Schönheitswettbewerb der Balkone: Ein Ritual von vorgestern

 

Quelle: BUND

Der alljährlich wiederkehrende Schönheits-Balkonwettbewerb steht auch in diesem Jahr wieder an. Es ist einfach ein schöner Wettbewerb, der Herzen und Geldbörse öffnet. Schließlich geht es um Blumen, und wer mag die nicht. Sie sind Symbol für Reinheit, das Schöne schlechthin. Sie stehen für das "Natürliche", was immer das auch sei. Ja, bei manchen Pflanzenarten, wie die rote Rose, steht sie gar für immerwährende Liebe. Insofern tut Herr Jonscher von der BZ recht, wenn er alljährlich vom Schönheitswettbewerb des Stadtmarketings mit der Baugenossenschaft berichtet. Ein Wohlfühlthema! Miesepetrige Kritik ist nicht angebracht. Sicher nicht, aber vielleicht einige zarte Hinweise, der zarten Blüten angemessen.

Nein, ich will nicht kritisieren, aber auf einige durchaus wichtige Dinge hinweisen, die bei einer Bewertung des Balkons einfließen sollten, zumal Schönheit relativ ist. Was fehlt ist die Bewertung der umweltgerecht gekauften und gepflegten Blumen- und Blütenpracht. Da stehen Fragen an wie:

Kommen die Pflanzen aus einer umweltgerechten Produktion? Bewertet wird dabei auch die Herkunft der verwendeten Jungpflanzen, denn der Transport setzt klimaschädliche Gase frei. Heimische Produktion ist da schon besser. Das Substrat (Erde) muss bewertet werden, denn Torf wird aus schützenswerten Mooren gewonnen. Kommen die Pflanzen vielleicht aus einer Bioproduktion? Womit werden sie gedüngt? Werden sie in einem Plastiktopf gekauft, welcher Pflanzenschutz wird durchgeführt und wie werden die Pflanzen im Herbst entsorgt? Viele wichtige Fragen, die über den Wettbewerb in die Bevölkerung getragen werden können.

Blumen auf den Balkonen können in der Stadt zudem eine wichtige ökologische Funktion im Artenschutz erfüllen, wenn die richtigen Pflanzen verwendet werden. Bienen und Hummeln sind bekanntlich gefährdet. Für die Wildbienen ist es bereits 10 nach 12. Mit wenigen Mitteln kann jede/r Balkonbesitzer/in etwas für sie tun.

Die Stadt ist für Wildbienen ein Ersatzlebensraum geworden, denn durch das Ausräumen der Landschaft durch die Landwirtschaft, finden die Bienen kaum noch Nahrung. Die Stadt ist ein Ersatzlebensraum geworden. Das Nahrungsangebot sollte in der Stadt also reichhaltig und vielfältig sein.

Auch wer nur einen kleinen Balkon hat, kann zum Beispiel Glockenblumen pflanzen, die werden von Wildbienen gerne angenommen. Auch Hummeln gehören zu den Wildbienen. 18 Arten leben hier. Sie sind sehr gefährdet. Sie brauchen Nahrungspflanzen mit ungefüllten Blüten, und davon möglichst viele, weil die rel. schweren Hummeln viel Energie brauchen. Außerdem können sie auch bei Kälte fliegen. Welche Pflanzen bienenfreundlich sind, kann beim BUND in einer Liste eingesehen werden.

Die Braunschweiger Umweltzeitung hat 2016 ein ganzes Heft den gefährdeten Bienen gewidmet.

Mann und Frau könnten viel tun für den Artenschutz in unserer Stadt. Packen wir`s an, und verändern den Blumenbalkon-Schönheitswettbewerb hin zu mehr Lebensqualität - auch für die Bienchen.

 

 


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