30 Jahre Friedenszentrum

Fast alle Mitglieder und Freunde des Friedenszentrum waren in den Speicher der Volkshochschule gekommen.

Es war erstaunlich, wie viele Menschen unserer Stadt im Friedenszentrum mitwirken. Bekannt sind nur wenige, und die wirken im Hintergrund - selbstverständlich alle ehrenamtlich. Bis vor wenigen Jahren war Frieder Schöbel DAS Gesicht des Zentrums. Doch er alleine hätte wenig ausrichten können, wenn nicht viele kluge Köpfe und fleißige Hände mitgewirkt hätten. Man denke nur an Inge Gerlach, die mit dem Vorstandskollektiv verantwortlich ist für die beeindruckende Vortragsserie „WEGE ZU EINER KULTUR DES FRIEDENS“. Oder man denke an die sachkundig Engagierten, die Publikationen, Flugblätter und die EDV gestalten. Nun ist Frieder Schöbel seit einiger Zeit nicht mehr in Braunschweig. Die Leitung hat ein Kollektiv mit Elke Almut Dieter, Gudula Wegmann, Gabriele Canstein, Hubert Schipmann und Burkhard Jäger übernommen. Elke Almut führte durch das Programm.

Charmant, wie es ihre Art ist, wies sie auf die Mitbegründer des Zentrums wie Sigrid Probst, Helmut Weidemeier, Dr. Helmut Kramer und auf die vielen Friedensbewegten, die heute mitwirken, hin. Sie bekamen „Geschenke der Anerkennung“, eine gelbe Tulpe und eine Tafel „Braunschweig Schokolade“, die der Verein “Fair in Braunschweig“ vertreibt. Das passte, denn "Fair in Braunschweig" ist im Grunde auch ein Friedenszentum. Denn diesem geht es um Gerechtigkeit.

Natürlich wurden Dankesreden gehalten. Klaus-Peter Bachmann, SPD-Landtagsabgeordneter und Vizepräsident des Landtags, ist seit vielen Jahren Mitglied im Friedenszentrum. Er dankte den Engagierten im Namen des Landes Niedersachsen. Er sieht das FZ immer als Ort des Dialogs, insbesondere auch kontroverser Positionen. Wichtig sei ihm auch der Hinweis, dass das Zentrum die unverzichtbare Arbeit der Erinnerungskultur leistet.

 

Helmut Blöcker überbrachte als Bürgermeister die Grüße des OB Ulrich Markurth. Er hielt eine sehr beeindruckende, persönliche Rede, indem er zunächst an Wolfgang Borchert erinnerte, mit dem er verwandt ist. Er zitierte einen Teil des Gedichtes und „Die wiederkehrende Aufforderung Sag Nein!“

Ein kurzer Auszug:

Dann gibt es nur eins!
Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen - sondern Stahlhelme und Maschinengewehre. dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Büro. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Granaten füllen und Zielfernrohre für Scharfschützengewehre montieren, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Besitzer der Fabrik. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst statt Puder und Kakao Schießpulver verkaufen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

…..

Herr Blöcker erinnerte aber auch an die Hiroshima-Demos am heutigen Horoshima-Ufer, die Majors for Peace, an 49 Ausstellungen, die organisiert werden mussten und er betonte, dass mit den neuen Mehrheitsverhältnisse im Rat die Friedensarbeit wieder von der Stadt unterstützt wird.

Weniger wurde eingegangen auf die enormen Schwierigkeiten, die die Stadtverwaltung unter dem ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann gemacht hat. Dem Friedenszentrum hatte er die Zuschüsse gestrichen, wie so vielen anderen Initiativen unserer Stadt auch. (Hinweis der Redaktion: Das Streichen der Zuschüsse hat in diesem Jahr auch die AfD im Rat beantragt. ) Ziviles Engagement war nicht erwünscht, außer die Initiativen befassten sich mit der Victoria Luise-Vergangenheit in seinem Geschichtsverständnis. Die Zeit der Kriegsvorbereitung zum ersten Weltkrieg wurde jedoch vom Friedenszentrum mit begleitet.

Den Festvortrag hielt Dietrich Küssner mit einem Rückblick auf 30 Jahre Friedenszentrum. Auch er ist Mitglied im Friedenszentrum. Der Vortrag wird gesondert in den Braunschweig-Spiegel eingestellt.

Das Gesamtprogramm wurde mit Gitarre und Gesang begleitet von Hans W. Fechtel.

 


Homepage des Friedenszentrums: www.friedenszentrum.info