PISA-Deutsch aus den Redaktionsstuben

Am 23.3.2007 konnten sich die Leser der Braunschweiger Zeitung wieder einmal - im Grunde jedoch wie immer - vom PISA-Deutsch aus den Redaktionsstuben der Braunschweiger Zeitung überzeugen:

"Vielen Räume des Braunschweiger Sozialgerichts sind vollgestopft mit Akten" heisst es dort und weiter (offenbar im Ansatz eines plural majestatis): "Owen Hargreaves sollen England in Israel zum Erfolg führen".

Dafür bezahlen die noch verbliebenen Abonnenten dieser Zeitung dann jeden Monat 21,50 Euro, die so gesehen sicherlich besser angelegt werden könnten.

Den Kindern wurde früher vereinfachend erklärt: "Lest die Zeitung, dann habt ihr Bildung genug". Heute kann man davon nur abraten, die Kinder im Hinblick auf deren spätere Bewerbungschancen mit vorstehend zitierten Abarten des Deutschen zu konfrontieren.

Den Beweis, dass es auch anders geht, liefert die Braunschweiger Zeitung wöchentlich gleich mit. Die Beilage "PRISMA - Wochenmagazin zur Zeitung" ist des Deutschen mächtig und praktisch fehlerfrei. Allerdings stammt diese Beilage nicht von der Braunschweiger Zeitung, sondern von der MSG Media-Service-Gesellschaft in Köln.

Ein Personalproblem? Wahrscheinlich. Vielleicht hätte man vor der Entlassung von 40 Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern der Braunschweiger Zeitung mal jemand fragen sollen, der von den damit verbundenen Auswirkungen etwas versteht.

Ralf Beyer

Die Herzöge von Hinten

Die Fotografie, am heutigen Standort aufgenommen (07.02.2007), wurde schon während seiner Entstehung gelobt. Denn eine freundliche Nichts ahnende Spaziergängerin sprach mich an: Ich hätte das Foto des Jahres gemacht. Auf meine Nachfrage hin erwiderte sie: Die Standbilder von hinten, das sei ihr auch gerade aufgefallen, gebe es nur im Winter zu sehen, da sie sonst vom Laub der Bäume verdeckt seien.

Hoch zu Ross reiten Vater und Sohn, die Herzöge Carl Wilhelm Ferdinand ( 1806) und Friedrich Wilhelm († 1815), in die Dämmerung. Sagen sie dem Löwenwall adieu? Wenn es nach der „Bürgerinitiative“, - die gegen den Verbleib der Herzöge an diesem schönen Ort ist - ginge, ritten sie einem neuen Morgen vor den Schloss-Arkaden entgegen.

Seit ihrer Enthüllung 1874 standen die in Kupfer getriebenen Reiterstandbilder als Denkmäler eines (speziellen) nationalen Bewusstseins, das sich aus dem Kampf gegen die französische Fremdherrschaft entwickelte vor dem Ottmerschloss. Beide Herzöge galten als „Freiheitshelden“ der napoleonischen Kriege. Dies bewog in den Gründungszeiten des Deutschen Reiches einige Braunschweiger Bürger für die Anfertigung und Aufstellung der Plastiken Gelder zu spenden.

Künstler/innen schaffen frei von der Leber? - Zur Ausstellung

Josephine Prydes Fotoserie „Liver“ zeigt ein Stückchen Leber auf den Automaten verschiedener Banken in Manhattan und Braunschweig

 

 


Die in der Galerie der Hochschule für Bildende Künste ausstellenden Künstlerinnen – Monika Grzymala, Katrin von Maltzahn, Josephine Pryde und Maria Sewcz – verbindet, dass sie alle ein Stipendium innerhalb des niedersächsischen Dorothea Erxleben-Programms zur Förderung von Frauen – mit Lehrauftrag an der HBK – erhielten.

Die britische Künstlerin Josephine Pryde stellte das ihr zur Verfügung stehende Katalogbudget ihren Studenten für die Publikation eines Magazins („When I was 23 I decided to dedicate my life to art“) und einer Mindmap („Students‘ Day in the Culture Industry“) zur Verfügung. Das Magazin resultiert aus einer Exkursion nach London, bei der die Braunschweiger Kunststudentinnen und Kunststudenten auch Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit den Vermarktungsstrategien moderner Museen (Tate) und Künstlern wie denen der Young British Art erhielten, die in den 90er Jahren mit Damien Hirst an der Spitze nicht zuletzt über den berühmten Sammler Saatchi auch in Deutschland sehr bekannt geworden sind.

