Demografische Katastrophe?

von Ingeborg Gerlach

Die "demografische Entwicklung" ist, ähnlich wie die Globalisierung, zu einem Vielzweckargument geworden, mit dem man unter anderem höhere Sozialabgaben durchsetzen oder die Leute dazu überreden kann, private Altersversicherungen abzuschließen.

Nach den neuesten Prognosen schlägt die Katastrophenstimmung wieder hohe Wellen, und der vorhergesagte Kampf der Jungen gegen die Alten könnte bald zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Wohltuend nüchtern ist in dieser Situation das Interview mit dem Statistiker Professor Gerd Bosbach an der Fachhochschule Koblenz, das die Frankfurter Rundschau am 8.11.2006 abdruckte. Bosbach stellt fest, das bereits im vorigen Jahrhundert ein starker Bevölkerungsschwund eingesetzt hat, der dank der steigenden Produktivität aber keine negativen Auswirkungen hatte und auch in Zukunft nicht haben muss, wenn mehr Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Job haben. Die hohe Arbeitslosigkeit ist unser wunder Punkt, sie müsste bekämpft werden, damit der vorausgesagte Generationenkampf ausbleibt.

Interview von Katharina Sperber mit Gerd Bosbach

P.S. (Administrator)
Aber sie sterben uns ja nicht nur einfach so weg, die Deutschen, nein, die überlebenden wandern auch noch aus. Ein zusätzliches Katastrophenszenario veranlasste den Präsidenten des deutschen Industrie und Handelskammertages jüngst "Alarm zu schlagen und den Verlust zu beklagen. Die neudeutsche Rede vom erhielt frischen Auftrieb." - so berichtet Joachim Güntner in der heutigen Neuen Zürcher Zeitung (10.11.06) und stellt zusammenfassend fest: "der Pisa-Schock, diverse auf den Geburtenrückgang abhebende Methusalem Szenarien, .... und nun auch noch die Statistiken zur Auswanderung verflechten sich zu einem Nachrichtengestrüpp, das den ebenso diffusen wie bedrohlichen Eindruck vermittelt, die deutsche Bevölkerung entwickle sich vor allem in vier Dimensionen: Sie werde ärmer, älter, kleiner - und dümmer."

Was uns betrifft, verwahren wir uns gegen den herablassenden Blick vom eidgenössischen Matterhorn auf die Oker-Niederung! Wir schauen stattdessen in den Spiegel - oder doch wenigstens in die Braunschweiger Zeitung - und stellen fest, dass hier in Braunschweig alles ganz anders ist: Wir werden reicher, jünger, größer (Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel) - und klüger. Basta!


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