Bericht aus Bumsdorf VI - Einsame Helden oder Allein unter Müttern

Väter sind einsame Menschen. Insbesondere solche, die sich um die Aufzucht und Pflege ihrer Kinder kümmern, während ihre Lebensabschnittsgefährtinnen oder Ehefrauen – jedenfalls die Mütter der gemeinsamen Brut – arbeiten gehen.

„Nee, ich mach auch gerade nix“, sagt mir ein ehemaliger Mitschüler, der gerade sein Studium geschmissen hat, auf einem Klassentreffen, als ich ihm erzähle, dass ich mich vollzeit um meine Tochter kümmere, um zusätzlich halbtags arbeiten zu gehen.

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Quo Vadis, Cinema Paradiso?

Wer erinnert sich noch? Vor 15 Jahren gab es kaum einen angekündigten Film, der nicht auch in Braunschweig gezeigt wurde. Für nur wenige Ausnahmen mußte man nach Hannover, Berlin oder Ravensburg fahren. Das Angebot war schier unbegrenzt, die Zahl der Leinwände und Kinosäle hoch: Capitol vier Leinwände, Universum drei Leinwände, Scala zwei Leinwände, Broadway, Lupe, City, Gloria und Hansa je eine Leinwand, macht zusammen 14 Präsentationsflächen für Kunst und Unterhaltung. Mittlerweile ist die Zahl der wöchentlichen Neustarts in Deutschland aufs Unüberschaubare angestiegen - und Braunschweig hat noch genau zwei Kinos: das Cinemaxx mit acht Leinwänden und das City. Darüber hinaus ist das City nun alleiniger Ersatz für ehemals drei Programmkino-Leinwände: Einst Lupe, Broadway, Scala II, dann immerhin das Universum, nun eben City. Wenn ein Kunstfilm wie "Emmas Glück" dann im Cinemaxx läuft, sagen viele Braunschweiger: Da gucke ich den nicht, ich will in ein vernünftiges Kino gehen, nicht in einen Flughafen.


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Bericht aus Bumsdorf IV Der Kopf ist rund, damit sich die Gedanken im Kreise drehen können

Die deutsche Bürokratie gilt als die beste der Welt. Nirgendwo gibt es so viele unnütze Beamte wie hier. Nirgendwo ist der Bürger so gefordert wie hier. Wir haben auch die überflüssigsten Vorschriften, fälschungssichersten Personalausweise und umfangreichsten Formulare. Wir sind die Könige des Verwaltungsirrsinns!

Das durften Anita und ich auch im letzten Jahr feststellen, als wir nach Italien in den Urlaub fahren wollten. Dazu bräuchten wir Personalausweise bzw. für unsere Kinder Reisepässe, wurde uns gesagt. Obwohl wir ja noch nicht mal Europa verlassen wollten und Italien ja kaum noch wirklich als Ausland bezeichnet werden kann.

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Bericht aus Bumsdorf III - Kauft nicht bei Hannoveranern

„Sparkassencup Boykott“ – so steht es gesprüht und geklebt auf allerlei Hauswänden und Verkehrsschildern in der Braunschweiger Innenstadt. Ich bin zufrieden, ja, geradezu glücklich, denn ich komme nicht umhin, diesen Aufruf als die Manifestation eines kritischen, antikapitalistischen Bewusstseins zu interpretieren, das die breiten Volksmassen ergriffen hat. Das Proletariat ist erwacht! Endlich!

Der Imperialismus liegt ja bekanntlich schon seit den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm in den allerallerletzten Zügen, die Mächtigen sind nur zu faul zurückzutreten und scheuen auch die daraus resultierenden Konsequenzen. Sie wollen eben nicht wie der letzte chinesische Kaiser blümchenpflückend hinter Gefängnismauern enden.

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Bericht aus Bumsdorf II - Damentoiletten hinter Schlossfassaden

Ich bin einer der ganz ganz harten Kerle.

Auch wenn viele Menschen das wohl anders sehen dürften und mich eher der Kategorie der Fußbadnehmer und Milchtrinker zuordnen dürften. So ganz unzutreffend ist das ja auch nicht, auch wenn ich eher Whirlpools als Fußbäder mag und Milch nur als Färbemittel für Kaffee akzeptiere. Aber es stimmt: ich wasche in meiner Familie die Wäsche (immer), mache den Einkauf (meistens) und bereite die Mahlzeiten zu (die man manchmal sogar essen kann).

