Wenn die Untoten reden, werden wir auf dem Friedhof die Wahrheit ausgraben.

Die Jubelhymnen der letzten Tage in der Braunschweiger Zeitung und die einseitige Berichterstattung über die Auswirkungen der Schloss-Arkaden auf die Innenstadt, werden für viele Bürger inzwischen unerträglich. Das ist ja der alte unrecherchierte und devote BZ-Stil aus vergangenen Jahren unter dem Chefredakteur Raue, wird dem Braunschweig-Spiegel zugetragen. Der entschließt sich, die Kritiker zu Wort kommen zu lassen, denn Vieles, insbesondere von Ex-OB Dr. Hoffmann, darf nicht unwidersprochen bleiben, um der Legendenbildung etwas entgegen zu setzen.

Vieles aus damaliger Zeit ist im Braunschweig-Spiegel dokumentiert. Einen Teil werden wir ausgraben. Dafür ist der B-S vor etwa 10 Jahren gegründet worden. Wenn die Untoten reden, werden wir auf dem Friedhof die Wahrheit ausgraben. (um)

1. Folge

Dieser Satz in der Braunschweiger Zeitung machte mich schon am frühen Morgen hellwach. Mein Blick fiel auf die breite Zeile in der BZ: “Innenstadt profitiert vom Schloß:“ Doch nicht bei uns, denke ich! Das kann doch nur ein verfrühter April-Scherz sein, denn das, was alle sehen können sind eher die Ratten, die das sinkende Schiff verlassen.

Als die Schloß-Arkaden mit der Schloßfassade vor gut 10 Jahren im Gespräch waren, gab es viele erhobene und warnende Zeigefinger. So ein Projekt schadet unserer Innenstadt. Die Miesmacher hatten keine Chance; mit einer Stimme Mehrheit wurde ein gigantischer Baukörper mit Parkhaus, mit Schloßfassade und Geschäften erbaut, die zum größten Teil schon in der Innenstadt vorhanden waren. Jetzt nach 10 Jahren hat es sich bewahrheitet, was viele sagten und befürchtet wurde: unsere Innenstadt ist ärmer geworden. Viele schöne Geschäfte mussten Billigläden weichen, oder es kam immer wieder zu Leerstand. Im Gebiet Sack brechen seit Jahren die Umsätze ein, wie Geschäftsinhaber sagen. Die Mieten sind im Fall.

Zwei Geschäfte der gleichen Art waren für die Betreiber von Ketten zu viel. Also trennte man sich von einem – oft in der Innenstadt. Diese Entwicklung hat sich nicht von heute auf morgen ergeben, aber sie war vorhergesagt. Es ist traurig, wenn man durch die Stadt geht, und sieht, was es alles nicht mehr gibt, und man sich erinnert, wie schön die Passagen mal waren. Der Welfenhof war damals schon etwas Besonderes. Auf einem Trümmergrundstück entstand ein Komplex mit Hotel, Wohnungen und Geschäften, in denen man auch Dinge kaufen konnte, für die man sonst nach Hannover fuhr. Die Stadt bekam eine Tiefgarage. Zur Einweihung war der NDR da, mit Carlo v. Thielemann.

Was war es doch eine schöne Zeit, wenn am Sonntagnachmittag Tanzgruppen im Welfenhof zu Gast waren. Die Stadt lebte auch am Sonntag. Da brauchte man keinen verkaufsoffenen Sonntag, um Menschen in die Stadt zu locken.

Mitte der 80-er Jahre kam dann die Burgpassage dazu. Auch hier gab es buntes Treiben und viele schöne Geschäfte mit einem guten Angebot, und einmal im Monat Jazz. Die Burgpassage bebte, wenn Billy Mo seinen Tiroler-Hut hervorholte. Die schöne Braunschweiger Innenstadt lebte und war stark in den Umsätzen und im Angebot.

Diese kostenfreien Vergnügungen waren nicht etwa ein Geschenk der Stadt Braunschweig, sondern eine Geste der Dankbarkeit der Geschäfte für die Treue der Kunden. Die Stadt hat davon profitiert, und die Geschäftsleute haben dafür einen nicht unerheblichen Betrag monatlich in die Werbegemeinschaft eingezahlt.

Auch das alte Hertie-Haus wurde umgebaut und wurde zum Citypoint. Fast Jeder fand hier das, was er suchte. Es war immer ein reger Betrieb in dieser Gegend.

Doch schon lange vor Eröffnung des sog. „Schlosses“ verließen einige Geschäfte die Passagen, um sich neu zu orientieren und den Anschluß im „Schloß“ nicht zu versäumen. Vielleicht erhoffte man, hinter dem Vorhängeschloss mehr Geld verdienen zu können. Nach und nach verschwanden die hübschen Läden, und die Inhaber der Immobilien waren froh auch kurzfristige Mietverträge machen zu können. Doch in den Passagen sieht es jetzt trist aus. Es herrscht sehr viel Leerstand, und offenbar weiß niemand so richtig, wie es weitergeht.

Was vorausgesagt wurde, dass die Innenstadt keine zusätzlichen 30.000 qm Verkaufsfläche verträgt, ist eingetreten. Unsere schöne Innenstadt ist am Sonntag eine Geisterstadt, bis auf wenige Ausnahmen.

Das von dem damaligen OB Dr. Hoffmann versprochene Schloss haben wir auch nicht bekommen, sondern nur eine Fassade auf drei Seiten. Das hätte Disneyland besser gemacht.

Dafür haben wir die höchste Quadriga Deutschlands. Eines der bekannten kostenträchtigen „Geschenke“ mit Einnahmemöglichkeit der Borek-Stiftung.

Für all das wurden doch gern Jahrhunderte alte Bäume gefällt, damit man eine Schloßfassade präsentieren kann. Keiner der Verantwortlichen, und schon gar nicht Hoffmann oder die Braunschweiger Zeitung werden zugeben, daß die Rechnung nicht aufgegangen ist. Die Zeche zahlen die Innenstadtkaufleute und ECE kassiert.

Die „Schloß-Arkaden“ werten die Innenstadt auf, sagt Herr Meier von der IHK. Sie haben sich als segensreich erwiesen. Seit wann sind Insolvenzen ein Segen? Die ganze Stadt profitiert von den Arkaden, mit Nachteilen für Einige, meint Herr Hoffmann. Herr Maus, der Chefredakteur der BZ, kann ihm in den Veranstaltungen noch so oft das Wort erteilen, damit er seine Taten selbst bejubeln kann. Unsere Innenstadt hat massiv Schaden erlitten. Davon kann sich jeder tagtäglich überzeugen.

Wer mehr Informationen haben möchte über das Braunschweiger "ECE-Schloss" und zusätzlich über die Konzepte des ECE-Konzerns, der ist eingeladen diesen NDR-Bericht aufzurufen.

 

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