un klar: »Die nukleare Abrüstung der Koreanischen Halbinsel sei eine Anweisung seines Vorgängers, und es habe keinerlei Änderung einer solchen Anweisung gegeben.«

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