Thema "Tempolimit" in der BZ: Automobilindustrie kann sehr zufrieden sein

Großangriff der BZ (Ausgabe vom 30.10.07) auf den Vorschlag eines Tempolimits von 130 km/h auf der Autobahn:

  • auf Seite 1 Artikel "Autobranche: Tempo 130 gefährdet Arbeitsplätze"
  • auf Seite 7 Artikel "Experte: Tempolimit ist schlechter als CO2-Steuer"
  • auf Seite 4 Leitartikel "Exportrampe Autobahn"
  • auf Seite 23 Umfrage "Brauchen wir Tempo 130 ...?"

Keine Frage, man kann für oder gegen das Tempolimit sein, es gibt Argumente dafür und Argumente dagegen, und jeder Journalist hat das gute Recht, in einem Kommentar seine Meinung darzubringen. Die Braunschweiger Zeitung aber geht viel weiter.

Sie stellt schlicht nur die Argumente der Gegner des Tempolimits dar, gibt dem Porsche-Sprecher, der VW-Sprecherin und dem Sprecher der Automobilindustrie breitesten Raum, unterstützt vom "Autoexperten" Professor Dudenhöffer, der ebenfalls dagegen spricht.

Wo aber bleiben die Gründe der Befürworter? Keiner von ihnen kommt zu Wort, weder aus dem wissenschaftlichen Raum, noch von Verbänden wie Umwelthilfe, noch aus dem politischen Raum oder etwa vom Umweltbundesamt.

Dabei zeigt ein Blick in andere Medien, wie einfach die Redaktion sich über Argumente der "anderen Seite" hätte informieren können. Der SPIEGEL hat das Thema in dem Artikel "Volles Rohr" schon in der letzten Woche ausführlich abgehandelt. Ohne für das Tempolimit einzutreten bietet er aber doch auch Informationen wie die von dem TüV Nord Experten Schmidt, der für das Umweltbundesamt erforscht hat, dass ein kleines Mittelklasseauto, 1,1 Liter Hubraum, bei Tempo 130 fast doppelt so viel CO2 ausstößt wie bei Tempo 100.

Die FAZ vom 30.10.07 weiß ebenfalls Informatives beizutragen, unter anderem zur Frage, warum es gar nicht so einfach ist, einzuschätzen, was ein Tempolimit an CO2-Einsparung brächte. Sie zitiert auch eine Meinungumfrage von Forsa (im Auftrag des BUND), nach der 73% der Befragten ein Tempolimit befürworten würden; auch die Wähler der CDU/CSU seien zu 40% für Tempo 130.

Statt dessen sieht die BZ offenbar ihre vornehmste Aufgabe darin, schlicht die Argumente der Interessenvertreter der Automobilindustrie an die Leser durchzureichen. Wenn man dem Ideal eines unbestechlichen Journalismus im Dienst der Leser anhängt, kommt man nicht darum herum, das als armselig und beschämend zu bezeichnen.