Der Schoko-Braunschweig-Löwe ist los

 

Der Schoko-Braunschweig-Löwe ist da – sowohl als zarteste Versuchung als auch als Symbol für Frieden und Gerechtigkeit.

Der Braunschweig-Löwe ist gekommen in 38er Schokolade. Rechtzeitig zum Weihnachtsfest, nach zweijähriger ehrenamtlicher Arbeit durch den Verein „Fair in Braunschweig“. Das Timing passte genau, was auch etwas dem Zufall geschuldet war, denn wer konnte ahnen, dass just zu diesem Zeitpunkt auch noch der Frieden in Kolumbien an die Tür klopft.

Da stellt sich doch die Frage, was Kolumbien mit dem Schokoladen-Löwen auf sich hat. Sehr viel, denn der Kakao für die Schokolade kommt aus Kolumbien, von 67 Kleinbauern aus dem südlichen Department Caquetá. Ein Gebiet im Amazonastiefland, das hinsichtlich Guerilla und Koka nicht unproblematisch, und daher benachteiligt ist.

Na ja, und dass Koka und Frieden zusammen hängen, dürfte bekannt sein. Jeder Kokastrauch, der rausgerissen wird, um dafür Kakao anzupflanzen, ist ein kleiner Schritt hin zum Frieden. Und aus diesem Kakao, wird die Schokolade für den Schoko-Braunschweig-Löwen von Schokoladen Eberhardt in Reichelsheim hergestellt. Diese Schokoladenmanufaktur importiert direkt zum doppelten Preis (vergl. zum Weltmarktpreis) den Kakao von den 67 organisierten Kleinbauern.

Natürlich ranken sich schon jetzt endlose abenteuerliche Geschichten um den Kakao, und damit um den Schoko-Löwen aus Braunschweig. Es beginnt bei der Suche nach dem Kakao in Kolumbien, über die Gestaltung des Löwen mit seiner ihm eigenen Problematik, bis hin zum Design des Kartons. Er dient auch als Infoblatt, auf dem alles Wesentliche zum Kakao und dem Löwen steht. Will man mehr Informationen, dann stehen in Kürze auf der Internetseite www.fair-in-braunschweig.de mehr Informationen zur Verfügung.

Den süßen Löwen gibt es in Braunschweig nun zu kaufen. „Fair in Braunschweig“ bietet ihn in diversen Geschäften, mit dem bekannten Logo an.

Am Donnerstag wurde der Schoko-Löwe offiziell den Bürgern der Stadt vorgestellt.

In der Ev. Akademie, Abt Jerusalem, war es um 19 Uhr so weit. Nach 850 Jahren erstmals der Löwe in Schokolade. Das klingt allerdings vermessen, denn der Kakao wurde erst Mitte des 16ten Jahrhunderts von den Europäern in Mittelamerika entdeckt. Dort bei den Mayas nannte man ihn „Theobroma“ (Trank der Götter). Entsprechend heißt die Kakaopflanze mit botanischem Namen: Theobroma cacao.

Pastor Dieter Rammler, Direktor der Ev Akademie Abt Jerusalem, begrüßt die Gäste im voll besetzten Franziskussaal (Foto: Axel Herrmann)

140 Bürgerinnen und Bürger wollten die Geburtsstunde des Löwen miterleben. Der Franziskussaal war voll besetzt. Der Direktor der Akademie begrüßte die Gäste. Joachim Hempel, ehemaliger Domprediger, ging in seinem spannenden Vortrag auf Herzog Heinrich (der Löwe) ein, der auch ins gelobte Land zog, ohne zu brandschatzen und in friedlicher Absicht. Er plünderte nicht, sondern war zu Gast am Hofe zu Byzanz.  Es war die Geschichte des Braunschweiger Löwen und die vom friedlichen Heinrich, und schlug damit eine Brücke zum Friedenskakao für Braunschweig.

Joachim Hempel gilt als Experte für den Braunschweiger Löwen (Foto: Axel Herrmann)

Wenn Joachim Hempel spricht, dann zieht er alle in seinen Bann. Seine Ausführungen über den Braunschweiger Löwen waren eindrucksvoll und unmissverständlich. (Foto: Axel Herrmann)

Aber wer hat denn nun den Schokoladen-Braunschweig-Löwen gestaltet - und wie? Es war ein schwieriges Unterfangen. Zunächst wurde er in Ton modelliert. Dann wurde eine Form abgenommen und daraus aus einem geeigneten Material der erste "Löwe" gegossen. Davon nahm der Schokolatier wieder eine Form ab, um danach den Löwen in Schokolade zu gießen. Und wie heißt denn nun der Gestalter des schwierigen Löwen?

