Braunschweig in 2030 – Der VW-Skandal und die Folgen für die Stadtentwicklung

Eine kurze Analyse von Lord Schadt

Zurzeit wird unter dem Titel „Denk deine Stadt“ ein Stadtentwicklungskonzept für 2030 konzipiert. Auf der gleichnamigen Homepage finden sich hunderte tolle Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern, wie unsere Stadt liebens- und lebenswerter gestaltet werden kann. Kurz gesagt: Die meisten wünschen sich eine nachhaltig ökologische Stadt mit viel Natur und guter sozialer und kultureller Infrastruktur. Ebenso wird von vielen eine Verbesserung des ÖPNV und der verkehrlichen Situation von Fahrradfahrern gewünscht. Doch was wird aus diesen Vorschlägen?

 

I

Das Problem! Braunschweig ist wirtschaftlich in vielerlei Hinsicht von VW abhängig. Der VW-Skandal deutet auf ein grundlegendes Problem hin: VW hat Entwicklungen in der Automobilbranche verschlafen! Nahezu alle Experten sind sich einig: Die Zukunft liegt in der E-Mobilität und in selbstfahrenden Autos. Beides ist auch für die Stadtentwicklung wünschenswert. E-Mobile reduzieren Lärm und Schadstoffe. Und es werden weitaus weniger selbstfahrende E-Autos benötigt, da sie in den nicht genutzten Zeiten als ÖPNV-Mehrpersonen-Taxis benutzt werden können, was Parkplätze und den Individualverkehr reduziert. Was nach Zukunftsmusik klingt, kann schneller Realität werden, als es sich die meisten vorstellen. Es ist vermutlich nur eine Frage von zehn Jahren, bis die ersten selbstfahrenden E-Autos günstiger und komfortabler sind als die heutigen Benziner. Und sofern Volkswagen nicht massiv in die Entwicklung solcher Autos investiert und sich neu erfindet, werden es keine Volkswagen sein. Als Beispiel für eine Insolvenz aufgrund falscher Einschätzung des Marktes erinnere ich kurz an Kodak, die zu lange an der Technologie der analogen Fotografie festgehalten haben. Wir können nur hoffen, dass VW eine ähnliche Insolvenz erspart bleibt …

 

II

Die Politik! Die Braunschweiger Politik wird es sehr schwer haben, auf eine lang anhaltende VW-Krise zu reagieren. Um in einer Krise zu investieren, benötigt man finanzielle Mittel. Diese werden im Haushalt der Stadt Braunschweig jedoch nicht vorhanden sein. Zum einen rächt sich jetzt, dass städtische Einnahmequellen wie Stadtwerke und Immobilien im großen Umfang verkauft wurden, zum anderen entfallen Gewerbesteuereinnahmen von VW. Vermutlich werden schon die Pflichtaufgaben den städtischen Haushalt überfordern, so dass ein Schuldenmachen unumgänglich ist, ohne dass dadurch jedoch reale Werte geschaffen werden. Für die Stadtentwicklung bedeutet dies: Die Politik - egal welcher Partei - wird nur einen minimalen Beitrag leisten können, da finanzielle Mittel nicht mehr vorhanden sind. Die einzige Hoffnung für Braunschweig besteht im bürgerlichen und unternehmerischen Engagement.

 

III

Ein Lösungsansatz! Was bedeuten diese Entwicklungen für die Stadtentwicklung? Wird es zu einer langwierigen Abwicklung von VW kommen, welche die Region in ein deutsches Detroit verwandelt? Oder ist die Krise von VW mit staatlicher Unterstützung in neue Technologien zu bewältigen? Wir wissen es nicht. Was zurzeit getan werden kann, liegt jedoch auf der Hand. Um die Stadt langfristig unabhängiger von VW zu machen, ist eine massive Unterstützung und Ansiedlung von jungen Start-Up-Unternehmen notwendig, besonders Unternehmen aus der Fertigung und Entwicklung und der Digitalbranche. Dank der Technischen Universität haben wir viele kluge Köpfe in der Region, denen Entwicklungsspielräume ermöglicht werden müssen. Dies wird eine Aufgabe der Politik sein, für die Fördermittel eingeworben werden können. Um Vorschläge aus dem neuen Stadtentwicklungskonzept umzusetzen, bedarf es jedoch der Beteiligung aller Unternehmen und Bürger aus der Region. Ein sinnvolles Konzept wäre die Entwicklung eines „Top-1000-Pools Stadtentwicklung“, eine Art Stiftung, die sich gezielt um Projekte der Stadtentwicklung kümmert. Eine weitere sinnvolle Idee ist die Gründung eines „Instituts für Stadtgestaltung“, das gezielt Bürgerinnen und Bürgern bei der Umsetzung ihrer Ideen hilft, zum Beispiel bei der Gestaltung von Crowdfunding-Seiten, bei der Pressearbeit und der politischen Umsetzung. Ebenso sinnvoll ist die konsequente Unterstützung von kleineren Initiativen wie zum Beispiel der Transition Town Bewegung und der vielfältigen Vereinslandschaft. Die Politik wird die heutigen Probleme nicht lösen, kann jedoch einen entscheidenden Beitrag zum Moderieren dieses bürgerschaftlichen und unternehmerischen Engagements beisteuern. Die Krise bietet die Chance, dass sich VW und die Region neu erfinden! Nutzen wir sie! Wir können das schaffen! Und ich weiß nicht, ob wir das schaffen, aber wir schaffen das!


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