Endlich: Demonstration für ausreichende und gesicherte Unterrichtsversorgung


"Kinder fördern und fordern!", lasen wir auf den Plakaten der FDP als Patentrezept. Mit diesem Stabreim also sollen alle schulischen Probleme gelöst werden. Die Schulen werden ja auch saniert, in der Tat längst überfällig und jahrelang von der Elternschaft gefordert. Davon wird aber auch nicht eine 2 mehr geschrieben, höchstens gibt es ein paar Harnwegsinfekte weniger, also für einzelne Kinder weniger Unterrichtsausfall. Keineswegs kompensiert das die von den PolitikerInnen seit Jahrzehnten betriebene Ausblutung der Bildung u.a. in Form von Unterrichtsausfällen. Einen nachweislich, eklatanten Unterrichtsausfall für alle Kinder beklagen die Eltern. Wie reagiert die Politik in Hannover darauf?

Mehr Unterricht in immer kürzerer Zeit lautet die Devise. Wir fühlen uns erinnert an die Zeiten der Planübererfüllung in der DDR. Die wenige Zeit, in der sich das Lehrpersonal nicht im Krankenstand befindet, ausnutzen und weitere Stunden hineinstopfen. Wir erinnern uns gerne: die Produkte aus der DDR waren selten lange funktionstüchtig und sorgten so unfreiwillig für Heiterkeit. Bei unseren Kindern aber hört der Spaß auf ! Trotzdem bleibt es beim Fordern statt Fördern, ein Abladen der Schuld auf die Schwächsten, letztendlich eine überforderung.

Kindern sind heutzutage mehr als je zuvor in einen professionell anmutenden Schulalltag eingespannt. Sie sind Profi-Kinder. Besonders betroffen sind die GymnasiastInnen. Die Zeit zum Abitur wurde von ehrgeizigen PolitikerInnen auf 12 Jahre gesenkt, dies allerdings ohne den Stoff zu kürzen. Zusätzlich müssen jetzt sog. AG-Punkte gesammelt werden, um überhaupt zum Abitur zugelassen zu werden. Was an der Basis los ist, wissen nur die Eltern oder LehrerInnen, die noch schulpflichtige Kinder haben. Vor allem die Kleinen kommen jetzt nach einem oft zehnstündigen Tag erschöpft nach Hause, zudem ausgehungert (denn das in der Tat schlechte Kantinenessen ist sein Geld nicht Wert; aber das ist eine andere Geschichte...). Weil das wohl immer noch nicht genug gefordert ist, müssen noch große Mengen an Hausaufgaben erledigt werden. Für die Kinder der fünften, sechsten und siebten Klassen bleibt also kaum noch Zeit zum Spielen mit Freunden. Diese Altersgruppe bekommt die neue Regelung mit aller Härte zu spüren. Die Auswirkungen betreffen die ganze Familie. Unter der Woche findet kein Familienleben mehr statt, man sieht sich noch zum Frühstück und isst, wenn überhaupt, gemeinsam Abendbrot, nachdem die Eltern noch Vokabeln abgehört und Aufgaben erklärt haben. Am Wochenende ist dann endlich ein wenig Zeit zum Spielen mit Freunden, aber kaum für Familienleben, denn auch jetzt muss noch für irgendeine Arbeit gelernt werden.

"Nichts ist schlimmer, als der Jugend Schulden zu hinterlassen", so wird Hoffmann auf der Homepage der CDU zitiert.
Abgesehen davon, dass er der Jugend mittels verdeckter Kredite und Gebührenverpfändung der Abwasserwirtschaft Schulden in Höhe von mehreren hundert Mio. € für die nächsten 30 Jahre aufgehalst hat, gibt es doch noch Schlimmeres: zum Beispiel der Jugend die Chance zu nehmen, sich später selbst ernähren zu können, durch einen guten Beruf, auf der Grundlage einer guten Schulausbildung. Die Basis dafür ist auch ein gutes, gesundes Nervenkostüm. Was davon allerdings in 8 Jahren bei den AbiturientInnen noch übrig ist, wenn überhaupt noch welche übrig sind, wird hoffentlich eine Studie offen legen.

Den Kindern auf so vielfältige Weise das Wasser abzugraben, ist nicht mehr nur eine "Jugendsünde" in völlig neuer Bedeutung, sondern eine unentschuldbare Versündigung an der Jugend !

Die Elternschaft der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule in Braunschweig will das nicht länger hinnehmen. Sie sind die InitiatiorInnen der „Demonstration für ausreichende und gesicherte Unterrichtsversorgung“, die Anfang nächsten Jahres stattfinden soll. Jahrelang war Vergleichbares aus der bis hierhin eher phlegmatischen Elternschaft Braunschweigs nicht zu vernehmen. Denn wenn Eltern zum Elternabend gehen, sich auf ein Stühlchen setzen und die Lehrerin das Klassenzimmer betritt, werden sie durch eine wundersame Macht selbst wieder zu Kindern: Trauen sich nicht, den Mund aufzumachen, bleiben auch noch stumm, wenn ihren Kindern von ganz oben Ungerechtigkeit wiederfährt. Erst nach Aufforderung folgt die wichtigste und häufigste Frage: „Welche Gewichtung hat bei Ihnen die mündliche Mitarbeit?“

Die neue Initiative bestehend aus Schüler- und Elternrat der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule Braunschweig lädt Anfang November zur Vorbereitung der Demo ein. Die Mitarbeit aller Eltern und Schulen ist ausdrücklich erwünscht, mündlich und tatkräftig. Zugabe sei ein Brief an die Landesschulbehörde.

Ort: Aula der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule (ehem. Sackringbad)
Zeit: Di, 7.11.2006, 20 Uhr

Flyer der Veranstaltung
Musterbrief an die Landesschulbehörde

Weitere Infos: Stadtelternrat


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