Matthias Witte gestaltete den Löwen in Ton und hielt einen Kurzvortrag, wie er dem Löwen Gestalt gab. Der Tonlöwe war maßgebend für alle späteren Formen. Er betonte, dass er sich vollständig von des Form des Originals trennen musste, um eine Form zu entwickeln, die dem Original-Löwen ähnlich war, und als Braunschweig-Löwe hohen Wiedererkennungswert hat. (Foto: Axel Herrmann)

Um den Frieden und den Prozess nach dem abgelehnten Votum über den Friedensvertrag ging es der "Gesandte-Botschaftsrätin" der Republik Kolumbien, Juliana Gonzalez Rios. Sie sprach im hervorragenden Deutsch über die Friedensbemühungen in ihrem Land, über die gescheiterte Volksabstimmung, die den Frieden bringen sollte, über den neuen Vertrag und über die Zukunft des Landes, in dem die ungerechte Landverteilung als Ursache des Krieges überwunden werden muss.

Botschaftsrätin und stellvertretenden Botschafterin der Republik Kolumbien, Juliana Gonzalez Rios, bei ihrem Vortrag in der Akademie. (Foto: Axel Herrmann)

Der frühere deutsche Botschafter in Bogota gab Uwe Meier 2015 den Hinweis, dass Investitionen in den Kakaosektor Kolumbiens ein Beitrag zum Frieden sind. Das bestärkte MEIER den eingeschlagenen Weg fortzuführen. Dank an Juliana Gonzalez, dass sie mit ihrem Vortrag in der Ev. Akademie Abt Jerusalem zum Frieden in Kolumbien, einen wichtigen Beitrag leistete.

Uwe Meier (endlich entspannt) und Juliana Gonzalez freuen sich über ein erfolgreiches Projekt für Kolumbien und Braunschweig

Uwe Meier bei seinem Vortrag über die Suche des Friedenskakaos und die Urwaldgärten (Foto: Axel Herrmann)

Uwe Meier, Mitglied im Leitungsgremium (Konvent) der Ev. Akademie Abt Jerusalem, und Mitglied von „Fair in Braunschweig“ hielt einen Vortrag über seine langwierige und schwierige Suche nach dem Friedenskakao in Kolumbien. Er betonte in seinem Vortrag, dass der Kakao aus Kolumbien kommen sollte. Nicht nur weil er genetisch aus dem Grenzgebiet Kolumbien, Peru, Ecuador, Brasilien im oberen Amazonasbecken stammt, sondern auch, weil er einen Beitrag zum Frieden schaffen soll. Frieden, sowohl unter den Menschen als auch im Kampf gegen die Natur.

Ein "Urwaldgarten" mit vielen unterschiedlichen Nutzpflanzen. Der Kakao dient dem Verkauf auf internationalen Märkten. Alle anderen Pflanzen dienen dem heimischen Kochtopf oder dem lokalen Markt. (Foto Uwe Meier)

MEIER war es wichtig zu betonen, dass der Kakao nicht von Bio-Plantagen kommt, sondern aus den kleinen Urwaldgärten der Kleinbauern. Die pflanzen den Kakao traditionell mit vielen anderen Nutzpflanzen an, die die Familienökonomie stärken. Das System "Urwaldgarten" ist deutlich besser als "Bio", weil es die Biodiversität fördert und gegen den Klimawandel wirkt.

Endlose Geschichten begleiten nun diesen Friedenskakao bis nach Braunschweig zum Friedenslöwen: Abenteuer, mühselige Fortbewegung in schwierigem Gelände, Hitze, tropische Regengüsse und hoch interessante Menschen, einschließlich der Mystik der Arhuaco-Indigenen.

Prof. Jonas sprach zum Transformation Design. Zitat: "Tranformation Design begreift Gestaltung konsequent von menschlichen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen her und versucht, dabei weder in autoritätes Beglückungsgehabe zu verfallen noch die ökonomischen Randbedingungen zu vernachlässigen." (Transformagazine, 1. Ausgabe) (Foto: Axel Herrmann)

Es ist ein Glück, dass der Initiator des Kakao-Projekts, Uwe Meier, und das Institut für Transformation Design zusammengefunden haben. Studenten im Masterstudiengang befassten sich mit dem Kakao. Gemeinsam mit MEIER im Hintergrund und den Professoren Saskia Hebert und Wolfgang Jonas entwickelten sie „Chocotopia 2036“.

