Emotionaler Abschied von Heinz Stein – dem Sprecher der Braunschweiger Sinti

Hunderte Sinti aus ganz Deutschland begleiteten „Honig“, wie er von ihnen genannt wurde, zu seiner letzten Ruhestätte – dem Hauptfriedhof in Braunschweig.

Ganz plötzlich verstarb er 68-jährig am 31. August diesen Jahres während seines Urlaubs in Frankreich. Unendlich traurig hinterlässt er seine Frau Helga, mit der er 48 Jahre verheiratet war, seine vier Kinder, zwölf Enkel und vier Urenkel. Heinz war ein liebevoller Familienmensch, der sich rührend kümmerte, viele Jahre dem Dachdeckerhandwerk nachging und sich zusätzlich Zeit nahm, die Bürgerrechte für seine Leute, die Sinti, einzufordern.

Er führte die politische Arbeit seines Vaters Karl-Heinz Stein fort. Dieser kämpfte nach dem Krieg gemeinsam mit Simone Veil, einer Holocaust-Überlebenden, an der Seite von Günther Grass und Heinrich Böll für die Anerkennung der Sinti als ethnisch Verfolgte – eine halbe Million von ihnen wurden durch die Nationalsozialisten ermordet und die Hinterbliebenen ihrer kulturellen Identität beraubt.

In Frankfurt geboren, ließ sich die Familie um Heinz Stein vor ca. 60 Jahren in Braun-schweig nieder und baute sich nach und nach eine neue Existenz auf. Nie verlor er dabei den Blick für die Not seiner eigenen Leute, die vielfach sich selbst überlassen blieben. Während andere Verfolgte des Naziregimes als solche anerkannt und entschädigt wurden, geschah dies für die Ethnie der Sinti und Roma erst in den 80iger Jahren des vorigen Jahrhunderts während der Ära von Helmut Schmidt. Heinz Stein setzte sich als Vorstand der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma e.V., dem er bis zu seinem Tod mehr als 20 Jahre angehörte, für einen Niedersächsischen Härtefond ein, der auf die Initiative von Heiner Herbst ins Leben gerufen wurde, half bei sozialen Problemen zwischen seinen Leuten und den Behörden, schlichtete in Streitangelegenheiten, half jungen Sinti bei der Verweigerung des Dienstes in der Bundeswehr und suchte diese Hilfebedürftigen in ganz Niedersachsen auf.

Hier in Braunschweig trat er öffentlich das erste Mal im Rahmen einer großen Veranstaltung des Jugendringes gegen die Ausgrenzung von Ausländern und ethnischen Minderheiten in Erscheinung. Der Titel lautete „Der Traum von einer Sache“ – erstmals referierte ein Herr Dr. Günther über die Deportation der Sinti und Roma aus Niedersachsen nach Auschwitz. Heinz Stein setzte sich seitdem für die Transparenz der Geschichte seiner Leute auch hier in Braunschweig ein, kämpfte gemeinsam mit dem braunschweiger forum für eine Gedenkstätte und freute sich, als diese 2003 im Schutz des Rathauses eröffnet wurde.

Er stellte den Kontakt zu Überlebenden des Holocaust her, die von Braunschweig aus deportiert wurden, gab Interviews und unterstützte im letzten Jahr eine SchülerInnengruppe der Nibelungen Realschule, die sich für die Geschichte der Sinti interessierten und den Impuls für einen Gedenkstein in Veltenhof sowie eine Erinnerungsplatte an der Schillstraße gaben. Am 3. März diesen Jahres wurde diese im Beisein von Heinz Stein der Öffentlichkeit übergeben.

Seine letzte Anstrengung galt der Sanierung des Wohnwagenaufstellplatzes Madamenweg. Die Initiierung mehrerer „Runder Tische“, an denen die Sinti selbst, Vertreter der Verwaltung und Politik teilnehmen, moderiert durch das braunschweiger forum, sich austauschten und gemeinsam nach einer Lösung suchten. Heinz durfte am Ende über sein Mandat für die BIBS im Bezirksrat Weststadt gemeinsam mit den anderen Bezirksräten eine Entscheidung für die Sanierung fällen, die dann durch den Sozialausschuss bestätigt worden ist. Die Arbeiten beginnen in den nächsten Wochen und werden noch in diesem Jahr abgeschlossen.

Heinz wird die Einweihung leider nicht mehr erleben, allerdings gilt ihm unser aller Dank für seine Bereitschaft, uns einen Zugang in die Sinti-Kultur vermittelt zu haben. Er war ein sehr gläubiger Christ und war sich sicher, dass dieses Leben auf der Erde zwar endlich ist, durch den Glauben an Gott jedoch über ein Tor ins Paradies mündet. Mit Lobgesängen und Gitarrenklängen des Musikers Kussi Weiss wurde er in seinem mit Blumen geschmückten Sarg von hunderten Menschen zu seiner letzten Ruhestätte begleitet.

Adieu Heinz, wir werden dich nie vergessen!

Heidi Wanzelius

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