Leseempfehlung

Sehr zum Lesen empfohlen: die neue Umweltzeitung.
Das Hauptthema: "Bürgergeld - Weg aus der Armutsfalle?" wird verständlich dargeboten. Auch wenn man anderer Meinung sein und den garantierten Mindestlohn bevorzugen sollte - die Auseinandersetzung mit den hier vorgetragenen Thesen lohnt sich. Außerdem ist die Umweltzeitung Braunschweigs einziges Oppositionsblatt!!! Als guter Vorsatz für das Neue Jahr: lesen, am besten abonnieren.

Der blanke Hohn: Ackers liest "Pfisters Mühle" von Wilhelm Raabe

Am Donnerstag, den 12. Oktober hat Prof. Dipl.-Ing. Walter Ackers im Städtischen Museum im Rahmen der Feierlichkeiten zu Wilhelm Raabes 175. Geburtstag aus „Pfisters Mühle. Ein Sommerferienheft“ (1884) vorgelesen.
„Pfisters Mühle“ gilt heute als einer der ersten literarischen Texte, der das Problem moderner Umweltverschmutzung thematisiert.

Ackers Lesung

Ein Bericht über die Konfrontation Ackers mit seinen Widersprüchen ...

Bürgerinitiative für eine freie und unabhängige Presse in Braunschweig

Die Bürgerinitiative für eine freie und unabhängige Presse in Braunschweig trifft sich

14tägig Donnerstags, 19.00 Uhr im Stadtpark-Restaurant, Jasperallee 42.

 

Für eine genaue Terminauskunft mailen Sie an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

(oder telefonisch unter:  0178-8773335)

Seit dem Mittelalter aktuell: Das Dekameron des Giovanni Boccaccio

Das DekameronDas Dekameron des Giovanni Boccacio enthält 100 (10x10) Novellen, deren Rahmenhandlung sich in einem Landhaus in der Nähe von Florenz abspielt. Sieben Frauen und drei junge Männer, die vor der Pest aufs Land geflüchtet sind, vertreiben sich die Zeit des Wartens mit dem Erzählen von Geschichten. Zehn Tage lang wird immer eine Erzähl-Königin oder ein Erzähl-König ernannt, die oder der den Themenkreis des Tages bestimmt. Im Rahmen dieser Vorgabe müssen sich alle eine Geschichte ausdenken und vortragen. Als die zehn Tage um sind, kehren sie alle nach Florenz zurück.

Die Geschichten haben keinen Titel, am Anfang steht jedoch immer ein kurzer Appetitmacher aus wenigen Sätzen. Bevor jedoch eine neue Geschichte beginnt, beschreibt Boccacio die Reaktion der Zuhörenden auf die vorangegangene Geschichte. Jeder Tag schließt mit einem kleinen Fest, mit Gesang, Spiel und Speise.

Das zwischen 1350 und 1353 verfasste Werk liefert, nebenbei erwähnt, mit seinem Vorwort eine der detailliertesten Quellen über die Ausbreitung der Pest.

Aus dem Gesamtwerk ist neben der sog. Falkennovelle die "Geschichte vom verzauberten Birnbaum" berühmt geworden. Die Geschichte der Entdeckung eines Ehebruchs inflagranti veranschaulicht, dass das, was nicht sein darf, auch nicht sein kann. Wer aber auf die Wahrheit beharrt, muss dafür büßen!

Nicht nur das ist hochaktuell. Zusammen mit der Beschreibung der Reaktion der Zuhörerinnen ist die Geschichte genau genommen auch die erste "umweltpolitische" Schrift der Literaturgeschichte. Ob das von Boccaccio auch so beabsichtigt war, sei dahingestellt. Unzweideutig politisch ist aber die Einleitung zur zehnten Geschichte des siebenten Tages, in der der König die Einhaltung der Gesetze, gerade durch die Herrschenden selbst, anmahnt.

Der Text:

Lydia, die Gemahlin des Nikostratus, verliebt sich in ihren Diener Pyrrhus. Dieser fordert drei Beweise, um sich davon zu überzeugen. Lydia gibt sie ihm nicht nur, sondern läßt sich auch in Gegenwart ihres Gemahls von ihm liebkosen und weiß dennoch diesem einzureden, daß er nichts gesehen habe.

Leserbrief: Schlingensief spricht aus Erfahrung

Meine Hoffnung sehe ich bestätigt, wie und zu was sich der unabhängige Kopf Chrisoph Schlingensief bei seiner Antrittsvorlesung in der HBK geäußert hat.
Zu dem überdimensionierten, monströsen Kaufhausschloss mit ca. 130-150 Geschäften sagte er: Damit verschandelt ihr die Innenstadt und macht die kleinen Läden kaputt. Wir in Oberhausen haben das schon hinter uns...
Die Prognosen waren alle schon da. Wann hört es endlich auf, uns das alles als Segen für diese Stadt vorzugaukeln? Es gibt Verantwortliche, die dem allem zugestimmt haben.

Sigrid Probst

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