Hoffmanismus

Eigentlich ist der Wahlausgang zugunsten des bisherigen Amtsinhabers entschieden, glaubt man der heute veröffentlichten Infratest Dimap-Umfrage. Umso erstaunlicher wirkt deshalb die nervöse Unruhe innerhalb der CDU Braunschweig. Bekanntlich hatte vorgestern der bisherige Fraktionsvorsitzende Wolfgang Sehrt wegen atmosphärischer Störungen das Wahlkampfteam verlassen. Führende CDU-Kommunalpolitiker befürchten gar den Verlust der CDU/FDP-Mehrheit im Rat. Gleiches scheint auch der Amtsinhaber zu befürchten.

Anders scheint es nicht zu erklären, dass das Kürzel seiner Partei auf keinem seiner Plakate zu sehen ist. Die Verlautbarung, der zufolge der Koalitionspartner F.D.P. es für seine Unterstützung des CDU-Kandidaten zur Bedingung gemacht habe, das die christliche Partei auf keinem Plakat mit dem Oberbürgermeister in Verbindung gebracht werden dürfe, kann man jedenfalls nicht ernsthaft glauben. Dessen NPD-Vergangenheit interessiert doch heute sowieso niemanden mehr.

So wirbt nun der Amtsinhaber auf schier zahllosen Plakaten damit, dass derjenige, der ihn wähle, nichts anderes als die 'Zukunft' wähle und somit keine Partei. Ob man daraus schlußfolgern kann, wer eine Partei wähle, hätte keine Zukunft mehr, sei dahin gestellt. Die Parteien dagegen werben mehr oder weniger mit den üblichen inhaltlichen Absichtserklärungen oder noch schlimmer: mit inhaltlichen Aussagen zu kommunalen Themen. So kann man hieraus logischerweise direkt ableiten, dass man sich in dieser Wahl zu entscheiden habe: auf der einen Seite zwischen Inhalten verschiedener Couleur und auf der anderen Seite – frei jeden Inhalts – für Hoffmann.

Zu einem solchen inhaltsleeren Personenkult passt es schließlich, wenn sich entsprechender Pomp dazugesellt. So strahlt nun dem aus Norden in die Stadt Einreisenden das Antlitz des Amtsinhabers auf einem etwa dreißig Meter hohen Banner entgegen, im Vergleich dazu sich nordkoreanische Vergleichsbeispiele geradezu bescheiden ausnehmen. Wenn dann noch auf anderen Großtafeln glücklich strahlende Kinder oder ein junger Mann im „Blaumann“ ihren Oberbürgermeister anstrahlen, dann wissen wir endlich, dass wir in Braunschweig in einem Paradies leben. Und wir ahnen, bei wem wir uns zu bedanken haben.
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