Leserbrief: Alles Fantasy - ehemaliger Schloss-Park nur eine Fata Zaunana?

Kaufte schon Heinrich der Löwe seine eherne Unterwäsche im "Schloss"? ... Zum Ernst-Johann-Zauner-Artikel über den Grundwasserstand im Magniviertel, in dem festgestellt wurde, dass "seit Jahrhunderten hohe Grundwasserbeeinflussung durch die Schloss-Arkaden" nachgewiesen sei, erreichte uns folgender Leserbrief:

Ein Artikel in der Braunschweiger Zeitung vom 26. Juli d.J. hat mich, der ich erst seit ca. 20 Jahren in dieser Stadt lebe, wankend gemacht, ob ich Euch/ Ihnen/ mir überhaupt noch glauben darf betreffs des Schlossparks.

4. IGS: Antworten an Heidermarie Mundlos

Antwort auf Heidemarie Mundlos von Ilona Lubitz und Urs Blanke

Sehr geehrte Frau Mundlos,

vielen Dank für Ihre Antwort zum Thema "Vierte IGS in Braunschweig". Zu Ihren Ausführungen möchten wir einige Anmerkungen machen:

1. Den von Ihnen angestellten Vergleich zwischen Ihren früheren Bemühungen, für Ihre Kinder die Zeit an einer Orientierungsstufe zu umgehen, und der Tatsache, dass heute viele Eltern vergeblich auf einen Platz an einer IGS hoffen, halten wir für unangemessen. Schließlich ist es doch ein erheblicher Unterschied, ob ein Kind die gewünschte Schulform etwas später - wie im Fall Ihrer Kinder - oder gar nicht besuchen kann - wie die Schüler, die von den Gesamtschulen abgelehnt werden mussten.

In Sachen 4. IGS: "Offene" Antwort auf einen "offenen" Brief

Kürzlich veröffentlichten wir hier einen "offenen" Brief an die Landtagsabgeordnete Heidemarie Mundlos. Frau Mundlos gab eine "offene" Antwort:



Sehr geehrte Frau Dr. Lubitz, sehr geehrter Herr Blanke,
nun komme ich dazu Ihnen zu antworten. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich dies nicht in der Form eines "normalen" Briefes tue, sondern auf Ihre Darlegungen direkt an den Stellen unten in Ihrem Schreiben eingehe:


I. Lubitz / U. Blanke:
Sehr geehrte Frau Mundlos,
als Eltern eines zukünftigen Fünftklässlers sind wird sehr froh, dass unser Sohn durch Losglück einen Platz an einer der drei Braunschweiger Gesamtschulen erhalten hat. Wie viele andere Eltern auch sind wir nämlich davon überzeugt, dass eine IGS die besten Bedingungen für die zukünftige Entwicklung unseres Kindes bietet.

H. Mundlos:
Ihre überzeugung respektiere ich selbstverständlich. Leider hatte ich für keines meiner drei Kinder nach der 4. Klasse auch nur die Chance auf einen Platz im gegeliederten Schulwesen, den wir uns sehr gewünscht hätten. Allen Bestrebungen - wenigstens versuchsweise - 5. und 6. Klassen an den weiterführenden Schulen einzurichten wurden von der damaligen Landesregierung brüsk zurückgewiesen, meist mit dem Hinweis auf die "Gesetzeslage". Ich kann Ihre Freude über den ergatterten Platz an Ihrer Wunsch-Schule also verstehen und gratuliere Ihnen.


I. Lubitz/ U. Blanke:
Bei unserer morgendlichen Zeitungslektüre hat es uns heute dann aber fast die Sprache verschlagen. Obwohl laut Braunschweiger Zeitung die Gesamtschulen 328 Bewerber, also 46 Prozent, ablehnen mussten, sehen Sie als hiesige Landtagsabgeordnete keinen Bedarf für eine vierte IGS in Braunschweig. Das, sehr geehrte Frau Mundlos, können wir beim besten Willen nicht verstehen, denn Ihre Begründung erscheint uns wenig überzeugend. Sie bezweifeln, dass die veröffentlichten Zahlen richtig sind, und verweisen darauf, dass angeblich Eltern Ihre Kinder auf allen drei Gesamtschulen angemeldet hätten.

