„PULSE OF EUROPE“: Macht Braunschweig mit?

Sonntag für Sonntag ab 14 Uhr wandeln sich der Gendarmenmarkt in Berlin oder die Plätze in Köln (Domplatte), Düsseldorf (Burgplatz), Essen, Frankfurt (Goetheplatz), Hameln (Am Stockhof) und neuerdings auch in Hannover (Ernst August-Platz) in ein Meer von blauen Fahnen mit goldenen Sternen und Bändern. Die Städte mit Demonstrationen unter dem Titel „PULSE OF EUROPE“ (Herzschlag für Europa) nehmen rasch zu. Derzeit sind es etwa 40 allein in Deutschland. In anderen Ländern Europas wird auch FÜR etwas demonstriert und nicht gegen etwas.

Es wird für ein geeinigtes Europa, für europäische Gemeinsamkeit, für ein soziales Europa, für mehr Toleranz und Demokratie demonstriert. Es herrscht der Eindruck, dass die Politik versagt hat. Die Zivilgesellschaft der Europäischen Union muss es nun richten. Kurzum, es geht um Werte, die jetzt, kurz vor dem 60. Geburtstag der EU, vielen Menschen als bedroht erscheinen.

Seinen Ausgang nahm „Pulse of Europe“ natürlich nicht in Brüssel sondern in einem Frankfurter Wohnzimmer. Gründer ist Daniel Röder, der vom Erfolg überrascht ist. Den Impuls gab die Wahl von Trump, dem US-Präsidenten. Die entscheidende Frage: Warum werden die Menschen erst aktiv, wenn die Wahl gelaufen ist, wie beim BREXIT und der Trump-Wahl? Warum nicht vorher, wenn noch was zu machen ist?

Gemein ist den FÜR-Demonstranten, dass sie nicht wollen, dass die EU kaputt gemacht wird. Sie schätzen den Wert von 70 Jahre Frieden, was eben nicht selbstverständlich ist.

Es sieht so aus, als ändere sich gerade das Bild der EU, zumindest ein bisschen. Jetzt geht es nicht um Glühbirnenverbote und Gurkenkrümmungen in der Regelungswut Brüssels. Jetzt geht es um das, was Europa seinem Selbstverständnis nach ausmacht: um WERTE, die von Wilders, Le Pen oder der AfD infrage gestellt werden.

Die lautesten Verfechter der Werte finden sich interessanterweise nicht in der Politik sondern auf der Straße. Während die gewählten EU-Mandatsträger das selbstbewusste Eintreten für Europa scheuen, ziehen Sonntag für Sonntag Tausende mit blauem Sternenbanner auf die Plätze. Es breitet sich tatsächlich so etwas wie Leidenschaft für Europa aus. Der Politik ist diese Leidenschaft anscheinend verloren gegangen.

Die Politiker, die Europa nur noch im Krisenmodus erklären, wollen nun auf den Demozug aufspringen. Das geht aber nicht, denn, so Röder, wir wollen uns nicht vereinnahmen lassen. Die parteipolitische Unabhängigkeit verschaffe der Bewegung erst die Glaubwürdigkeit. Natürlich gibt es inzwischen, so Röder, auch die Verschwörungstheoretiker, die sich nicht vorstellen können, dass eine solche Bewegung von unten erwächst, ganz ohne Geld von der EU oder George Soros. Pulse of Europe – worum geht es? Die zehn Grundthesen

Meine Frage ist, stimmt das alles? Ist der Protest von großen Anwaltskanzleien Think Tanks inszeniert? Die "Nachdenkseiten.de" und ihre Leser vermuten das. Ist "Pulse of Europe" ein übles PR-Machwerk. Wir werden sehen, denn klar ist, die Menschen müssen an die Ursachen des EU-Desasters ran. Da reichen die 10 Punkte nicht. Bekanntlich gilt es in der EU die Gerechtigkeitsfrage mit der Verteilung von unten nach oben und die Privatisierungen zu klären. Ein Europa der Werte, wie sich die EU selber versteht, muss klären welche Werte gemeint sind. Sicher nicht nur als Vermögenswerte sondern insbesondere ethisch- humanistische Werte.

Und Braunschweig: Für Samstag um 14 Uhr ist eine Europa-Demo auf dem Kohlmarkt angemeldet. Doch das soll erst der Auftakt sein, bis Braunschweig bei „Pulse of Europe“ als teilnehmende Stadt registriert ist. Dann soll es Sonntags losgehen. Eine Stunde ab 14 Uhr, wie überall in den EU-Staaten. Vielleicht machen ja Kunstschaffende mit. Die „Ode an die Freude“ zu spielen, die Europahymne, sollte doch möglich sein.


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