Der Schokoladenlöwe und der schwierige kolumbianische Frieden

 

Fotografiert auf der Plaza de Bolivar im Zentrum Bogotas bei der Friedensdemo am 26.10.2016 Foto MEIER

Ja, der braunschweiger Schokoladenlöwe hat durchaus so einiges mit dem kolumbianischen Frieden zu tun. Mit viel Aufwand wurde der Löwe im November 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Vieles wurde geschrieben zur Friedensschokolade und ihren Friedenskakao aus Kolumbien. Ein Braunschweiger Designerteam  hat sogar den Preis der "Kreativpioniere Niedersachsen" für ihr Projekt "Cacao de Paz" gewonnen. Liest man die Presse, die aus Kolumbien berichtet, so bekommt man den Eindruck, dass der Krieg ebenso zunimmt wie der Drogenanbau. War alles umsonst, fragt man sich, kann es keinen Frieden in Kolumbien geben, ist damit auch der Friedenskakao ein schlichter Werbegag? Hier gleich die Antwort:

DIE FRIEDENSBEMÜHUNGEN WAREN NICHT UMSONST UND DEN FRIEDENSKAKAO FÜR UNSEREN LÖWEN GIBT ES NICHT NUR SYMBOLISCH, SONDERN IN REALITÄT!

Flagge der kolumbianischen FARC-Guerilla Foto: MEIER

Wer konnte erwarten, dass ein 52-jähriger Krieg um Landverteilung und Drogen mit einigen Unterschriften auf einem Blatt Papier sogleich umgesetzt werden kann? Die meisten Menschen in Kolumbien kennen nur den Krieg - und nicht den Frieden. Nur Naivlinge konnten das erwarten. Zu viele Interessen sind im Spiel, zu viele Rechnungen offen und dazu noch Paramilitärs (irreguläre Kampfverbände von Großgrundbesitzern) und Drogenbanden. Der Frieden kann nur in einem langwierigen Prozess gewonnen werden. Dazu muss die Regierung in Bogota auch noch mehr leisten. Zum Beispiel die Landverteilung auf sauberer Rechtsgrundlage endlich zu beginnen, wie es im Friedensvertrag steht.

Ernte von Blättern eines Koka-Strauches. Foto MEIER

Mit Koka verdienen die Bauern etwa 300 Euro im Monat. Das ist nicht viel, aber mehr als der Mindestlohn (200 $) und mehr als für Kakao. Aber, so berichten ehemalige Kokabauern, die heute Kakao anbauen am Mittleren Rio Magdalena: Mit Koka sind wir erpressbar, weil der Anbau illegal ist, mit Kakao bleibt mehr für unsere Familien. Erpresst wird viel: von der Guerilla, den Paras und den Beamten in der Antidrogenbehörde. Alle wollen an den Drogen verdienen. Es bleibt den Bauern nicht viel. Beim Kakao schon, und der ist eine echte Alternative.

Ehemaliger Kokabauer im Gebiet Bucaramanga, der über sein früheres Leben Auskunft gab. Seit einigen Jahren baut er Kakao an und ist zufriedener. Foto MEIER

 7 Millionen interne Flüchtlinge gibt es in Kolumbien. Die sollen wieder durch staatliche Landvergabe mit Landtitel angesiedelt werden. Kakao und Kaffee sind hier Alternativen zum Koka. Die Infrastruktur ist schwierig

Nach einem Gespräch mit einem geflüchteten Kleinbauern (rotes shirt), der nach Rückkehr sein Land wiederbekommen hat. Außerdem MitarbeiterIn der UN-Drogenbehörde, die mich bei der Suche nach dem Braunschweiger Friedenskakao für den Braunschweig-Schoko-Löwen begleiteten. Foto MEIER

So kommt der Kakao für den Braunschweig Schoko-Löwen aus der Provinz Caqueta, einer unwegsamen Provinz mit viel Drogenanbau und illegaler Kriegstreiber. Gerade diese hoch schwierigen Anbaugebiete interessieren uns von der Firma "Urwaldgarten" für unseren "Schoko-Braunschweig-Löwen". Wir wollen mit dem Löwen ein Zeichen setzen! Wir sind überzeugt, dass nicht der "Tropfen auf den heißen Stein" das letzte Wort ist, sondern "steter Tropfen höhlt den Stein". Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Also haben wir ihn begonnen - auch hier in Braunschweig.

Ohne die zwei landes- und sachkundigen Beraterinnen wäre diese Reise zur Kakaosuche für den Braunschweig-Löwen nicht möglich gewesen. Links Mabel Rueda und rechts Ines Hernandez (UNEP) Foto Jorge Ramirez

Ines Hernandez (UNEP) überreicht auf dem Flughafen von Barrancabermeja das UN-Armband: Yo defiendo los derechos humanos (Ich verteidige die Menschenrechte) Foto: Mabel Rueda

Submit to FacebookSubmit to Twitter

Additional information