Ja, ich bin ein moderner Mann und dazu stehe ich auch. Das ist auch gar kein Problem für mich. Nee, echt nicht. Nur...

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Deutsches Sprak - schweres Sprak

Unveröffentlichter Leserbrief an die Braunschweiger Zeitung vom 9.7.2007

Kein besseres Deutsch bei der Braunschweiger Zeitung in Sicht: So kommentierte beispielsweise der Redakteur der Braunschweiger Zeitung (BZ), Herr Ernst-Johann Zauner, in der Ausgabe der BZ vom 14.05.2004, Seite 33, den Verkauf der ehemaligen Stadtreinigungsbetriebe Braunschweig (SRB) mit den Worten:

"Wäre das Interessen anderer Entsorger an SRB  so groß, hätte sich längst ein Gebot abgegeben."

Auch Jahre danach geht es lustig weiter. So schreibt Herr Ernst-Johann Zauner in der BZ vom 30.06.2007 im Artikel "Sieben städtische Töchter mit Gewinn":

"Dies zeigt ein Vergleich der Jahresabschluss-Ergebnisse 2006, die Verwaltung jetzt vorlegte."

"Das Klinikum zeige mit seinen fast 5 Millionen Euro Gewinn, dass die Stadt mit ihren Privatisierungen auf einem guten Weg seien."

In der gleichen Ausgabe der BZ schreibt Zauner dann im Artikel "10 Millionen Euro Altschulden abgelöst":

"Die Verwaltung führt des weiteren Verlusten aufgrund von Gebührenprozessen ... an."

Ein sorgfältigerer Umgang mit der deutschen Sprache ist aber möglicherweise gar nicht mehr nötig, denn „Birsctihe Frshocer hbaen haruesgfenuedn, dsas es eagl ist, in whlecer Rhieenfgloe die Behsucbatn eenis Wtores sheten, slognae der etsre und ltetze Bhsucbate am rhitiegcn Pltaz sehten.“

Ralf Beyer

Braunschweig als Vorbild für Berlin?

Zur Enthüllung der Reiterstandbilder vor dem ECE-Einkaufscenter sprach der Oberbürgermeister mit Blick auf den ECE-Haupteingang: "Wenn ich sehe, dass meine große Heimatstadt Berlin sich diese Stadt Braunschweig als Vorbild nimmt, dann ist alles weggefegt an Kritik, an Sorgen, an Bedenken, dass man über uns lacht."

Braunschweig als Vorbild für Berlin? Wer sagt denn so was?


Herr von Boddien, Geschäftsführer des "Fördervereins Berliner Stadtschloss" behauptet jedenfalls genau das Gegenteil: "Braunschweig ist KEIN Vorbild"

Und Berlins Senatsbaudirektor Hans Stimmann ist vom ECE-Schloss auch nicht ganz überzeugt: "Das ist natürlich eine Horrorvision. Also dann lieber gar nichts."

Die Kritik wird wohl nur von Herrn Dr. Hoffmann himself weggefegt.

Die Brunonia, eine Fehlkonstruktion? - Rätselhafter Osten, Teil 2

Wie in der BZ vom 27.6.07 zu lesen war, verzögert sich die Aufstellung der Brunonia bis in den Herbst hinein. Schuld sei laut Expertenmeinung der Umstand, dass die Statik der Großskulptur den europäischen Normen entsprechen müsse. Zitat BZ vom 25.5.07: „Offen ist vor allem das Ergebnis der statischen Berechnungen, die erst nach Fertigstellung des Gesamtobjektes möglich seien, so Richard Borek.“ (Hervorhebung M.W.)

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Wieder einmal rätselhafter Osten: Wie ein Fachmann für Tragwerkskonstruktionen mir versicherte, würden natürlich auch die statischen Berechnungen für Großplastiken üblicherweise vor der Herstellung des Gesamtobjektes ausgeführt. Das sei nur logisch, da man ansonsten Gefahr liefe, dass das fertige Objekt -wenn es den statischen Normen nicht entspräche- kostenträchtig nachgebessert werden müsse. Es wäre nicht anders als beim Bau eines Gebäudes, das man ja auch nicht erst planlos errichte, um dann im Nachhinein über die Berechnung der Statik die Konstruktionspläne zu erstellen.

