Piëch wird Ehrenbürger. Und alle so: Yeah!

Mir wird gelegentlich vorgeworfen, dass ich bösartige Kommentare schreibe, deswegen versuche ich mich heute bestmöglich an die Fakten zu halten.

Gestern wurde Hon.-Prof. Dr. techn. h.c. Dipl-Ing. ETH Ferdinand K. Piëch Ehrenbürger der Stadt Braunschweig. Ferdinand Piëch, der wegen seiner Detailversessenheit auf schmale Spaltmaße auch „Fugen-Ferdl" genannt wird, ist außerdem Ehrenbürger der Städte Zwickau, Ingolstadt und Wolfsburg.

Eine Ehrenbürgerschaft bedeutet in Braunschweig dreierlei:

  1. Man erhält ein dreiseitiges Blatt Büttenpapier, auf dem Urkunde steht, und muss sich in das goldene Buch der Stadt eintragen, das nicht aus Gold, sondern aus Papier besteht.
  2. Man steht in einer Tradition mit ehemaligen Ehrenbürgern wie Adolf Hitler, Hermann Göring und Baldur von Schirach und mit amtierenden Ehrenbürgern wie Carl Heimbs, der sich dafür eingesetzt hat, Adolf Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft zu verschaffen
  3. Sobald man verstorben ist, bekommt man vom 70. bis zum 100. Geburtstag alle fünf Jahre sowie anlässlich des zehnten und 25. Todestages einen Kranz aufs Grab gelegt.

Gestern gab es nun einen Festakt, zu dem Piëch unter Polizeischutz (Sicherheitsstufe 1.1) und in Begleitung des VW-Werkschutzes in einer gepanzerten Limousine erschien. Vorher wurde das Altstadtrathaus von Sprengstoffspürhunden durchschnuppert. Piëch musste die Dornse durch einen Seiteneingang betreten.

Der Braunschweiger Oberbürgermeister Gert Hoffmann, der in Gifhorn wohnt, hielt eine Rede über Ferdinand Piëch, der in Wolfsburg Manager war und heute in Salzburg wohnt.

Anschließend hielt der Hannoveraner Gazprom-Lobbyist Gerhard Schröder eine Rede über Piëch.

Nach dieser Rede hat Piëch die Dornse schnell wieder durch den Seiteneingang verlassen, um sich anschließend in der VW-Halle von Köchen aus Wolfsburg bedienen zu lassen.

In der Gästeliste der Braunschweiger Zeitung stehen 51 Männer und 3 Frauen. #AUFSCHREI

Die Verteilung der Gäste laut BZ-Liste wie folgt: 31 Vertreter der Wirtschaft, zwölf Vertreter der Politik und jeweils zwei Vertreter von Kultur, Kirche und Wissenschaft.

Es ist übrigens kein Wunder, dass kaum Vertreter der Kulturszene eingeladen wurden. Sowohl Hoffmann, der vor einigen Jahren Hartmut El Kurdi vertrieben hat, als auch Piëch, welcher der HBK sämtliche Zusammenarbeit versagt hat, weil er sich durch ein Kunstwerk persönlich bloßgestellt fühlte, sind keine Freunde der freien Kunst.

Nur nebenbei bemerkt: Eigentlich hätte sich gestern das Gremium Theaterförderung der Stadt Braunschweig getroffen, um über die Förderanträge der Theatergruppen zu beraten. Diese Beratung wurde aufgrund des Festaktes um einen Monat vertagt, weshalb die Theatergruppen noch einen Monat länger auf eine Entscheidung warten müssen.

Kommen wir nun zu einer wichtigen Frage: Was soll dieses ganze Spektakel?

Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Auf mich wirkt diese Veranstaltung wie eine Selbstbeweihräucherung von D-Promis (Gert Hoffmann), die sich in den Glanz von C-Promis (Piëch) stellen, die von abgehalfterten B-Promis (Gerhard Schröder) belobhudelt werden. Höchstpeinlich dabei ist, dass kein Braunschweiger Bürger zum Ehrenbürger ernannt wurde. Ebenso höchstpeinlich ist die Auswahl der Gäste, bei der fast ausschließlich männliche, alte Wirtschaftsvertreter eingeladen wurden. Und mindestens genauso peinlich ist die Berichterstattung der Braunschweiger Zeitung, die neun (!) Artikel zum Thema online gestellt hat. Oder kurz gesagt: Auch wenn es bei der Verleihung um das Thema „Ehre" ging, so finde ich, dass die Verleihung in dieser Form eine Schande für die Stadt Braunschweig ist.

 


Kommentare   
 
0 #3 Inge Gerlach 2014-01-29 18:07
Lord Schadt vergisst die Gewerkschafter, von Fritsch bis Steinkühler, die sich alle auch im Glanz der Jubelfier sonnen wollten. So viel bekannt ist,hatten die Arbeitnehmer unter Piech wenig zu lachen.

 
+1 #2 Reinhard 2014-01-29 09:28
Seeeehr schön; eins wurde noch vergessen: Herr Piëch hat sehr wohl etwas für BS getan! Seinem segensreichen Wirken ist es zu verdanken, daß die damalige Mühlenpfordt-Villa für seine Privatzwecke total entkernt, ihrer Seele beraubt und auch äußerlich entstellt wurde, einschließlich heftigem Eingriff in die Wallringsatzung ! Dank apodiktischer Einforderung durch diesen "Herrn" bei unseren damaligen Stadtoberen! Und das für nur wenige Jahre in BS!
Honi soit qui mal y pense!

 
0 #1 W.Dahlgrün 2014-01-29 08:41
Zitat: "Mir wird gelegentlich vorgeworfen, dass ich bösartige Kommentare schreibe, deswegen versuche ich mich heute bestmöglich an die Fakten zu halten."

Das ist Ihnen leider nicht gelungen. Schade, dass Sie bei aller Kritik an Herrn Ferdinand Piëch nicht in der Lage sind, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Sicherlich hat das Handeln von Herrn Piëch auch viele positive Aspekte für Braunschweig gehabt. So bleibt der Eindruck von Neid und Missgunst. Mit dieser Art der Berichterstattu ng unterscheiden Sie sich leider nicht von der oft kritisierten Braunschweiger Zeitung. Etwas weniger Ideologie hätte Ihrem Artikel gut getan!
 
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