Prämien zum Stromvertrag: Kunden zahlen oft drauf

"Pressemeldung"

Marktcheck der Verbraucherzentrale zeigt: Angebote mit Zusatzprodukten sind häufig nicht so attraktiv, wie sie scheinen.
Was bei Zeitungs- und Zeitschriftenabos schon lange verbreitet ist, greift auch auf dem Energiemarkt immer mehr um sich: Um Ver-braucher von ihren Angeboten zu überzeugen, stellen Händler beim Abschluss eines neuen Vertrags besondere Prämien oder Vergünstigungen in Aussicht. Egal ob Handy, Pay-TV-Abo oder Versicherung – die Zusatzleistungen, mit denen um die Gunst von Stromkunden geworben wird, sind vielfältig. Der Marktwächter Energie hat einige dieser Angebote genauer unter die Lupe genommen. Ergebnis: Nicht immer können Verbraucher wirklich erkennen, was sie bei den Prämien erwartet. Achten Kunden bei der Bestellung nicht ganz genau auf das Kleingedruckte, kann das vermeintliche Geschenk sogar zur Kostenfalle werden. Den Stromanbieter wechseln und gleichzeitig noch ein neues Handy oder einen Gut-schein dazu bekommen? Für viele Kunden klingt das attraktiv. Schaut man sich die Zusatzprodukte einmal etwas genauer an, werfen jedoch viele Angebote Fragen auf.

„Oft beginnen die Schwierigkeiten schon damit, dass die Kunden vor der Bestellung gar nicht alle Informationen erhalten, die sie brauchen, um das Angebot bewerten zu können“, sagt Tiana Preuschoff, Energierechtsexpertin im Projekt Marktwächter Energie der Verbraucherzentrale Niedersachsen. So gab es unter den zehn Angeboten, die die Verbraucherzentrale untersucht hat, beispielsweise drei Fälle, in denen nicht klar zu erkennen war, wann und wie die Prämie zur Verfügung gestellt wird. Bei zwei weiteren Angeboten behielten sich die Anbieter das Recht vor, die Prämie nach der Bestellung noch zu ändern und stattdessen ein Ersatzprodukt zu liefern. „Im schlechtesten Fall kann das bedeuten, dass sich ein Kunde wegen eines bestimmten Produkts für einen Stromvertrag entscheidet, dieses am Ende jedoch gar nicht erhält“, so Preuschoff.
Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist es daher wichtig, dass Kunden vor Abschluss eines Stromvertrags mit Prämie immer ganz genau darauf achten, welche Bedingungen im Kleingedruckten und während des Bestellprozesses genannt werden. Besonders gründlich sollte überprüft werden, ob durch das Zusatzprodukt möglicherweise ein zweiter Vertrag zustande kommt.
Viele Kunden gehen bei Prämien ganz automatisch davon aus, dass es sich um eine reine Zugabe zum Stromvertrag handelt, also quasi um eine Art Geschenk ohne weitere Verpflichtungen“, erläutert Preuschoff. Tatsächlich seien jedoch einige Angebote so angelegt, dass für das Zusatzprodukt ein separater Vertrag abge-schlossen werden muss. Vergessen die Kunden, diesen Zweitvertrag nach Ablauf des ersten Jahres zu kündigen, kann es passieren, dass das ursprüngliche Werbe-geschenk im zweiten Jahr plötzlich kostenpflichtig wird. Bei der aktuellen Untersuchung des Marktwächters Energie fanden sich drei Prämien, die ab dem zweiten Jahr mit Zusatzkosten verbunden waren: ein Abo für eine Frauenzeitschrift (Anbieter: Energy2Day GmbH), ein Abo für den Pay-TV-Sender
Sky (Anbieter: E.ON) sowie eine Versicherung mit dem Namen Haushaltsschutzbrief, die von der Extra Energie GmbH angeboten wird. Aber auch unabhängig von möglichen Folgekosten zeigt der Marktcheck der Verbraucherzentrale, dass sich Stromverträge mit Zusatzprodukten finanziell nicht unbedingt lohnen: Um das Preis-Leistungs-Verhältnis der Angebote bewerten zu können, hat der Marktwächter die Kosten der Prämien-Tarife mit jenem Betrag verglichen, den ein Kunde zahlen müsste, wenn er sich für einen der derzeitig günstigsten Stromanbieter entscheidet und das Zusatzprodukt unabhängig davon selbst kauft. Ergebnis: Nur in zwei Fällen konnten die Kunden durch die Tarife mit Zusatzleistung definitiv sparen. In vielen anderen Fällen waren die Angebote dagegen derart teuer, dass die Kunden trotz der Prämie draufzahlen mussten.
„Das extremste Beispiel kam vom Lieferanten Yello Strom, der verschiedene Handys und Tablets zum Stromvertrag anbietet“, berichtet Preuschoff. „Für viele Kunden klingt das erst mal nach einem Schnäppchen  am Ende zahlen sie jedoch bis zu 400 Euro mehr als bei einem getrennten Kauf von Strom und Elektroartikel.“
Alle Ergebnisse des Marktchecks stehen im Internet unter www.marktwaechter-energie.de/marktcheck-praemien/ zur Verfügung.

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