Braunschweiger Filmfest startet furios mit „Panzerkreuzer Potemkin“

Paukenschläge zum Festivalauftakt mit dem Braunschweiger Staatstheaterorchester

Filmfest-Vorstand Edgar Merkel eröffnet in der Braunschweiger Stadthalle das 32. Internationale Filmfest. Foto: Marcus von Bucholz

Mit einem Filmkonzert zu Sergej Eisenstein's berühmtem Revolutions-Epos „Panzerkreuzer Potemkin“ setzten das Braunschweig International Film Festival und das Staatstheater Braunschweig einen mächtigen Paukenschlag. Unter dem Taktstock von Komponist Yati Durant (erschuf die Filmmusik im Jahr 2005) erbebte die Stadthalle zu einem Film, der trotz seiner propagandistischen Inszenierung als Meilenstein der Filmgeschichte und einem der besten Filme überhaupt zählt.

Die Partitur des Komponisten und Dirigenten Yati E. Durant, der das Eröffnungskonzert leitete. Foto: Marcus von Bucholz

Das Drama um Matrosenaufstand und fehlgeschlagene russische Revolution im Jahre 1905, zwanzig Jahre später von den Sowjetherrschern in Auftrag gegeben, fesselt Historiker wie Cineasten bis heute gleichermassen. Staatstheater-Intendantin Dagmar Schlingmann: „Mich fasziniert die Schnitttechnik und Montage des Werks. Theater und Film werden gern als Gegensatz dargestellt. Mit diesem Film wurde das Kino der kommenden Jahrzehnte geprägt und hat auch das Theater beeinflusst.“ Leider auch den Film selbst – umstrittene Werke wie „Triumph des Willens“ von Leni Reifenstahl, nahmen dankbar die ballettartige Choreographie von Massenszenen, das Ineinanderlaufen von Bewegungen, die Bildwiederholungen und das ikonographische Spielen mit Nahportraits auf.

Das Staatsorchester Braunschweig brillierte mit exakter Tonsetzung zu den Bildern des gezeigten Stummfilms. Foto: Marcus von Bucholz

Für das Staatstheater Braunschweig eine großartige Zusammenarbeit mit dem BIFF: Erstmals begleiten mehrere Filmkonzerte die Veranstaltung, die bis nächsten Sonntag läuft. Darunter „Im Westen nichts Neues“ (Sonntag, 11. 11., 18.00 Uhr, Städtisches Museum) oder „Claire“ (Donnerstag, 8. 11., 19.00 Uhr, Michaeliskirche). Das Porträtkonzert mit und über den revolutionären „Can“-Gründer, Irmin Schmidt, am Mittwoch im Staatstheater ist bereits ausverkauft. Schlingmann: „Wir sind stolz darauf, dass dieses Filmfest in diesem Jahr mit einem Konzert des Staatstheaters eröffnet wurde. Das ist weltweit einmalig.“

Stolz auf das Festival war auch Oberbürgermeister Ulrich Markurth, der sich öffentlich erinnerte: „Ich habe den Panzerkreuzer Potemkin bestimmt dreimal gesehen, nein sogar viermal. Auch wenn er ein Propagandafilm war, ist er ein zeitgeschichtliches Dokument und große Kunst.“

Festivaldirektor Michael P. Aust strich heraus, dass das diesjährige Filmfest neben den Schwerpunkten Stummfilm und Filmmusik ein breites Themenspektrum abdeckt. So gibt es Filmreihen für unterschiedliche Zielgruppen: ein „queeres“ Programm, Kinder- und Jugendkino, Filme aus der Lebenswelt von Migranten oder mit ökologischen Themen. Besonders stolz ist Aust auf den hohen Anteil von Filmen, die von Frauen gedreht wurden oder starke Frauen zeigen: „Wir haben den Frauenanteil stark gesteigert und zeigen Werke von 135 Regisseurinnen und 238 Regisseuren“. Dass starke Frauen einen Schwerpunkt bilden, zeigt auch die diesjährige Preisträgerin „Europa“: die Jury sprach der französischen Filmlegende Sandrine Bonnaire, inzwischen selbst hinter der Kamera aktiv, den mit 20.000 Euro dotierten Preis zu.

Preisträgerin Sandrine Bonnaire wird am Samstag im Staatstheater für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Foto: Filmfest Braunschweig / © Gianmarco Chieregato

Das Programm umfasst 206 Kurz- sowie 110 Langfilme sowie neun Filmkonzerte. Insgesamt wurden in diesem Jahr 75.735 Minuten Film eingereicht und gesichtet. Das waren 611 Kurz- und 736 Langfilme, welche 1.262 Stunden oder fast 53 Tagen entsprechen. Innerhalb der sieben Tage präsentiert das Festival über 200 Einzelveranstaltungen, Filmkonzerte, Vorträge, Präsentationen, Filmvorführungen, darunter 12 Welt-, eine Internationale Premiere, zwei Europäische Premieren, 57 Deutschland- sowie 11 Niedersachsen-Premieren.

Erstmals vergibt das Festival neun Preise im Gesamtwert von 53.500 Euro. Die Preisverleihung findet am Samstag, 10. November im Großen Haus des Staatstheaters statt. Vier der neun Auszeichnungen werden zum ersten Mal vergeben: den mit 10.000 Euro dotierten „Volkswagen Financial Services Filmpreis“ für den besten europäischen Debüt- oder Zweitfilm, den „Queeren Filmpreis Niedersachsen“ mit 5.000 Euro Preisgeld, den „Braunschweiger Filmpreis“ für die/den beste/n Newcomer-Schauspieler/in sowie den „Green Horizons Award“ für den besten Film zum Thema Nachhaltigkeit mit einem Preisgeld von 2.500 Euro, gestiftet von der Oeding Unternehmensgruppe. BIFF-Vorstand Edgar Merkel: „Besonders freut mich, dass der neue Braunschweiger Filmpreis aus einer Stiftung der Bürger/Innen unserer Stadt aufgebracht wird. Das zeigt, wie sehr das Festival inzwischen in der Mitte der Bevölkerung angekommen ist.“

Im gut besetzten Großen Saal der Stadthalle freuten sich die Besucher auf ein aussergewöhnliches Filmkonzert. Foto: Marcus von Bucholz

Festival-Direktor Aust erhielt tosenden Sonderapplaus, als er sich in seiner Eröffnungsrede der revolutionären Zeiten auch in Braunschweig annahm: „Das wiederaufgebaute Braunschweiger Schloss verkörpert ja nicht nur die Monarchie. Gut fände ich, wenn vor dem Schloss nicht nur die Herzöge stehen würden, sondern auch ihre Antipoden aus der Revolution.“

Bis zum Sonntag, 11. November, zeigt das Festival insgesamt über 200 Einzelveranstaltungen, Filmkonzerte, Vorträge, Präsentationen, Filmvorführungen, darunter 12 Welt-, eine Internationale Premiere, zwei Europäische Premieren, 57 Deutschland- sowie 11 Niedersachsen-Premieren. Das vollständige Programm gibt es unter www.filmfest-braunschweig.de

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