Wahl 2017: Lebhafte Debatte zur Umwelt

Diskussionsveranstaltung „Umweltpolitik abgemeldet?“ des Umweltzentrums mit den BewerberInnen um das Direktmandat bei der Bundestagswahl am 24. September

Das Umweltzentrum Braunschweig e.V. lud zu einer Diskussionsveranstaltung: unter dem Titel „Umweltpolitik abgemeldet?“ am 7. September 2017 im Haus der Kulturen ein.

Unter der Moderation von Uwe Meier (Ev. Akademie Abt Jerusalem und braunschweig-spiegel.de), diskutierten von links: Paul Deutsch (MLPD), Cihane Gürtas-Yildirim (Die Linke), Dr. Carola Reimann (MdB, SPD), Juliane Krause (Bündnis 90/Die Grünen), Carsten Müller (MdB, CDU), Ingo Schramm (FDP), Mirco Hanker (AfD). Foto: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Uwe Meier eröffnete die Veranstaltung mit einer Frage an alle TeilnehmerInnen wie wir aus der industrialisierten Landwirtschaft herauskommen können, was von nahezu allen Diskutierenden mit der Notwendigkeit zu einer Einschränkung der Massentierhaltung und einer Förderung des Bio-Anbaus beantwortet wurde. Wies Cehine Gürtas-Yildirim darauf hin, dass sich viele einkommensschwache Menschen kein Bio leisten können, meinte Ingo Schramm, der mündige Konsument müsse an der Theke selbst entscheiden, ob er Bio oder billig nehme. Auf Nachfragen äußerte Carsten Müller, man könne doch einmal „gebrauchte“ Legehennen in seinem Garten aufnehmen, die Tiere bekämen so einen angenehmen Lebensabend.

Carola Reimann verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Nitratproblematik und die damit einhergehende Grundwasserbelastung. Auf weiteres Nachfragen des Moderators, wie es denn ethisch verantwortbar sei, industrielle Landwirtschaft zu betreiben, sprach sich Reimann für einen Tierschutz-TÜV und entsprechende Labels aus. Juliane Krause sprach sich für die Grünen für eine konsequente Umstellung auf ökologischen Landbau aus, was auch eine Reduzierung des Fleischkonsums beinhalte.

Moderator Uwe Meier steuerte erfolgreich die Diskussion. Foto: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Uwe Meier fragte in die Runde, ob es nicht sinnvoll sei, wenigstens ein Forschungsinstitut in Deutschland, z. B. am Thünen Institut, zu etablieren, das sich mit dem Thema "Agrarethik" wissenschaftlich befasst, denn Tiere und Pflanzen seien schließlich Lebewesen und nicht nur nach wirtschaftlichen Maßstäben zu bemessen. Schließlich hätten wir Menschen den Lebewesen das Leben nicht gegeben. Dem Vorschlag hinsichtlich eines neuen transdisziplinären Forschungsinstituts zur Agrarethik standen Frau Reimann und Herr Müller positiv gegenüber.

Während es beim Thema Reduzierung des Fleischkonsums einen überraschenden Konsens von ganz rechts bis ganz links gab, wurde die Debatte bei den nächsten Themen, die Uwe Meier in die Runde warf, kontroverser. Auf die Klimaproblematik angesprochen, verwiesen die beiden Abgeordneten der Großen Koalition auf das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, während Juliane Krause und Cehine Gürtas-Yildirm wie auch Paul Deutsch darauf hinwiesen, dass Deutschland seine Klimaschutzziele bis 2020 klar verfehlen wird. Mirco Hanker stellte – wie es dem Programm der AfD entspricht – den menschengemachten Klimawandel als solchen in Frage.

Die Veranstaltung war gut besucht. Rege war die Beteiligung als es in die Besucher-Fragestunde ging. Foto: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Etwas mehr Einigkeit herrschte wieder bei der Frage Meiers, wie denn mit den Atommüllendlagern in der Region verfahren werden solle, wobei sich alle Kandidatinnen und Kandidaten um eine klare Stellungnahme zu Schacht KONRAD herumdrückten. Erst als Nils Salveter von der BIBS aus dem Publikum auf die Möglichkeit verwies, das geplante Gewerbegebiet Geitelde könne auch für ein Eingangszwischenlager genutzt werden, sprach sich Carsten Müller vehement gegen diese Perspektive aus.

Im zweiten Teil der Veranstaltung kam das zahlreich anwesende Publikum zu Wort, viele Wortmeldungen der rund 80 Anwesenden fielen dann leider dem Zeitmangel zum Opfer. Aber kritisch angemerkt wurde, dass keiner und keine der Diskutierenden auf die Problematik EZN in Thune einging, wo möglicherweise nukleare Abfälle für die Endlagerung konditioniert werden sollen. Die BewerberInnen um das Direktmandat verwiesen auf den Bestandsschutz für EZN und darauf, dass dies die Kommune im Bebauungsplan regeln müsse. Auch bei Publikumsfragen zum Thema Wachstumskritik blieben die VertreterInnen der etablierten Parteien eher schmallippig. Lediglich die Linke verwies auf wachstumskritische Ansätze im Wahlprogramm, Juliane Krause sprach zwar ihre Wertschätzung für Nico Paech und seinen propagierten Abschied vom Wachstum aus, doch einen Hinweis auf die praktische Umsetzung blieb auch sie schuldig.

Wirkten die Bewerberinnen und Bewerber am Anfang so, als trügen sie einen Wettbewerb um das „grünste Grün“ im Lande aus, traten im Laufe der Debatte doch die Unterschiede zwischen einzelnen Parteien, speziell der Grünen wie Linken auf dem einen sowie FDP und AfD am anderen Ende des Spektrums zutage. Von den anwesenden Abgeordneten zeigte sich Carola Reimann ausgesprochen sachkundig, während Carsten Müller sich die eine oder andere kleine Polemik nicht verkniff. Insgesamt war es eine sachorientierte, informative, lebhafte und souverän moderierte Veranstaltung, die allerdings das Fragezeichen, das die Veranstalter dem Titel gegeben hatten, nicht wegnehmen konnte.

 

 

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