Die von Ihnen geforderte Auswertung durch die Schulbehörde wäre zu begrüßen, damit an dieser Stelle Klarheit herrscht. Wir selbst haben unser Kind nur auf einer und nicht auf allen Gesamtschulen angemeldet, genau wie andere Eltern aus unserem Bekanntenkreis. Wenn überhaupt, so wird es sich bei den vermuteten Mehrfachanmeldungen nur um Einzelfälle handeln, die im Grunde aber auch belegen würden, wie groß der Bedarf bzw. der Wunsch nach einem IGS-Platz tatsächlich ist.

H. Mundlos:
Ich habe (leider) sehr glaubwürdige Hinweise von Eltern auf Mehrfachanmeldungen bekommen und empfinde es als meine Pflicht, der Sache auf den Grund zu gehen. Allerdings ist dieser Gesichtspunkt, da es sich vermutlich um nicht allzuviele Fälle handelt, eher nachrangig. Zeitungsartikel sind nun mal verkürzend in ihren Aussagen, und oft reduziert sich dann alles auf einen einzigen Satz.

Viel wichtiger ist für mich die Frage nach der Zusammensetzung der Anmeldungen und der Ablehnungen:
Das pädagogische Konzept der IGS beruht nämlich gerade auf der Leistungsheterogenität der Schülerschaft mit einer möglichst gleichmäßigen Verteilung hinsichtlich der Grundschulempfehlungen. So bemüht man sich meist, je ca. ein Drittel Schüler mit Hauptschul-. Realschul- und Gymnasialempfehlung aufzunehmen, die man "insgesamt" bzw. "gemeinsam" unterrichtet - deshalb heißt diese Schulform ja gerade "Gesamtschule". Wenn diese Drittelung der Grundschulempfehlungen unter den angemeldeten Schülern aber nicht vorhanden ist, sondern überwiegend Schüler mit Hauptschulempfehlung zur IGS wollen, dann wird meist ein "quotiertes" Losverfahren verwendet, das in der Regel dazu führt, dass fast alle Gymnasialempfohlenen und die meisten Realschulempfohlenen aufgenommen werden, während Hauptschulempfohlene überwiegend abgelehnt werden. So kann die Chance für ein "Gymnasialkind", an einer IGS angenommen zu werden, durchaus 10-mal so groß sein wie für ein "Hauptschulkind". Das Motto der IGS "Fördern und nicht aussortieren" wird hier derart ins Gegenteil verkehrt, dass man von Täuschung sprechen könnte.

Der Vorwurf der "Selektion", der von IGS-Befürwortern gern dem gegliederten Schulwesen gemacht wird, fällt so auf sie selbst zurück: Die IGS selektiert - und zwar vor Eintritt in die Schulform IGS. Sie sichert sich damit die Leistungsmischung und entledigt sich zugleich der Mehrzahl der lern- oder verhaltensauffälligen Kinder, die zur Hauptschule weitergereicht werden und dort aufgenommen werden müssen.

Fazit: Nicht allein die Anzahlen der angemeldeten, angenommenen und abgelehnten Schüler geben Aufschluss über den Bedarf für eine weitere IGS, sondern zusätzlich die angemessene Leistungsmischung hinsichtlich der Grundschulempfehlungen.


