Leserbrief: Verantwortung der Presse

Sehr geehrter Herr Raue,

in Ihren Gedanken zur Zeit 60 Jahre Zeitung schreiben sie vom Misstrauen der Politiker, die dem Volk ein wirksames Instrument zur Information und damit zur Kontrolle der Mächtigen gaben.
Sie schreiben von den drohenden Gefahren fü die Zeitungen.
übersehen sie, bei aller Sorge um die Freiheit der Presse, nicht Ihre Aufgabe, zu helfen Gefahren von der Gemeinschaft abzuwehren?
Information durch die Zeitung fü den selbst bestimmten Büger sollte von eigener Recherche und nicht nur durch die Veröffentlichung fremder Meinungen getragen werden.
Vorgänge auf politischer Ebene in der Stadt Braunschweig werden von Ihrer Zeitung, so der Eindruck, den Ihr Blatt bei vielen Lesern hinterlassen hat, nur zu oberflächlich kontrolliert und noch minder kritisiert.
Um dem Anspruch Ihrer Leser besser gerecht werden zu können, sollten Ihre Bemühungen in diesem Punkt wesentlich verstärkt werden.


Mit freundlichen Grüßen
Gerd Schröder



Anlage zum Brief an Herrn Raue, Braunschweiger Zeitung


Ein Mensch der nicht die Unterstützung der Zeitung erfährt, ist schlecht informiert und läuft Gefahr die Missstände in dieser Zeit zu übersehen und kann drohende Gefahren nicht abwenden.
Ich erwarte keine Missionare in Ihrer Redaktion, eher Wegweiser oder Aufklärer.
Ihnen ist sicher nicht entgangen, wie die Kritikbereitschaft bei den Bürgern wächst.
Sie müssen nicht mit erhobenem Zeigefinger belustigen, sie sollten den Finger benutzen um auf Wichtiges hinzudeuten, zu schreiben, wo Probleme entstehen.
Nur zu veröffentlichen, was kritische Menschen aus der Bevölkerung mitzuteilen haben, genügt nicht. Zumal das zu häufig in verkürzter Form geschieht, somit als Information nicht ausreicht.
Beiträge über Bürgerfragen auf Ratssitzungen habe ich bisher ganz vermisst.
Kann es sein, dass eine Aufarbeitung der politischen Vorgänge in dieser Stadt den Rahmen Ihrer Recherche- und Berichtsmöglichkeiten sprengt?
Hier könnten Sie Ihre Zeitung profilieren, durch gute Berichterstattung, die eigene Recherche und Auseinandersetzung mit lokalen Problemen erkennen lässt.
Leser bemerken in zunehmendem Maße die opportunistische Haltung einer Tageszeitung.
Wenn eine Zeitung nur Werbung vermarktet und kritische Information vermissen lässt, werden die Leser sich verstärkt anderen Informationsquellen zuwenden.
Dem Oberbürgermeister erlauben Sie, sich, auf penetrante Weise, durch ständige Wiederholung und Aufzählung seiner angeblichen Erfolge, in übermaß darzustellen.
Da ist von Investitionen in dieser Stadt die Rede, die angeblich durch den Bau eines Pseudoschlosses oder der ungewissen Zukunft einer Regiostadtbahn hervorgerufen werden.
Für Investoren gibt es viel bedeutsamere Gründe für ihre Aktivitäten.
Von Investitionszurückhaltungen, gar Desinvestments in großer Zahl, mögen Sie wohl nicht berichten? Etwa weil sich so etwas von allein herumspricht?
Ganz vermisst habe ich Ihre kritische Berichterstattung zur Schuldensituation der Stadt und damit ihrer Bürger.
Warum erklären Sie den Lesern nicht, wie durch Schuldenaufnahme über städtische Tochtergesellschaften die Entlastung der Stadtbilanz erfolgt.
Die Schulden bleiben uns doch erhalten. Sie werden nur gekonnt versteckt und durch Finanzakrobatik unnötig gesteigert.
Durch Privatisierungen und das Einschalten von geldgierigen Unternehmen werden zusätzliche Kosten auf die Bürgerinnen und Bürger zukommen. Um nur einige zu nennen: es sind unkalkulierbare Zinslasten durch nicht fristenkongruente Refinanzierung, der Investitionsstau und die Mehrwertsteuer, die bei anderer Abwicklungsform so nicht angefallen wären.
So werden Probleme potenziert und in die ungewisse Zukunft verlagert.
Auf vielleicht hundert oder mehr Millionen Euro zusätzlich scheint es hierbei nicht anzukommen. Hierzu sind auch noch erhöhte Transferzahlungen der Stadt an sozialschwache Bevölkerungskreise zu rechnen.
Verteuerte Leistungen durch Privatisierungen, wie aus anderen Kommunen bekannt, führen in jedem Falle zu einer Verstärkung der Probleme. Unsere Nachkommen werden über gleichgültige Haltungen sicher nicht erfreut sein.
Hier bietet sich für Ihre Zeitung reichlich Spielraum der Darstellung eines hochbrisanten, politischen Themas.
Gehen Sie davon aus, dass diese Ansicht über Braunschweiger Zeitungs Journalismus vielen Menschen zur Kenntnis gelangt.
Leider wurden zu häufig Leserbriefe verfälschend verkürzt, gar nicht oder nur, wenn es vielleicht in Ihre Bedürfnisse passte, veröffentlicht.
Ich wünsche mir, Sie würden immer häufiger nach den Maximen, die ich Ihren verschiedenen Äußerungen entnommen habe, handeln.

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