Auf nach Europa? Nein, nach Afrika

Zig Millionen Afrikaner kämen bald nach Europa, sagt der EU-Parlamentspräsident. In Wahrheit migrieren die meisten innerhalb Afrikas. Die Panik-Prognosen taugen nichts.

Krieg, Terror, ökologische Krisen und Armut trieben die Menschen aus Ländern südlich der Sahara in Richtung Norden, warnte zum Beispiel gerade der Präsident des Europäischen Parlaments in einem Interview mit der Zeitung Die Welt. Bis zu 30 Millionen Afrikaner könnten schon innerhalb der nächsten zehn Jahre in die EU kommen, sagte Antonio Tajani von der konservativen Forza Italia.

Solche konkreten Daten vermitteln den Anschein einer genauen Hochrechnung und schüren Ängste vor unbewältigbaren Fluchtbewegungen. Dabei sagten sie die Zukunft nur "etwa so präzise voraus wie Bauernregeln", sagt der Migrationsexperte Benjamin Schraven vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Viel zu viele Unwägbarkeiten und fragwürdige Annahmen lägen den Zahlen zugrunde. Wie ungewiss etwa Aussagen über Umweltmigration sind, zeigt ein Atlas zu diesem Thema, der in wenigen Tagen erscheint. Die Schätzungen über ihr künftiges Ausmaß liegen um ein Mehrfaches auseinander.

Das Bild von der Völkerwanderung in Richtung Europa verzerrt auch die Gegenwart, kritisiert Jochen Oltmer, Migrationsforscher von der Universität Osnabrück. Denn die allermeisten Flüchtlinge und Migranten wandern gar nicht übers Meer nach Norden und Westen. Vielmehr bewegen sie sich innerhalb des eigenen Kontinents. Für diesen Teil der Wirklichkeit fehle Europa in seiner "realitätsverweigernden" Konzentration auf die Abwehr neuer Ankömmlinge allerdings die politische Aufmerksamkeit.

Die meisten Flüchtlinge leben bei den Armen

 

 

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