I. Lubitz / U. Blanke:
Insgesamt drängt sich uns aber der Verdacht auf, dass es in Wirklichkeit gar nicht um die Anmeldezahlen geht. Wäre es nicht ehrlicher, sehr geehrte Frau Mundlos, offen zu bekennen, dass Sie die Gesamtschule für die falsche Schulform halten, anstatt sich hinter vermeintlichen Ungenauigkeiten in der Statistik zu verstecken? Dann aber müssten Sie vermutlich zugestehen, dass Sie aus ideologischen Gründen den Braunschweiger Eltern das Recht auf eine freie Schulformwahl verwehren. Oder wollen Sie behaupten, dass alle Eltern, die für Ihr Kind einen Platz an einer IGS in Braunschweig wünschen, diesen auch bekommen?

H. Mundlos:
Dass ich kein Anhänger der Schulform IGS bin, haben Sie richtig erkannt. Dennoch respektiere ich andere Auffassungen und habe mich in der Vergangenheit auch immer wieder schon für Eltern eingesetzt, die aus bestimmten Gründen ihr Kind auf eine IGS schicken wollten. Ich habe allerdings auch erlebt, dass IGSn solche Eltern, die ihr Kind von einer IGS auf eine andere Schulform umschulen wollten, regelrecht bedrängt und "geklammert" haben.

Zur vollständigen Beurteilung der Situation in Braunschweig benötige ich aber dringend mehr Informationen über das hier verwendete Losverfahren und die Zusammensetzung der aufgenommenen und abgelehnten Schüler. Nachdem vor einigen Monaten auch die Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule (GGG) mit der aus ihrer Sicht zu hohen Anzahl abgelehnter IGS-Bewerber in Niedersachsen operierte, erhoffte ich von dort eine Auskunft zu bekommen. Doch angeblich liegt der GGG nur die Aufschlüsselung für die angenommenen Kinder vor, nicht für die abgelehnten, weil "für eine statistische Auswertung keine Zeit" war. Ich muss also davon ausgehen, dass die Erfahrungen anderer Städte auch auf Braunschweig übertragbar sind: Dann würde die Schülerschaft einer vierten IGS zum größten Teil aus Hauptschulempfohlenen bestehen und die Schule wäre keine IGS mehr. Es wäre geradezu absurd, womöglich eine oder zwei Hauptschulen in der Stadt Braunschweig zu schließen und zugleich eine neue IGS zu gründen. Oder, um es etwas deutlicher zu sagen: Dann sollte man so ehrlich sein und eine der Hauptschulen umbenennen, wie wäre es mit "IGS-H"?. Ob man damit den Elternwünschen und -hoffnungen auf eine chancengerechte Beschulung ihrer Kinder entgegenkommen würde, ist allerdings zweifelhaft.

Abschließend muss ich Ihnen noch ehrlich sagen, dass der Wunsch von Eltern oder Kindern zwar ein hohes Gut ist, aber nicht jeder Wunsch ist erfüllbar. Dies gilt für alle "Dienstleistungen" des Staates, denn letztlich zahlt der Steuerzahler. In einem Flächenland wie Niedersachsen wird man deshalb zwei Schulsysteme nie in der Form vorhalten können, dass ein "Recht auf freie Schulformwahl" ohne jegliche Einschränkung und überall erfüllt werden könnte. Wer dies verspricht, spielt nicht mit offenen Karten. Ich bin schon froh, dass seit 2004 wenigstens für alle Kinder ab Klasse 5 die Chance besteht, die gewünschte Schulform besuchen zu können und nicht mehr über 90% der Kinder auf die OS gezwungen werden.

Für durchaus sinnvoll erachte ich es, über eine Erweiterung der bestehenden IGSn Franz´sches Feld und/oder Querum nachzudenken. Eine Aufstockung zunächst um je einen Zug sollte möglich sein, um z. B. Härtefälle besser berücksichtigen zu können ohne die Leistungsmischung zu gefährden. Beide Schule könnten dann auch genügend viele Schüler für eine gemeinsame Oberstufe liefern. Und einer Aufstockung der Zügigkeit steht das niedersächsische Schulgesetz nicht im Wege.