Die Studenten griffen Chocotopia in der Akademie auf und stellten in Wortbeiträgen das Projekt vor: Doch dazu ein extra Beitrag in den nächsten Tagen. Zur Vorbereitung

Noch einige Eindrücke

 Der Einführungsrede von Dieter Rammler wird von den Akteuren des Abends interessiert gelauscht. Von links: Uwe Meier, Juliana Gonzalez, Saskia Hebert, Wolfgang Jonas und Joachim Hempel (Foto: Axel Herrmann)

Als Dank für ihren Beitrag bekommt Senora Gonzalez von Herrn Rammler einen Schoko-Braunschweig-Löwen geschenkt. (Foto: Axel Herrmann)

Alle, die aktiv mitwirkten, bekommen einen "fairen" Braunschweig-Löwen. Auf der Verpackung steht alles drauf, was zur raschen Information wichtig ist. (Foto: Axel Herrmann)

Der Agrarwissenschaftler Prof. Daniel Chougourou aus Benin war interessierter Zuhörer und nach der Veranstaltung eifriger Diskutant. Hier mit Uwe Meier und Juliana Gonzalez. (Foto: Axel Herrmann)

 

Von links: Deniz Senyurt, Prof. Saskia Hebert, Franzisca Rojas-Bergan, Prof. Wolfgang Jonas, Uwe Meier, Juliana Gonzalez, Lucas Kuster, Yibo Zhang, Isabella Kellermeier (Foto: Axel Herrmann)

Und alle zusammen:

Links Matthias Witte und rechts Joachim Hempel. Neben ihm Hermine Poschmann und Isabella Kellermeier (Foto: Axel Herrmann)

Eine Kritische Bewertung des Projektes von Uwe Meier

Das Projekt Friedenskakao aus Kolumbien in Form des Braunschweig-Löwen war schwierig, zeitaufwändig und teuer. Einige, aber viel zu wenig, gutwillige und ehrliche HelferInnen waren notwendig, um das Projekt zu stemmen. Im Grunde ist der kleine Verein "Fair in Braunschweig" damit überfordert, zumal er keine Hilfe von außen bekommt. So ein Projekt ist letztendlich von einzelnen Personen abhängig, die ein besonderes Interesse, aus welchen Gründen auch immer, daran haben. Hilfe darf man nicht erwarten. Das gilt sowohl zeitlich als auch finanziell.

Braunschweig ist zwar Faire Stadt und sonnt sich im fairen Glanze, aber für eine nennenswerte Unterstützung reicht die Fairness nun doch nicht. Auch nicht, wenn die Stadt deutlich vom Bürgerengagement profitiert, wie bei Fair Trade Town oder dem Löwen-Projekt. Das betrifft jedoch nicht nur den Schoko-Löwen, sondern auch das Setzen der Stadt auf kostenlose Unterstützung durch die hoch sachkundigen Initiativen. Wohlfeile Worte mit Händedruck oder gar Medaillen von offizieller Seite, ersetzen keine finanzielle Unterstützung für zukunftsorientierte, prestigeträchtige Projekte. Die Stadt Braunschweig, so sollte es deutlich gesagt werden, "macht ein auf lau". Etwas für lau bekommen, bedeutet, dass es umsonst ist, also nichts kostet, und damit in der Sprache des Neoliberalismus auch nichts wert ist. Das ist nicht "FAIR", das ist höchst UNFAIR, und muss den Entscheidungsträgern der sog. fairen Stadt ins Stammbuch geschrieben werden.

Der verwendete Kakao aus der kolumbianischen Provinz Caquetá, bzw. die kleinen Fincas, die ihn produzieren, sind nicht zertifiziert. Weder "BIO" noch "Fair Trade". Das soll zwar 2017 geschehen und die Anfänge sind gemacht, doch ist das alles schwierig und kostspielig, teils auch nicht ganz ungefährlich. Und ungerecht ist es zudem. Diese Kleinst-Bauernhöfe mit 1-5 Hektar, haben gar nicht das Geld unsere Ansprüche an ein Zertifikat zu erfüllen. Und besser als Bio sind die ohnehin - aus Tradition. Nichts ist glaubwürdiger als deren Anbauweise. Und wenn der deutsche Importeur den doppelten Preis nachweislich bezahlt, ist noch die Frage zu klären, wie das Geld verteilt wird. Wieviel geht in Transport, bleibt in der Kooperative hängen und wieviel bekommen letztendlich die Bauern. Das kann man leicht nachweisen, wenn der Wille nach Transparenz und Glaubwürdigkeit in der Corporacion vorhanden ist. Ist beides nicht vorhanden, sollte der Kakaoanbieter gewechselt werden.

 

 

 

 

 

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