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Selbst Stockhausen kam nicht zur Erstaufführung

Leserbrief an die Braunschweiger Zeitung vom 20.06.2007

"Ob ein Konzert auch Wissen schafft – Diskussion im Staatstheater" in der Ausgabe vom 18.6.2007

Zur Aufführung des sogenannten Helikopter-Streichquartetts kamen statt der erwarteten 2.400 Zuhörer weit weniger als die Hälfte, von dem herbeigesehnten "medialen Ereignis" hat auch drei Tage danach kaum eine bedeutende Zeitung Notiz genommen, vom "Highlight im Jahr der Wissenschaft in Braunschweig" (Wolfgang Laczny, Kulturdezernent der Stadt Braunschweig) war nichts zu spüren und der Komponist selbst hatte besseres zu tun, als zur Erstaufführung seines Werks in Deutschland nach Braunschweig zu kommen. Der 79 Jährige sei mit den Proben für die im Juli in seinem Wohnort Kürten stattfindenden Meisterkurse beschäftigt, hieß es. Trotzdem wurde zur Finanzierung des Spektakels seitens der Verwaltung der Stadt Braunschweig eine Finanzierungszusage vorbei an den politischen Gremien gegeben, die später die Angelegenheit ohne Entscheidungsalternativen nur noch abnicken durften. Verständlich ist daher der Beitrag eines Teilnehmers der Diskussion im Kleinen Haus, der von Laczny mehr Bescheidenheit und weniger Arroganz gefordert hatte.

Dipl.-Ing. Ralf Beyer

... und was die Braunschweiger Zeitung daraus macht

Selbst Stockhausen kam nicht zur Erstaufführung
Zu "Ob ein Konzert auch Wissen schafft - Diskussion im Staatstheater", Ausgabe vom 18. Juni:

Zur Aufführung des so genannten Helikopter-Streichquartetts kamen statt der erwarteten 2400 Zuhörer weit weniger als die Hälfte. Und der Komponist Stockhausen hatte Besseres zu tun, als zur Erstaufführung seines Werks in Deutschland nach Braunschweig zu kommen. Trotzdem wurde zur Finanzierung des Spektakels seitens der Verwaltung der Stadt Braunschweig eine Finanzierungszusage vorbei an den politischen Gremien gegeben.

Dipl.-Ing. Ralf Beyer, Braunschweig

Braunschweiger Zeitung, 22. Juni 2007, Leserseite, Seite 16

Stein und Bein, Braunschweiger Elegance!

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Es geht auf dem Flyer ums Anziehen, nicht ums Ausziehen! Wer sich von diesem Flyer provoziert fühlt, hat da etwas nicht verstanden.

Brunonias Wahl fällt auf ein pinkes Minikleid im Courrèges-Stil der ausgehenden Sechziger Jahre. Bedeutungsvolle Bekleidung, nicht nur zum Sommer passend: „Der Minirock wurde teils als Provokation oder als Ausdruck einer allgemeinen Pietätlosigkeit wahrgenommen, teils aber auch als Zeichen eines neuen Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins der sich von überkommenen Zwängen befreit fühlenden Frauen verstanden.“ So lesen wir es bei Wikipedia.

Die in ihrem Selbstbewusstsein gestärkte Dame von Welt trug damals vorzugsweise Plateau-Schuhe, war buchstäblich auf den Sockel gestellt. Aber Braunschweig ist nicht die Welt und versteht sich schon gar nicht auf Sockel, daher hat sich unsere Brunonia pinke Pantoletten mit Spitzhacken gekauft, nicht stilecht aber eine schöne, rundum gelungene Allegorie. Dem Mini verdanken wir übrigens auch die segensreiche Erfindung der Strumpfhose mit Zwickel, die die befreite Sichtachse transparent gestaltet bzw. verdeckt. Ein Paradoxon, auf das sich hier wiederum aufs Vortrefflichste verstanden wird.

Besonders erfreulich ist, dass sich unsere Brunonia nicht nur von überkommenen Zwängen befreit hat, sondern auch von dem Wildwuchs (um nicht zu sagen dem Park) auf ihren Beinen. Wie wir jüngst nachlesen konnten, tun nur 40% der deutschen Frauen, was für 93% der englischen Frauen selbstverständlich ist. God shave the Queen! Brunonia ist ein echtes Vorbild, damit können sich alle Braunschweigerinnen ja ganz Deutschland, nein die ganze Welt identifizieren! Wir sind wieder wer!

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