Mit freundlichem Gruß
Heidemarie Mundlos

PS: Da Sie mir einen "offenen" Brief gesendet haben, möchte ich gern wissen, an wen Sie den Brief außer mir gerichtet haben, so dass ich auch den weiteren Empfängern meine "offene" Antwort zur Kenntnis geben kann.


Aktion 4. IGS in Braunschweig - Aktuelles, offene Briefe, Leserbriefe

CDU/FDP ist verantwortlich: Braunschweiger Gesamtschulen habe keinen Platz – 328 Ablehnungen in diesem Jahr
von Dr. Uwe Meier

Die neuen Zahlen sind geradezu skandalös. 702 SchülerInnen haben Eltern in den drei Braunschweiger IGS angemeldet, weil sie von der zukunftsorientierten Pädagogik überzeugt sind. Die Eltern sind zu Recht empört: 328 Ablehnungen gibt es, denn es standen nur 374 Plätze zur Verfügung. Zu verantworten hat das die Landesregierung in Hannover und ihre CDU/FDP-Mehrheit. Sie führte einen Paragrafen ins Schulgesetz ein, der das Einrichten von Gesamtschulen verbietet. Auch die CDU/FDP-Mehrheit im Braunschweiger Stadtrat ist zufrieden mit den 328 Ablehnungen. Sie lehnte jedenfalls noch am 02.Mai 2007 einen Antrag der SPD ab, Gespräche mit der Landesregierung über eine Unterstützung der Gesamtschulen zu führen.

Und das alles in einer Stadt, in der als einziger Schule Niedersachsens, der Braunschweiger Integrierten Gesamtschule Franzsches Feld, durch die Verleihung des Deutschen Schulpreises 2006 herausragende pädagogische Fähigkeiten bescheinigt wurden. ...

Schlappe für ECE: Berufungsantrag gegen Verbreitung des Buches "Angriff auf die City" gescheitert

Der Hamburger Einkaufscenterentwickler ist mit seinem Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen das Buch "Angriff auf die City", in dem auch die Begleitumstände des Braunschweiger Einkaufscenters kritisch durchleuchtet wurden, gescheitert. ECE hatte vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht gegen das erstinstanzliche Urteil des Hamburger Landgerichts Berufung eingelegt. Nach der bemerkenswerten Berichterstattung der Braunschweiger Zeitung über die erstinstanzliche Entscheidung wird deren Beitrag über das neuerliche Urteil mit großer Spannung erwartet.
Wen die journalistische Begleitung der Debatte um das Braunschweiger Einkaufszentrum in den vergangenen Jahren verwundert hat, dem sei folgender Beitrag des Politmagazins "Frontal 21" empfohlen:
http://www.heute.de/ZDFde/inhalt/1/0,1872,1001633_idDispatch:5326283,00.html
sowie http://www.heute.de/ZDF/download/0,5587,5002630,00.pdf

Presseerklärung des Droste-Verlags vom 29.06.2007

Der wahre und der echte Heino

Noch erfreulicher als die Tatsache, dass Braunschweig nun auch ein eigenes Monopoly hat, ist, dass das Stadtmarketing, das bisher nicht gerade durch Konzeptstärke (siehe hier) von sich Reden machte, aufmerksam auf Unser Braunschweig liest. Denn prompt wurde unsere „Anregung“ (siehe hier), eine Sonderedition in Auftrag zu geben in die Tat umgesetzt. Wie von uns erwartet grübelte man im Chateau Charlatane: „Wir haben uns sehr bemüht, alle für Braunschweig einschlägigen Straßen, Plätze und Gebäude aufzunehmen – das waren eine ganze Menge, und die Auswahl wahrlich keine einfache Entscheidung.“, sagt Susanne Novy vom Stadtmarketing.

Wir können uns vorstellen, mit wie viel Schweißperlen auf der Stirn das Problem Schlossallee behandelt wurde. Da hätten wir gerne mal Mäuschen gespielt! Aber das Ergebnis dieser Bemühungen entspricht doch letztendlich ganz unseren Erwartungen, sind sie doch über alle Fallschnüre, die natürlich nicht wir gespannt haben, gestolpert.

Nun ist es also amtlich: Die Burg Heinrichs, bzw. die Burg-Attrappe Ludwig Winters ist das wahre Schloss. Das ECE-Center ist nur ein Echtes Chateau d' Einkauf.

Leid tut es uns wahrlich um den Bohlweg, der erst keine Parkstraße, und dann nicht mal eine Schlossallee sein durfte. Ein echter und wahrer Verlierertyp. Ganz so wie der, der im wahren Leben diese Ereigniskarte zieht: „Lasse alle Deine Schlösser renovieren.“ Dann wünschte diese Person, weder eine wahre noch eine echte SchlossbesitzerIn zu sein.

Leserbrief zu "Korvette Braunschweig nach Probefahrt wieder zurück" (nicht abgedruckt)

Braunschweiger Zeitung vom 15.06.07, von Ernst Johann Zauner

Braunschweig ist Patenstadt für ein Kriegsschiff. Patenschaft meint, es soll „die enge Bindung an die Patenstadt dokumentiert werden“ (Zauner 15.6.07). Braunschweiger/innen sollen also Sympathie entwickeln für ein militärisches Gerät. Solche Meinungsmache ist angesichts der deutschen Geschichte mindestens problematisch. Die BZ sollte darüber aufklären für welche Art von Waffen hier um Sympathie von Braunschweiger/innen geworben wird.

Laut U. Cremer/D.S. Lutz: Die Bundeswehr in der neuen Weltordnung. Hamburg 2000. S. 129 ist eine Korvette mit Marschflugkörpern von 200 km Reichweite ausgerüstet um „Landziele“ beschießen zu können. Das Schiff hat eine Reichweite von 4000 km und kostet ohne Waffen € 190 Mio.. Wer darüber informiert ist, könnte fragen: „Was hat solch ein Schiff mit „Verteidigung“ zu tun? Sollte es im Namen der Braunschweiger/innen auf den Weltmeeren kreuzen und ggf. andere Länder beschießen?“

Informationen über Bewaffnung und Einsatzzweck erhalten BZ-Leser/Innen nicht. Stattdessen berichtet die BZ auf welchen städtischen Feiern die Korvette-Besatzung eingeladen, dass eine 12 Quadratmeter große „Braunschweig-Flagge“ gehisst wurde, dass ein Beiboot auf den Namen „Eintracht“ getauft werden soll und dass die Besatzung so gastfreundlich war, Studenten aus unserer Stadt einzuladen.

Ich als Braunschweiger möchte nicht, dass ein Kriegsschiff mit Angriffswaffen mit dem Namen meiner Stadt weltweit vor den Küsten anderer Länder kreuzt.

Joachim Kleppe 17.06.07

Ein Himmelskonzert als Kammerspiel

- Zur Aufführung von Stockhausens Helikopter Streichquartett in Braunschweig

Die Ankündigung
Ein Konzert der technischen Superlative: "Vier Helikopter plus Piloten und Tontechnikern, vier Kameras mit vier Sendern in den den Helikoptern und Bodenpersonal, ein Streichquartett, ein Auditorium mit vier Fernsehwänden und vier Lautsprechersäulen und ein Klangregisseur mit Mischpult garantieren ein einzigartiges Klangerlebnis." So die reißerische Ankündigung der Veranstalter. Und das alles "vor der imposanten Kulisse des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg." Dazu die Betonung der Schwierigkeiten, die es kostet, die 4 Streicher zu synchronisieren und die Musik aus den Helikoptern hin zum Mischpult zu senden. So eine Ankündigung erinnert fatal an eine Außenwette von "Wetten-Das". Entsprechend groß meine Befürchtungen im Vorfeld, nichts als ein Spektakel geboten zu bekommen, bei dem die Meisterung technischer Probleme im Vordergrund stehen würde, die dann zu allem überfluß auch noch zu avantgardistischer Verknüpfung von Mensch, Maschine und Musik hochstilisiert würde.

Das Konzert

Nach einer Einführung von Musikdirektor Weller zum Verhältnis von Mensch zu Maschine werden die 4 Streicher vorgestellt, die kurz darauf zu den im Vorfeld stehenden Helikoptern gehen. Bald nach dem Start der Hubschrauber wird die Tür des Hangars

Helikopter Streichquartett - einige szenische Eindrücke

Musikdirektor Weller verschmolz die Sphären von musikalischem Klang und technischem Geräusch vorab in einem einleitenden Vortrag zum Atmosphärischen

und trug vor, was für ihn die Quintessenz des Streichquartettes in der tonalen Auseinandersetzung der Musikinstrumente mit den Hubschrauberrotoren ausmacht. Er griff zu einem szenischen, bildlichen Beispiel. Auf dem Hasenfries des Kaiserdoms von Königslutter fesseln zwei Hasen ihren Jäger: die Technik, mit der wir, die Jäger, die Welt beherrschen wollen, überwältigt uns und macht uns selbst zu Gejagten der Technik.

Darf Stadt Bein zeigen?

Grüne und Gleichstellungsbeauftragte sind offenbar der Meinung, Frauen würden durch diese Abbildung von Frauenbeinen herabgewürdigt, denn: "die Frauenbeine stehen nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Produkt, für das es wirbt" - so die Aussage. Das Produkt, für das geworben wird, ist die "Einkaufsmöglichkeit" in Braunschweig - d. h. die Möglichkeit, die Braunschweig nackten Frauenbeinen bietet, mittels überlassung eines kleineren oder größeren Geldbetrages ein kleineres oder größeres Stück Textil zu erwerben, mit dessen Hilfe man den Körper bzw. das Körperteil vom Zustand der Nacktheit in den der Verhülltheit versetzen kann. Ich denke, es kann ein legitimes Ansinnen von Frauen sein, die von nackten Beinen getragen werden, diese auf die eine oder andere Weise teilweise oder ganz zu verhüllen und ich denke, das Versprechen, dass Braunschweig die Möglichkeit bietet, ein solches Ansinnen in die Wirklichkeit zu überführen, ist folgerichtig und sachgerecht ins Bild gesetzt worden. (Deswegen muss man das Bild ja nicht unbedingt mögen.)

Ralf Ehlers schreibt und meint nun, dass es bei der Reaktion der Grünen um "Aufrechterhaltung überkommener Herrschaftsverhältnisse von Frauen über Männer" geht - wenn ich das richtig verstehe.

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Wie auch immer: ich möchte nicht in einer Republik leben, in der es Frauen verboten ist, in der Öffentlichkeit "Bein zu zeigen", wenn sie es denn möchten. Kann doch ein nacktes Gesicht eine viel eroterische und "anziehendere" Wirkung haben als ein nacktes Bein. Dennoch (vielleicht auch deshalb) möchte ich auch nicht in einer Republik wohnen, in der es Frauen verboten ist, in der Öffentlichkeit "Gesicht zu zeigen". Ein Gesicht kann solche Wirkung durch Verstärkung der Physiognomik (z. B. Lippenstift) und Mimik unwillkürlich oder willkürlich kontrolliert hervorrufen, wie Beine das durch Stellung, Bewegung und Bekleidung ebenfalls unwillkürlich oder willkürlich kontrolliert können. - Schlimm?

Im Anschluss einige nackte Beine, die Rubens ins Bild gesetzt hat. Gegenüber den Beinen in der Braunschweiger Werbung zeigen sie sich insofern depraviert, wie ihnen kein kleidsames Textil zur Hand liegt, das es ihnen erlauben würde, ihren Körper vom Zustand der Nacktheit in den Zustand der Verhülltheit zu überführen.

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